Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1847)
- Date
- 1847-01-08
- Page
- Seite 11 (sequence 5)
- Language
- German
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11 aber von cchtbibtischem Kolorit durchtränkt und im guten Deutsch vorgetragcne Gemara- und Midrasch-Erklärungen Auch bei Gelegenheit der Aushebung der Toleranztaxe hielt der würdige Herr Rabbiner eine dem Zeitgciste sehr angemessene Rede. Viele hohe Herrschaften und die ansehnlichsten Bürger des Ortes wohnten der Feier Lek, und die Rede hat den Christen ungemein, den Juden nicht minder gefallen, und der Herr Rabbi hat sich während seines Hierseins die Achtung und Liebe Mer erworben. Durch das rastlose Streben einiger unserer Glaubensbrüder, worunter vorzüglich zu erwähnen ist, der gute kein Opfer scheuende Wille des zwar noch jungen, aber der Zeit nach echt wissenschaftlich gebildeten Hru. Lr. mell. H. Wilhelm, Hrn. P. .Weis und Hrn. Herrn. "Füch sel trat eine Schule ins Leben. Es wurde so manches Schöne und Nützliche für die zarte Jugend geleistet, das nationale Interesse ward durch den Unterricht in der magyarischen Sprache gehörig berücksichtiget, ja Kinder von 8—10 Jahren sprachen schon ziemlich gut die vaterländische Sprache, was auch im Verhältnisse zu der in diesem Comitate ihren Hauptsitz habenden Slawomanie um so mehr Beachtung verdient. Wieder ein Beleg, daß die Juden mit Eifer sich dem magyarischen Element amalgamircn, aber der Drehpunkt von allem in dieser argen Welt — das Dörsengas dieser nervliZ rernm gerendaruni ist gänzlich ausgegangen, und die Schule hatte leider nur kurzeil Bestand. Aber keineswegs ist die Ursache dieser traurigen Erscheinung in dem Jndifferentksmus Einzelner zu finden, sondern einzig und atteitl in der Hilf- und Mittellosigkeit der Gemeinde, dazu noch der Mißwachs des ohnehin sonst in diesem Komitate sehr magern Bodens und zu all dem kommen noch häufige Feuersbrünste, welche selbst die Wohlhabendem an den Bettelstab bringen. Und viele in unserer kleinen Gemeinde können mit Göthe ausrufen: ,,Was ich gewollt war löblich, wenn auch das Ziel mir unerreichbar blieb; an Fleiß und Mühe hat es nicht gefehlt". Wol- : len Sie mir daher erlauben hochgeschätzter Herr Redak-; tem in schlichten Worten eine Frage vorzulegen, die für i diese Gemeinde, vielleicht auch für sehr viele andere, die \ in gleichem Verhaltniß sind, eine Lebensfrage ist: ,,Was j ist zu thnn in einer kleinen Gemeinde, die ohne Nuttel j ist, um eine Schule zu erhalten, für die cs schon eine 1 große Last ist, ihren Rabbiner und Vorbeter mit einem 1 schwachen Gehalte zu besolden". Ich ersuche Sie, Hr. f Redakteur um Rath, und stehe nicht au, daß Sie mir | sicherlich nicht versagen werden, da wo es sich besonders | für das Wohl Israels, für die Förderung und Bitdung li der zarten Jugend handelt, und Sie werden sich da- I bmch ein bleibendes Denkmal in dem Herzen Aller nnp feiet Gemeinde - Mitglieder so wie in dem Herzen des I ganzen ungarischen Israels verschaffen. » A. R. Von der Theiö, imDeeenib. 1846. Hier haben Sie das amüsirende Geschichtchen jenes in diesen Blättern Nr. 47 erwähnten Konvertiten. Wir garantiren die hier angegebene genaue Folge der Thatsachen auf einander so wenig, als wir manche unbedeutende Nebenumstände verbürgen können, da die verschiedenen Erzählungen variiren. Vielleicht in Folge der unreinen Quelle des Konv. selbst, weit ihn Ort, Gelegenheit und Umstände bestimmen mochten, Manches auszudehnen oder abzukürzen, oder wegzunehmen und hillznzufügen. Die Hauptsache ist aber wahr; denn ein zehnwöchentlicher Arrest des,,Kurumer," wie jener Rabbi genannt wird, hat ja das Siegel darauf gedrückt. — Das Geschichtchen lautet: Der Konv. ist von vermögenden Eltern in Polen geboren. Als er noch im elterlichen Hause war, erkrankte er einst so, daß die Aerzte ihn aufgaben. Da hatte er einen Traum, worin ihm Leben und Gesundheit verheißen ward, wenn er die Taufe anuehmen würde. Kaum erwacht, beschloß er es im Herzen wirklich, und siehe da r— vom Augenblicke an ward ihm besser und endlich wurde er vollends hergestellt. Er führte treulich seinen Entschluß aus, ward Christ und heirathete, in welchem Stande er sich durch glückliche Geschäfte ein ziemliches Vermögen erwarb. Als vorigen Jahres, bei der starken Gctreideeinsnhre aus Ungarn, gute Geschäfte zu machen warm, kanr ein Jude zu ihm und beredete ihm, mit nach Ungarn zu gehen, Getreide einzukausen. Er ging. In der ersten Station angekommen, verehrte ihm der Jude ein Glas Bier, nach welchem er betäubt ward und int Wagen solchergestalt fest cinschlief, daß er erst erwachse, als er bereits in Kurume angekommen. Hier nahm man ihm beim Rabbi, in Gegenwart des R. Bär eines sehr reichen, aber auch braven Mannes, für den sich sogar Graf Sz. — verwandte, sechs tausend Gulden ab, und beredete ihn wieder Jude zu werden. Hierauf schickte man ihn nach einem, in Pacht des genannten 2"^ stehenden Gute, wo er ein ganzes Jahr als Knecht bicticu mußte. Die Inden wußten es aber, ihn in steter Betäubung zu erhalten, so, daß sein früherer Lebenslauf ihn: nur dunkel und verworren vorschwebte. (In dieser Betäubung verrichtete er nun, nicht nur den Herrn - sondern auch den Gottes- und Zeremonialdienst aus orthodoxe Weise, so genau und gewissenhaft, daß es Niemanden einfiel den Apostaten in ihm zu vermnthen, waö auch die Juden bezeugten, die aber ihrerseits von der Art und Weise seines Aukommens das Gegenthetl, das heißt, die reine, natürliche Wahrheit betheuerten: daß er nämlich als abgerissener, polnischer Junge, wie wn sie zu Hunderten hier sehen, zu ihnen kam, und um einen Dienst anhielt, den er auch bekam.) Plötzlich, wie von unsichtbarer Macht geweckt, erwachte er zur vollen Besinnung und erinnerte sich genari aller Vorfälle. Sogleich schrieb er au sein heimatliches Kreisamt und bat um Befreiung ‘; * -