Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1847)
- Date
- 1847-01-15
- Page
- Seite 20 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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20 emgebrachtcn Bittgesuche nebst Belegen zur Durchsicht! durch die seinem diesfälligen Gesuche veigclegten mir und gehörigen Prüfung für die Wahlkommission übergeben' , welchem Geschäfte sich auch dieselbe während der folgenden zwei Tage unterzogen, wobei sie auch vorschriftsmäßig . ihre Besprechungen und Vorberathungen unausgesetzt privatim abhielt. Am 30. als dem wirklichen Wahltage nahmen die sämmtlichen Wahlmänner, nachdem sie im hierortlicheu israelitischen Bethause beeidiget wurden, in einem vom Herrn Frankel hierzu überlassenen geräumigen SitzungSsaale in Gegenwart des allgemein als sehr gerecht und human bekannten Herrn Kreiskommissärs Ritters von Znaim wert her die wirkliche Wahl vor, bei welcher alle sechs Wahlmänner mit Ausnahme ihres Präses, der als solcher zuletzt stimmte, nach Ordnung ihres Atters ihren motivirten schriftlichen Ternovorschtag zu Protokoll gaben, und die Wahl fiel dahin aus, daß der allgemein hochgeschätzte und hochgeachtete Herr Hirsch, einstimmig primo loco zum mähr.-schlef. Landesrabbiner vorgeschlagen und gewählt wurde. Um aber Ihren Lesern auch einen richtigen Einblick in die Motive dicser- Wahlkommission zu verschaffen, damit sie ihr diessälliges Verfahren um so richtiger würdigen können, will ich das motivirte Votum des Wahlmannes Herrn Joachim Pollak, welches ich nur in Abschrift zu verschaffen gewußt, und dem auch die meisten andern Wahlmänner, wie man hört, dein ganzen Inhalte nach beistimmten, und mit Beziehung hierauf nur noch einige andere den Gewählten Betreffende günstige Bemerkungen hinzufügtm, nun hiermit der Oeffentlichkeit übergeben, ganz so wie es im Originale folgendermaßen lautet: „primo loco schlage ich den Herrn Samson Raphael Hirsch, Landesrabbiner zu Emden in Ostfriesland, dermalen vom k. k. Brünncr Kreisamte als Lokalrabbiner zu Nikolsburg angestellt, vor, und zwar aus folgenden Gründen.. Erstens: Ist er nicht nur mir selbst durch den Bericht mehrerer glaubwürdiger Reisenden als ein frommer, sehr gelehrter, tugendhafter Mann, dessen Bestreben zugleich stets dahin gerichtet ist, das Prinzip der Rechtgläubigkeit in unserer uns Allen heiligen väterlichen Religion durch alle ihm nur zu Gebote stehenden erlaubte Mittel zu wahren und aufrecht zu erhalten, auempfohlen worden; sondern hat derselbe auch vorzüglich durch seine höchst gelehrten und gediegenen Werke in der jüdischen Theologie diese seine fromme Tendenz sowohl, als auch seine ausgebreitete talnmdische Gelehrsamkeit und wifseuschaftliche Bildung ^öffentlich bekundet, so daß er hierdurch fast tu der ganzen europäischen Judenheit gleichsam eine Berühmtheit erlangt hat. Zweitens: Ist derselbe zugleich wegen seines biedern Charakters, rechtschaffenen und tugendhaften Lebenswandels nicht minder renommirt und hat er dieses Alles j hinlänglich glaubwürdige Zeugnissen zur Genüge bewährt, wie auch hat derselbe seit 16 Jahren bereits zweiLandrabbinate und zwar in Oldenburg und Ostfriesland zur Zufriedenheit sowohl seiner ihm anvertrauten Gemeinden , als auch seiner jedeSmal ihm Vorgesetzten Oberlandesbehörde geleitet, und bestens verwaltet; so daß ich mir mit Recht versprechen kann, daß im Falle er von der allerhöchsten Stelle zum mahr.-schtes. LnndeSrabbiucr ernannt werden wird, er gewiß nicht nur die innern religiösen Verhältnisse unserer Glaubensbrüder bestens ordnen,, und sowohl zur Beförderung der Kultur und des mäßigen Fortschrittes derselben als auch zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit, und zur Beförderung religiös wissenschaftlicher Bildung der Jugend nach Kräften einwirken, sondern auch die politischen Interessen der mährischen Judmschaft bei den hohen und höchsten Behörden durch alle gesetzlich erlaubte Mittel mit gebührender Energie zur Zufriedenheit der allerhöchsten Behörde zu vertreten wissen wird. * Drittens: Ist nicht nur die ansehnlichste und größte Gemeinde zu Nikolksburg, seinem designirtcn RabbinatSsitze, sondern auch der größte Theil, fast die ganze Gesammtheit der mähr.-sehles. Jndenschaft für ihn sehr gut gestimmt, und wünscheil sie alle dessen definitive Anstellung sehnsuchtsvoll, so daß man mit Recht erwarten kann, daß sie ihm auch künftig die einem Landrabbiner zu seinem Wirken so nöthige Hochachtung und Ehrerbietung bezeigen werden." Hieraus allein wird schon jeder Vernünftige wenn auch Fernstehende schließen können, daß diese ehrenwerthen Herren Rabbiner bei all ihrer talmudisehen Gelehrsamkeit doch als auch zugleich wissenschaftlich gebildete Männer die Jetztzeit und ihre Bedürfnisse gehörig zu würdigen, und den rechten Mann ztl wählen wußten, den sie, überzeugt von seiner Rechtglänbigkeit, ungeheuchelten Frömmigkeit und Gesinnungstüchtigkeit gern als ihr Oberhaupt anerkennen wollen; und um so entrüsteter wird er zugleich über jenen Korrespondenten sein, welcher solche meist hochgeachtete allgemein verehrten Rabbiner ,,pilpulsüchtige Raufbolde" zu nennen beliebte. Freilich mttß man sich bei jetziger unruhigen Zeit nur allzuoft an die Erfüllung des prophetischen FtucheS jpn "ijttn D«T” erinnern, wollen wir aber doch die Zeit getrost erwarten, wo der nüchterne Sinn des noch unverdorbenen nur irregeleiteten Volkes endlich' doch einsehen wird, wer seine wirklichen Lehrer und Zurechtweiser-, und wer seine Verblender und Verführer sind. Doch zurück wieder zu unserem Referate. Daß man übrigens noch zwei Männer wählen, und sie auf den Temovorschtag Hrn. Hirsch zttr Seite stellen mußte, werden Ihre Leser bereits schon wissen, und ich füge daher nur noch hinzu, daß die Wahlkommission sich