Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 3 (15.1.1847)
- Date
- 1847-01-15
- Page
- Spalte 41-42 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Studien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. 42 Milchstraße war schon der treffliche Ausdruck Nehar de- Nur (Feuerstrom) oder Schebila de-Neki"a (Himmelsbahn) im Gebrauch 107), und es wird schon behauptet, daß der Schwanz des Sternbildes Skorpion ('Ukza de-^Akrabba) an der Milchstraße westlich liegt los). Für Komet war schon der Ausdruck Sika'°s), Kuchba de - Schebit wird schon als ein Stern erklärt, der lang wie eine Ruthe, blitzend Pfeile abzuschießen scheint L1°). In Bezug auf die Kometen hatte man einen alten Satz: Ein Komet überschreitet nie den Orion, . denn-wenn er ihn überschritte, so würde er die Welt zerstören; und in Bezug auf das Sternbild Skorpion: Wenn nicht die Gluth des Orion (in dessen Nähe das Sternbild Stier), so müßte die Welt von der Kälte des Skorpion zerstört werden, und eben so umgekehrt, so daß beide zusammen das Gleichgewicht erhalten. Ebenso: Wäre der Schweif des Skorpions nicht an der Milchstraße gelegen (Nehar de- Nur), so würde fast Niemand leben, wenn ihn der Skorpion bisse -* * 111). Als Jahresanfang wurde der Herbst betrachtet, und daher die Behauptung ausgesprochen, daß erst Kima und dann "Ajisch d. h. erst die Reihefolge unter Anführung des Skorpions kommt, und auf Grund dieser Ansicht hat sich die Sage gebildet^-): Als Gott die Fluth über die Welt bringen wollte, da nahm eo zwei Sterne von Kima d. h. Skorpion (das Sinnbild der Regenzeit) und brachte so die Fluth; als er aber die Fluth wegschaffen wollte, da nahm er zwei Sterne von 'Ajlsch (als Sinnbild der trockenen Jahreszeit) und die Fluth versiegte. Der berühmte Jehoschua (ein Astronom und Meßkundiger) wußte 89 n. Ehr., daß allsiebzigjährig (eig. immer nach 73 Jahren) ein Komet erscheint, der die Schiffer, die sich nach dem sogenannten Wagen oder großen Bär richten, irre leitet (indem er die Gestalt des Wagens ändert bei der Nähe seiner Bahn durch denselben), und über diesen Komet wird, wie hinlänglich erwiesen, als der sogenannte Halley'sche, auch nach der neuesten Berechnung Alles bestätigt"^). 'Dergleichen Ansichten und Termen über die astronomische Wissenschaft finden sich unzählige in den Talmuden und Midraschim, die ein Vorhandensein dieser Wissenschaft, wenn auch in einem Zustande der Kindheit voraussetzen. Und in der That nicht blos das traditionale Zeugniß in den ältesten Schriftwerken, sondern auch noch ganz aridere Relationen von Außen her bezeugen, daß die Juden noch vor Entstehung des Christenthums und bald darnach die Astronomie betrieben, analog der griechischen Terminologie 197) Pescher Dabar 1. c. S. 12. — 108) Berachot 58 b. — 109) pl. Sikin. Berachot 1. c, Jeruschalmi das. — 110) Raschi das. — 111) Berachot 1. c. 112) ib. 59 a. — 113) Horajot 16 rr. Vergl. Sendschreiben Rapaport's an Slonimsky, aus dem Hebräischen ins Deutsche übersetzt xon I. Fürst, Orient LB. 1840. Nr. 9-17. Ueber die talm. Astronomie vergl. noch Jair Ba ch arach in GA. Shawwot Jair §. 