Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 3 (15.1.1847)
- Date
- 1847-01-15
- Page
- Spalte 37-38 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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37 ■i Studien. Literarische Ztnalekten. Laksus in Cilicien. 38 Silber und anderen Metallen die Alten so beredete Schilderungen macheri. Ich bitte die Manen dieser unsterblichen Archäologen um Vergebung, wenn ich es wage, vielleicht ungegründete Zweifel gegen ihre Behauptung zu erheben. Die ältesten Einwohner Eiliciens waren Syrer und Phöniziers. Die Cilicier waren sehr kühne Seefahrer, und ihre Macht zur See gedieh, bald zu solcher Größe, daß sie im Alterthume die Herrschaft auf dem mittelländischen Meere, führten. Ihre Schiffe besorgten den Waaren-Transport nach allen Richtungen, sowie auch nach Phönizien. Sie wurden endlich so verwegene Piraten, daß sie es wagten, Kriegsschiffe anzugreifen. Es läßt sich denken, zu welcher Bedeutung QU litten^ Schifffahrt heranwuchs, wenn Rom während seiner glänzendsten Epoche sich genöthiget sah , eine Kraftäußerung, wie dies nur in den punischen Kriegen geschah, za entwickeln, um die Sicherheit auf dem mittelländischen Meer herzustellen. Zwölf Flotten wurden ausgerüstet, und dem großen Pompejus eine so unumschränkte Gewalt ertheilt, wie sie noch kern Diktator hatte, um diese eilicischen Flibustier zu vernichten. Die Hauptstadt Cilieiens war Tarsus, eine der ältesten Städte Klemasiens. Nach einer Sage soll der assyrische König Sardanapal sie und Anchiale an einem Tage erbauet haben. Tarsus lag unfern der Mündung des Cyduus, der sich in den issischen Meerbusen ergießt« Vor seiner Einmündung bildet er. einen See, der guten Ankerplatz hatte, und als Hafen von Tarsus gebraucht wurde. Tarsus war schon im hohen Alterthume eine reiche Handelsstadt. Ihre Lage machte sie zum Land- und Seehandel sehr geeignet. Sie war der Hauptstapelplatz für alles was aus dem Westen nach Hochasien und von da nach dem Westen geführt wurde. Als die Griechen sie zuerst kennen lernten, fanden sie diese Stadt schon groß und sehr bevölkert *). Sie kann den Phöniziern nicht lange unbekannt geblieben, und der Verkehr zwischen Tyrus, Sidon, Wyblus, Tripolis, Aradus und Gabal mit Tarsus muß schon in frühester Zeit nicht unbedeutend gewesen sein. Der hohe Taurus und Amonus, welche Kleinaft'en nach allen Richtungen durchkreutzen, lieferten edle und unedle Metalle. Berühmt waren die Kupfer-, Eisen- und Stahlwerke in den nördlichen Gebirgen, vorzüglich bei den Chalybes im östlichen Pontus. Es wurden bedeutende Quantitäten aller Arten Metalle sowohl aus Kleinwie auch aus Hochasien nach Tarsus , aks einem der Hauptstapelplätze der alten Welt zu Markte gebracht, und die Stelle Ezechiels 27, 12*), paßt eben so gut auf Tarsus in Cilicien wie auf Tarteffus in Spanien. Die Schiffe, welche diese Metalle aus Tarsus nach Tyrus brachten, bezeichnten die biblischen Schriftsteller mit dem Namen Tarschisch-Fahrer. 1) Herodot 7, 91. 2) Lenophon 1, 2. Diodor 14, 20. 3) rriDiyi >12 bnu prrb mo -jmnD twin Flavius Josts hält auch Tarschisch, für Tarsus in Cilicia. Er sagt „Japhets Sohn Javan Hatte ebenfalls drei Söhne. Von ihnen gab Elisas den Elisaern (Hellenen), deren Anführer er auch war, Namen und Entstehung. Jetzt sollen sie Aeolier sein. Tarsus gab den Tarsern seinen Namen; so nannte man einst Cilicien. Als Beweis dient, weil die sehr berühmte Hauptstadt des Landes auch Tarsus heißt" 4). Dafür spricht auch die Stelle im 1 M. 10, 4. tCilicia) (Hellenen) nwbto, (Sanier) (Rohdier) DUVn, (Ciprier) QTD, statt Ö'OTI haben der Chronist 7, 1 und die LXX (Rhodier). Es wäre sonderbar, wenn man annehmen wollte, der Verfasser der Völkertafel habe, indem er hier diese klemasiatischen Völkerschaften zusammenstellt, unter tsnttnn statt der Tarser oder Cüicier, die Spanier aus Tarteffus verstanden. . ■ Bnisnn stimmt auch mehr mit Tarsus als mit Tarteffus überein, in welchem die Silbe te8 überzählig ist. Psalm 72, 10 heißt es: „die Könige von Tarschisch und den Inseln werden Geschenke bringen" dem Könige Salomo nämlich. Ich glaube nicht, daß der Psalmist trotz der lebhaftesten Phantasie erwartet habe, die Könige von Spanien werden dem Könige Salomo ihre Aufwartung machen; wohl aber dürfte er an die Dynasten von Tarsus in Cilicien gedacht haben, die schon zur damaligen Zeit mit den Phöniziern in Handelsverbindungen standen, vermittelst welcher der König Salomo ihnen konnte bekannt geworden sein. Der schlagendste Beweis, daß die biblischen Schriftsteller unter Tarsus, aber nicht Tarteffus verstehen, liefert Jesaja 23, 1, wo der Prophet von Tyrus und Sidons Falle spricht. 6). „Heulet ihr Tarschischfahrer! Haus und Herberge sind vernichtet! von Cypern kommt die Kunde euch zu." Man nehme die Karte von Asien zur Hand! Wer von Tarteffus in Spanien nach Tyrus segelt, hat nicht nöthig Nachrichten über diese Stadt aus Cypern einzuholerr; weil er viel früher nach Tyrus als nach der weit nördlicher liegenden Insel Cypern kommt. Fährt man von Tarsus in Cilicien nach Tyrus, so muß man erst Cypern passiren bevor man nach Tyrus kommt. Da Tyrer nach Zerstörung ihrer Stadt nach Cypern flüchteten, so bekamen die Tarschischfahrer die erste Nachricht von Tyrus Fall in Cypern. Noch etwas spricht für Tarsus, nämlich: die Flucht des Propheten Jona dürfte eher nach dem nähern Tarsus als nach dem sehr entfernten Tarteffus-gerichtet sein. Gr.-Kanischa, am 23. Decbr. 1846. Dr. Moritz Horschetzky. 4) Flav. Jos. AG. B. k. K. I V. 5) nroo d”nj wenn bte. . 6) nhö tvuü “n&ir'o sW)n Wn m loirn^ Qto pND. , 3*