Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1847)
- Date
- 1847-01-08
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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— 10 - akademische Bürger beleidigt/ e) daß Sie gehässige und aufregende Reden gehalten. Sie haben das Gelöbniß abzulegen, a) daß Sie von dieser Angelegenheit nie und nimmer wieder etwas erwähnen, 1)) daß Sie nie von dem Katheder herab eine Rede halten, die nicht zu Ihrem Sprachfache gehört, c) daß Sie nie das Wort Jude als Beleidigung gebrauchen, (I) daß Sie weder konfessionelle noch akademische Unterschiede zu machen sich einsallen lassen mögen". Die Juden wurden, nach einer ruhigen Vertheidignng durch Dr. Wessely, freigesprochen und die Bank, welche in dem Streite unbewußt eine Rolle mitgespielt, wurde sofort den nächsten Montag von Juden wieder besetzt. Hrn. Dr. Wessely gebührte auch bei dieser Gelegenheit der Ruhm, der erste Jude gewesen zu sein, der die Inden im akademischen Senate vertheidig-te. Bei der Stadthauptmannschast führte diese Sache unser wackerer Hr. Landau, in seinem Berufe als Vorsteher, -und wir müssen cs offen gestehen, daß er gern und freudig solche Missionen übernimmt, die zur Ehre unserer Glaubensgenossen führen. -Auch die jungen jüdischen Stndirenden, namentlich I. Fischet, W. Wiener und Kafka verdienen ehrenvoll genannt zu werden, indem sie es nicht unter ihre akademische Würde gehalten , auch .als Juden die Würde der Studenten zu behaupten. Weniger dürfte es Sie vielleicht interessircn, daß Hr. Franeeseoni zu gleicher Zeit von der Lehrkanzel des Prager Eonservatoriums, so wie auch von der am k. k. Convikte entlassen worden. — Ich gehe zu literarischen Neuigkeiten über, da sonst nichts Bedrutendes vorlicgt. Hr. Dr. Letteris, als guter hebräischer Stylist anerkannt, will die Geschichte Jefta's als Drama bearbeiten oder viellnehr hat sie schon bearbeitet und giebt sie heraus. Diese Notiz giebt die Zeitschrift ,,Ost und West", woher ich sie habe, mit dem Bemerken, daß sie eine Nachahmung von Göthe's Iphigenie in hebräischer Sprache ist. Wir haben also im Voraus eine Fehlgeburt zu erwarten, da ein biblisches Thema nie und nimmer in jener antiken klassischen Anschauung auftreten kann und darf. Und welche Armuth des Geistes oder welchen Verrath bekundet nicht eine solche Nachahmung! Wenn Herr Letteris keine Lust oder keine Befähigung hat, das biblische Thema selbstständig nach eigener Disposition und Erfindung, nach eigenem Godankengange zu bearbeiten, so thäte er besser, diesen Gegenstand unberührt zu lassen. Oder sollte sein Ruf als guter hebräischer Stylist lediglich darauf beruhen, daß er gedankenarm und ohne alle Erfindung blos mit den schönen Formen des HebräiSmus zu spielen weiß? Dann freilich steht es mit der hebräischen Schreiberei sehr schlecht. Ueberhaupt verstehe ich Hrn. Letteris nicht. Er läßt sich in der A. A. Z. als Herausgeber eines hebräischen Lexikons, als hebräischer Uebersetzer des Homer u. s. w. loben, aber das hebräische Wörterbuch, es ist das Benseeb'sche, ist bekanntlich, recht betrachtet, sehr schlecht, und er ist dabei unschuldig, da es nicht ihm, sondern Benseeb gehört, und was die noch nicht vorhandene Uebersetzung des Homer anlangt, so läßt sich dieses mehr als Kuriosität oder als Krankheit betrachten. Wahrlich seine schönen orientalischen Sagen, die er hier und da veröffentlicht hatte, würden hebräisch übertragen mehr Verdienst beanspruchen können, als tausend solcher verfehlter Geburten. Ich komme übrigens auf dieses Thema noch zurück. Erfreulicher ist eine andere Erscheinung, nämlich das Auftreten der Juden bei uns in der Literaturwelt überhaupt. Fast säinmtliche Zeitungen zählen Inden zu ihren Neben- oder Hauptmitarbeitern, und in der Literatur, namentlich der schöngeistigen, begegnen wir Viele unseres Glaubens, was wenigstens als ein Beweis unseres ernstlichen Strebeus gelten kann. Wilh. Wolfn er, ein guter Novellist, ist Mitarbeiter der B—ia, Pr. Ztg., Bilder, Leben u. s. w., ebenso Dr. Lederer; Dav. Vien dl wird sich ats Dichter bald bekannt machen. Von einem gewissen Dr. Hainburger wird nächstens ein Drama ansgeführt, Dr. Reudnitz, bekannt als Verfasser mehrer geschätzter medicinischen Schriften, ist Redakteur der Zeitung für Gewerbe und von Dr. Altschuhl haben Sie schon selbst einmal in diesen Blättern gesprochen. Ich könnte diese Zahl bedeutend vermehren, wenn es mir hier auf die Menge ankame; allein hier soll nur der Geist erwähnt werden, der viele Strebsame beseelt, und da sie nur durch ihr Bekenutniß aber nicht durch ihre Werke dem Jndenthume angehören, so genügt die blose Erinnerung. — Wir haben hier auch einen Tempel. Am Chanukka- Feste trug uns unser Oberkantor daselbst den Psalm 63 vor, welcher die Ueberschrift trug: ,,Gebet Jnda'S, des Makkabäers, in der Wüste". Der mustkatische Vortrag war gut, aber die poetisch sein sollende Uebersetzung, welche Mißgeburt! Narrheit und widerliche Laune, Unverstand und versteckter zclotischer Ingrimm scheinen bei der Wahl dieses Psalms zu Rathc gesessen zu haben! Der Vorstand dieses sonst so schönen Instituts sollte wahrlich dergleichen Themen besser bewachen; er sollte verhüten, daß das schöne Gotteshaus nicht zum Gelächter und die Andacht zum Gespötte werde. q. Ans Ungam vom Waagthale, im Deebr. Ans der schönere Gegend, wo sich majestätisch diebeeistell Scheitel der kolossalen Karpathen himmelan erheben, und die dem Reisenden einen majestätischen Anblick gewähren, ist meines Wissens in Ihrem geschätzten Blatte noch keim' Anzeige geschehen > daher dürfte gegenwärtige Mitthcilnng auch ein Plätzchen in Ihrem Blatte finden. Najecz, eine israel. Gemeinde im Trentschiner Komitat, also auch hier in unserer kleinen Gemeinde ist schon der Funke zum Fortschritt im Jndenthnmc angefacht. Hier ist ein Herr Elieser Winter, Rabbiner. Seine Vorträge find zwar keine eigentlichen Predigten,