Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 3 (15.1.1847)
- Date
- 1847-01-15
- Page
- Spalte 39-40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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39 40 Studien. Geschichte der jLd. Literatur in Babylonien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. Eine Skizze von Dr. Julius Fürst. (Fortsetzung) Fünftes Kapitel. 1. Ein Genosse Abba Areka's oder Rab's, der für Neharde'a das wurde, was jener für Sora, war Mar Samuel, ben Abba ha-Kohen Jarchinai, 93) der auch noch die Zunamen Schakod, Schabur-Malka und Ar jach führte9+). Er war wie Ab-ba Areka früher ebenfalls in der Umgebung Jehuda Ha-Nasi's in Palästina, und zwar als Arzt und Freund desselben, aber er kehrte einige Ant vor Abba Areka in seine Heimat nach Babylonien zurück, wo ihn Rab 188 n. Ehr. schon als Lehrer in Neharde^a gesunden. Da man ihn in Palästina mehr für einen Gelehrten in außertraditionalen Wissenschaften d. h sür einen Chacham, als für einen Rabbi gehalten hätte, und ec in Folge dessen auch nie dort ordim'rt wurde 9S), so lebte ec in Neharde'a viel weniger angesehen,, als der spater angekommene Rab, und nur erst nach dem Tode (219) des greisen Resch Sidra (Schema) , als Rab ihn zum Rektorat in Neharde^a drängte, begann seine eigentlich große Wirksamkeit als Talmudlehrer. In dieser doppelten Weise, als Chacham oder Astronom und Arzt, und zuletzt als Rabbi oder Talmudlehrer ist die literarische Thätigkeit und der Einfluß Mar Samuel' s auch zu betrachten, wenn wir seine Zeit und seine Nachfolger m ihren Arbeiten richtig würdigen wollen. 2. Wir beginnen mit M a r S a m u e l 's astronomischem Kenntnissen, die wir aber wiederum nur im Reflexe des damaligen Zustandes dieser Wissenschaft begreifen- — So geringfügig auch der Ertrag der biblischen Schriften für die Kunde der Astronomie, so unbedeutend die Kerintuiß dep Juden, im jener tsrühern Periode, in der astronomischen Wissenschaft auch angeschlagen werden mag, so ist es doch gewiß auch nicht zm bezweifeln, daß indem Jahrhundert vor und in den zwei Jahrhunderten n. CH. die astronomische Kenntniß bedeutend erweitert war« 93) Ueber diesen vollständigen Namen ist nachzusehen: Megilla 22 a; Baba-Mezia 85 b; Sabbat 108 d; Sukka 11 b 5 Chullin 105 a, 111 b, woraus sich der vollständige Nameu ergiebt. Ob der Name Jarchinai wirklich vom seiner astronomischen Kenntmß herrührt , wie Rasch! (Baba- Mezi'a 85 b) und nach ihm Andere meinen, ist noch sehr problematisch, da Jarchina auch der Name einer Stadt seim kann, wie wir es bei Areka gesehen. — 94) Ketubot 43 dz j. Ketubot 58 dz Menachot 38 b; Sabbat 53 >; Raschi und Losafot; BK. 96 b; BM.Ende; Pesach l m 54 a. . 95) BM. I, c. Der Talmud 9S) zählt schon die Planeten mit eigenen neugebrauchten hebräischen Namen auf, wie Kochab (Merkur, eig. Stern), Nogah(Venus, eig. Glanz), Maadim (Mars, eig. der Rothe), Zedek (Jupiter, eig. Gerechtigkeit) und Sabbatai (Saturn, eig. Sabbat-Stern), und die reinhebräische Form dieser Termen, wie sie in der Periode der Lefllla-Entstehung nur erklärbar, wie auch die Aehnlichkeit mit der älteren, generelleren Benennungen der Griechen neben der mythologischen *7), zeigen hinlänglich,, daß die Kunde derselben bei den Juden früh verbreitet gewesen sein-mußte. Sogar für den Namen Planeten 9a) war der neuhebräische Ausdruck Kochbe Lechet schon frühzeitig trefflich geprägt, wie auch die Angabe, daß sie sich in ellyptischen Kreisen bewegen, schon früh gefunden wird. Es ist Ln d-er That nicht uninteressant, einen Blick aus die Kindheit dieser Wissenschaft in jener bezcichneten Zeit zu werfen, da wir daraus nicht nur lernen, daß diese Kindheit schon bereits solche Anfänge hatte, die den Anfängen anderer Völker in dieser. Wissenschaft nicht nachstanden, sondern wir gewinnen auch einen Maaßstab für die Kritik einiger verlornen Werke dieses Faches, von welchen uns berichtet wird, die wir nur deshalb für fabelhast angesehen, weil wir uns die PrimitLen nicht vergegenwärtigten. Die sieben kreisenden Wahnen der Planeten (Kochbe Lechet) erhielten bekanntlich den Namen sieben Rekmm"), und außer diesen sieben Bahnen zählte man noch zwei Himmelskreise 10°), von welchen der Eine der Kreis der Sterne, d. h. die Sphäre, welche die Bahnen der Sterne in sich schließt10 *), der Andere die bas All umschließende und umkreisende Sphäre heißt. Alle diese Planeten bewegen sich in Bahnen um sich selbst 10J), und ihre kreisförmige Gestalt ist Urgesetz der Schöpfung, indem das Formengesetz der Schöpfung der Kreis ist 108). Der erwähnte neunte Kreis der Sterne ist derjenige, wo die zwölf Sternbilder oder der Zodiakus (signa caelesta) zu finden 104),bie auch nicht mit schon aufgezählt werden *os), sondern es wird schon Manches darüber gesprochen^«). Mr 96) Sabbat 120 b; ib. 156 a. 97) Diese alten hat auch Aristoteles (de Mundo c. 2) z. SB. IIvqosls s. v. a. Maadim, (pcos<poQog s. v. a. Nogah, SzsXßcov s. v. a. Kochab u. s. w. 98) Jrrstern, von itlaväc&aip herumirren. 99) Chagiga c. 2. — Maimüni in Jesode Ha-Tora c. 4 nennt die Rekkim schon Galgalim d. h. Kreise, Bahnen. — 100) Scheme Reki^im, Chagiga I.'c. — 101) Bei Marmorn!. c. der Galgal, in welchem die Sterne eingesetzt. — 102) j. 'Aboda Sara e. 3 — 103) j. Nebarim e. 3. Malmuni 1. c. hal. 4. — 104) Pesachim 94; Berachot 33 und 58 d. — 105) Bereschit Rabba c. 10, verglichen mit der, verstümmelten Stelle im Jalkut, giebt schon die richtigen Acitläufe der Plant ten an (vgl. Pescher Dabar von Reismann N. S. 1 ff.) und im Midrasch Esther werden die 12 Sternbilder aufgezählt; wahrscheinlich« ist die Aufzählung im Talmud ausgefallen. — 106) Berachot 58 bz Rosch Ha-Schana ll dz Chagiga 5 a u. s. w. —