Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1847)
- Date
- 1847-01-08
- Page
- Seite 12 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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12 welches sofort hohem Ortes referirte. Inzwischen bat er, man möge ihm zu einem ungarischen Paß verhelfen, und ihn auf Besuch zu seinen Eltern nach Hause lassen. Bei der Willfährigkeit der Orthodoxen einen Gleichgesinnten zu unterstützen, und bei der Leichtigkeit jedem Ausländer ctiicit ungarischen Paß zu verschaffen, erlangte er Beides. Der jüdische Wirths Häuser im Dorfe führte ihn selbst auf eigenem Wagen nach Hause. Da angekommen , bemerkte Jener verdächtige Bewegungen, die wir aber übergehen, weil wir sie nicht erfahren konnten. Nach einigen Tagen traten sie den Rückweg an. Bei der Grenze entdeckte der Konv. dem Juden, er wäre Deserteur, traue sich also nicht auf dem Wagen zu sitzen, weil er erkannt zu werden fürchte und stieg ab, um sich anderwärts über die Grenze zu schleichen. Anstatt dessen ging er aber in das Grenzamt, entdeckte sich , worauf der Fuhrmann sestgenommen wurde, und — das Ucbrige wissen Sie. — Das ist der Kem der Erzählung, weßwegcn zwei — in dieser Beziehung, gewiß unschuldige Menschen zehn Wochen lang im Kerker schmachten mußten. Den Konunentar überlassen wir Jedem, der kommentiren will.- ■ ' i Doch, von benanntem „Kummer" selbst einige i Werte. So schmerzlich es jeden rechtlichen Mann berühren muß, wenn er den in diesen» Falle Unschuldigen verfolgt stehet, so wehe uruß es ihm andererseits wieder ihm», wenn er siehet, wie eben dieser Mensch seinen fluchwürdigen Einfluß auf ganze Generationen auöübt und tausende von Menschen in körperliches und geistiges Verderben stürzt! Das ist dieser „Kummer." Mögen es Jene, die ihm, als Ausländer und würdigen Gesellen des, in der Bukowina sein Unwesen treibenden h, zu einen:Aufenthalte hier vcrholfen, hienieden derMenschheit nnd jenseits der Gottheit verantworten!! Daß aber dieser Herr auch den nicht chasidischen „Frommen" ein Dorr: tm Auge ist, und sein muß, mag folgende Thatsache darthun. Vor ein Paar Jahren, bald nach seiner Einwanderung, als er noch nicht so sehr bekannt war, machte er die Rundreise in den arigrenzenden Ko- - mitaten, und kam bis unweit von St. Ujhely, wohn: ein er sich jedoch nicht traute, weil er wahrscheinlich von da aus dorthin geschickt worden wäre, woher er gekommen, und blieb also in einem nahen Dorfe. Schaarenweise strömten Chasidim und Orthodoxen hinaus, empfingen von ihm dm Segen und füllten ihm reichlich den Säckel. Da fragte Jemand, dem zwei Kinder in Folge der Beschneidung gestorben, was er mit dem dritten anzufangen habe? „Beschneidet des Nachts vom achten auf den neunten Tag " war die Antwort. Es geschah. Wahrscheinlich meinte der Rabbi, den Todtencngel dadurch zu hintergehen. Dieser weiß nun, daß gesetzlich die Beschneidung nur bei Tag vorgenommen werden dürfe bvo , 'üWn Diu heißt es in: Talmud, den der Satan wohl auch, trotz einem Landrabbiner, kennt; er wird sich also unstreitig nur am achten Morgens einfinden; da er aber sehen wird, daß die Beschneidung unterlassen, so wird er sich wegbegebcn nnd den Besuch wahrscheinlich nur wieder am neunten Morgens erneuen; indessen wird aber das Kind schon beschnitten sein, und Müsse Satan, schmählich hintergangen, wird dann unverrichteter Sache mit langer Nase abziehen müssen. — Wenn einem Neuern einficle, bei dergleichen Fällen, eine gleiche Entscheidung zu wagen — würde da nicht die Orthodoxie aufgeschreckt, und Zeter schreien über den Neuerer! Wie würde nicht jener „notorische" Mezizah-Vertheidiger in die nachtwächterliche Zions-Trombe mit vollen Backen stoßen! Aber siehe da — der „Kummer," ein Chaßid, ignorirt mit ein Paar Worten Talmud und' Poßkim — und die Orthodoxie schweigt! Nicht eine Stimnte erhob sich laut dagegen, obwohl sie, den scheuen Baurenhunden ähnlich, hinter ihren Zäumen die Zähne fletschten und grimmig knurrten. —- Wer nicht weiß, welche Autorität ein solcher Rabbi bei seinen Anhängern besitzt, der möge es auS dem Umstand entnehmen, daß am Abend vor der Ankunft eines solchen, die Chaßidim kein prin sagen, weil der Rabbi ein Prophet, und die .Ankunft eines Propheten einem Feiertage gteichgehalten werden müsse! — Paper, im Decbr. 1846. Ich besitze nicht das Talent, intressante Neuigkeiten zu erfinden, und seit meinem letzten Berichte bis jetzt hat sich hier im Ganzen wenig Erhebliches, was genannt zu werden verdiente, zugetragen; denn über die Wirren in der hiesigen Gemeinde wollte ich nicht klagen. Nur zu oft haben Sie von hier aus Variation er: über das traurige monotone Thema gehört, der Streit und die alte Starrheit ist bei den Orthodoxen hier noch immer nicht geendet und noch immer nicht erstickt; aber bei all' dem genießen wir oft in unser»» großen Gotteshaus das Wort Gottes in Klarheit und Reinheit, das die Seele labt und erfreut, durch unfern tüchtigen Herrn Oberrabbiner Löw. Am Sabbat Chase-Sara »vurde in hiesiger Gemeinde ein feierlicher Gottesdienst bei Gelegenheit für die so sehnlichst gewünschte als in heißen zahllosen Gebeten erflehte Genesimg und zugleich fünfzigjährige Jubelfest Sr. k. k. Hoheit des Durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs und Reichspalatins gefeiert, und Hr. Dr. Löw hielt eine eindringliche Kanzelrede bezüglich auf die feierliche Handlung. Der großen Feier wohnten eine äußerst zahlreich versammelte und richtige Menge unserer Glaubcnsbrüder bei, deren Gebete sich mit jenen des würdigen Rabbi vereinigten für das fernere und noch recht lange Wohlergehen des -hohen Genesenen und Jubilanten. Der Prediger wählte zum Texte die Worte der h. Schrift Und Abraham ward alt, er kam in die Jahre; und der Ewige segnete Abraham in Allem. 1. Mos. 24. 1. Diese Predigt beleuchtet das hohe Wirken des erlauchten Statthalters