219. — hebräische Benennungen gehabt, wie dies schon Epkphanius, seit 367 Bischof von Salamin, im ersten Buche gegen die Ketzer berichtet 11+). Die Kunde der Astronomie wurde sogar schon früh als ein Moment der Gotteserkenntniß angesehen, und die Haggada hat nicht nur darauf in schönen Sentenzen hingewiesenl14), sondern die blühende Sage hat es schon verstanden, sie in lieblicher Form zu symbolisiren, und als einen Theil der Gotteserkenntniß anzuempsehlen 116). — 3. Wie die Kunde der'Astronomie im Allgemeinen zur Zeit Samuel's unter seinen Glaubensgenossen hinlänglich bekannt war, um so eher diejenige Abzweigung derselben, welche die Kalenderkunde ausmacht, da sie zur Festbestimmung und dergleichen sehrnöthig war. MarJochanan, rin Zeitgenosse Samuel's, hielt die Kalenderkunde (Cheschban Tekufot weha- . 114) Epiphanii Opp. $)artS 1822. f. Die Stelle Lautet in deutscher Uebersetzung: „Auch dae Fatum und die Astronomie stand beiden Pharisäern in großem Ansehen. Um gleich ein Beispiel anzuführen, die griechischen Termen jener verirrenden und verführerischen Wissenschaft übertrugen sie in entsprechende hebräische Benennungen. So wurde die Sonne von ihnen 'IiixficwcuGsjisg (d. h. Chamma und Schemesch) genannt; der Mond 'teQssHciLttXßecva (d. h. Jerach und Lebana), weshalb derselbe auch Mrjvr) genannt rcicö. Denn (Jerach) heißt der Monat und der Mond. Den Mars nannten sie Xazeß OzjiooX (Kochab. . .), den Jupiter Xaj%sß Boccd (Kochab Baal), den Merkur Xco%eß O&od (Kochab ....), die Venus SsQova (Sohora-Nogah) oder Aovrjd (d. h. OvXrjd, Joledet, Moledet vgl. MvXlzxdc), den Saturn Xco%sß Xußad (Kochab Sabbat). Sie haben auch andere Benennungen, aber ich kann eine Nomenklatur derselben nicht angeben. Für die Zeichen des Zodiokus haben sie hebräische Namen, wie TsXaa, Widder, 2ooq, Stier, Zwillinge, 2uQdT<z{i (Sartan), Krebs, ’Aqi, ßötmf Bs&ovXu , Jungfrau, Mco^avr] (Mosnajim), Waage, AzQccß) Skorpion, Ksasz, Bogen (-Schütze), Fadij Steinbock, A«Xl} Wassermann, (Dagim), Fische. So schlossen sich die Pharisäer ganz den Griechen an, und übertrugen auf diese Weise die griechischen Benennungen ins Hebräische". Einige Namen bei Epiphanius sind auch ganz korrumpirt, und erwarten noch ihre Enträthselung. Der Talmud hat auch für Merkur: Safra de - Chamma d. h. Schreiber der Sonne (Sabbat 1. e.), und die späteren Katt ab, Schreiber. Für Schor hat der Talmud noch *Egl-r (Kalb),Berachot 1. c. — 115) Vgl. Sabbat 75 s, wo die Astronomie, als zur Erkenntniß Gottes aus der Weltfchöpsung führend, empfohlen wird. Vgl. Schochac Tob 28; Maimüni's GA. 53 wo er sich auf eine Barajta beruft, die da lautet: Es spricht R. Meir: Schau die Werke Gottes an, denn dadurch wirst du den erkennen, der da sprach und das All war. Vgl. nach Chagiza 12 b: Wehe den Menschen, sie sehen un8 wissen nicht, was sie sehen, sie stehen und wissen nicht, worauf sie stehen. — 116) Baba Batra 16 d heißt es: Ein edler Diamant hing am Halse des Patriarchen Abraham, u. s. w. als er gestorben, da nahm ihn Gott und hing ihn an die Sonnensphäre u. s. w. Der Diamant war die Gotteserkenntniß, die von ihm aus Allen leuchtete. Nach seinem Tode war man auf diejenige Gotteeerkenntniß angewiesen, welche die Anschauung der Sonnensphäre bor. Vgl. SaL. JbnAdrat zu der Stelle; S. Eideles das. Maimüni 'Aboda Sara e. 1.