Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-01-15 · 3 (15.1.1847) · p. Spalte 35-36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
3 (15.1.1847)
Date
1847-01-15
Page
Spalte 35-36 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/8555529-9890729-9890772--4813-3532874
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

35 36 Studien. Zur Geschichte der Juden in Ungarn. der Juden aus hem Ofner Gebiete ausgesprochen. Merkwürdig ist es jedoch, daß man diese Vertreibung (vielleicht stellte der dortige Magistrat eine Parallele zwischen seinen jüdischen Einwohnern und den kananitischen Völkerschaften auf und wollte hierbei ganz im biblischen Geiste verfahren: (2 M. 23, 29. 30. 5 M. 7, 22), nur allmälig ausgeführt wissen wollte. Es wurde nämlich dem Edikte beigefügt, daß man die Juden nicht auf Ein Mal, sondern nacheinander auszuschaffen habe. Ein klarer Beweis, daß weder Fanatismus, der die Gemüther in schnelle, augenblickliche Genugthuung verlangende, aber nicht in anhaltende Ga'hrung zu bringen pflegt, dabei im Spiele gewesen, noch daß man gegen die Juden irgend-eine gegründete Klage hervorzubringen gewußt, wodurch sie sich den Zorn des Volkes zugezogen, sondern selbst das Unrecht gegen sie eingesehen haben mochte. Die von Seiten der Juden im demüthigsten Tone gemachten Vorstellungen blieben ganz fruchtlos. Es wurde ihnen auf ihre herzzerreißenden Bitten die lakonische und tief schneidende Antwort zu Theil, „die Juden mögen auch andere beglücken und selbst ihr Glück anderswo versuchen. „Jndeß konnte der'Magistrat nicht so leicht zur Ausführung seines Planes gelangen. Die Juden rekurirten an den König (Kaiser Karl VI.) und die Sache wurde immer schwebend gehalten. Der Magistrat fällte jedes Jahr sein Berdammungsurtheil, und die Juden blieben noch immer.*) Endlich kam doch diese Ausschaffung und wie es scheint eine totale zu Stande. Der größte Theil zog nach dem eine Stunde entfernten Altofen, seit welcher Zeit sich auch dieses, das früher ein unbedeutendes gewesen, zu einer der ansehnlichsten Gemeinden Europas bis neuerer Zeit, wo es jedoch von dieser Größe wieder abgenommen, erhoben hatte. Erft seit dem Anfänge des neunzehnten Jahrhunderts ließen sich abermals jüdische Familien, jedoch bloß in den Vorstädten Ofens nieder. In Folge des 1840 ertheilten Landesartikel, wonach überall mit Ausnahme der Bergstädte den Juden das freie Wohnungsrecht gestartet ist, wurde auch der innern Stadt Ofens, da sie nicht so glücklich ist, Goldgruben zu besitzen, *) Das wirkliche Jahr kann ich nicht genau bestimmen, jedenfalls war diese Ausschaffung nach 1740, da sie unter Maria Theresia geschehen. Da mir gerade an einem Samstag das dortige Stadtarchiv eröffnet wurde, wobei ich mir nichts aufnotiren konnte, muß ich obenangegebene Daten blos aus dem Gedächtnisse miNhnlen. In Ofen scheint man so Neu-/ ling in allen diesen Ereignissen zu sein, daß Niemand weder von dieser Austreibung noch von der frühern Existenz einer jüdischen Gemeinde etwas Näheres anzugeben weiß, so sehr hat leider das Interesse für jüdische Geschichte bei unfern Gemeinden abgenommen. In Altosen jedoch ist benannte Austreibung bei Manchen noch im lebhaften Bewußtsein; vorzüglich bewandert ist der dortige Jurist R Meir Löbl Esterreicher darin. Er theilte mir auch mit, als Erinnerung aus seinen Kinderjahren, daß in frühern Zeiten jedes Jahr an JfrO sich eine Deputation, bestehend aus dem Rabbiner und den nach der Ofner Festung begab um das Grab des kV zu besuchen. Jetzt ist keine Spur mehr davon übrig. wenigstens die früher so leichtfertig ausgeschlagene „Beglückung" wieder zu Theil, jüdische Einwohner in ihre Mitte aufzunehmen. Jndeß machen die Juden ihrerseits von dem ihnen wieder dadurch zu Theil gewordenen „Glück" nur einen spärlichen Gebrauch, indem bis jetzt blos zwei Individuen dieses Recht daselbst zu benutzen gesucht. Wahrscheinlich finden beide Parteien wenig Anlockendes in dieser wechselseitigen Beglückung und leisten gern Verzicht darauf. Die jetzige Gemeinde zu Ofen zählt zwar mehrere hundert Seelen, darunter viele gewerbtreibende Familienväter, wird sich aber schwerlich, theils aus lokaler Zerstreutheit, theils wegen innerer Zerfallmheit zu ihrer früheren Bedeutenheit erheben. Sie gehört nun als Filial dem pesther Rabbinate zu, wodurch noch an eine Erhebung und Concentrirung der Kräfte zu denken ist. Noch sind da und dorr Grabsteine aus dem alten jetzt ganz demolirten jüdischen Friedhof als Ecksteine bei manchen Häusern anzutreffen, deren Sammlung und würdigere Aufbewahrung wahrlich nicht bloß die religiöse Pietät gegen unsere verstorbenen Vorfahren, sondern das einfache Menschengefühl gegen Verstorbene überhaupt uns gebieten sollte. Von der früheren Wichtigkeit dieser Gemeinde beweiset ferner, daß R. Moses Jfferles sich bei einem zweifelhaften Falle auf den Gebrauch dieser Gemeinde beruft (So n"« HE D"l orUD Hno) bsya 'iiw aira-Ywaor: 'n nw min pnnoj.QniD pnrarninn wy) nwyob-rohnwy *pnoi hy pus‘3 DniD jtcwco ruinn "»nw vkx m dot 'nNSJEtP). In eben demselben Ansehen standen auch ihre Rabbiner, und haben wir noch, außer den in Nr. 38 dieses Blattes angeführten, R. Josef Salmoni hinzufügen, der in den Responsen des R. Moses Jfferles Nr. 57 bei einer, in Betreff eines in Prag vom Jahre 1550 unternommenen Scheidebriefes entstandenen Streitigkeit, die die Aufmerksamkeit aller damaligen gelehrten Rabbiner in Anspruch nahm, als Gewährsmann angeführt wird» (qjon; u Sq not 'n 'inoty *>Hmn /*n m'kiip no by nJONO i\yn5 DpD .plN p"pb HD birt JllSpnpD pvi Sir un ruHoa i*>yb i'yD niin D'jrn* barw p inv p prrp 'm Sir Nrnproj )n'b tun yrpjpbT *pr* 'ino imi) uyswr rwyD ta) .p)yE*_ pru 'idü-tidp rwyp 'vi in« hjyD bo&m pp nn PJn ivini wobf ppy'nn .(3i n^yDr pn p'jn vi pj,i; iinn n^p tFortsetzung folgt.) Literarische Analekten. Tarschisch (ühw~)?]) Tarsus i« Cilicicn. Bochart, Michaelis und Gesenr'us behaupten Tarschisch sei Tartessus am Guadalquivir, die berühmte Kolonie der Phönizier in Spanien, von deren Reichthum an

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.