Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1847)
- Date
- 1847-01-08
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Achter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zweiBogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. vr. Julius Fürst. .HZ 2. Leipzig, den 8. Januar 1847. Inhalt. Oesterreich. Prag. Die Judensteuer und das Ghetto. Francesconi's Handel. Wesselp's Verteidigung. Landau. Die jüd. Studenten. Beruf des Dr. Letteris. Jüd. Literaten. Ein Makkabäerlied. Fanatismus und lächerlicher Pietismus. Aus Ungarn. Gemeindeleben in Rajecz. Von der Theiß. Eine Apostatengeschichte. Biographie des ungarischen R. Jisrolka. Der getauschte Dämon. Papa. Feierlichkeit zu Ehren des Palatins. Pesth. Stiftung zu Ehren des Palatins. Preßburg. Der Gottesacker. Jüdisch-ungar. Zeitschrift. —■ Deutschland. Br eslau. Bachurim-Stiftung« Rabbinerseminar. Posen. Armenversorgung. Pleßner. Stadtverordnete. — Die Gesetzgebung Würtembergs über die Verhältnisse der Israeliten. tFortsetzung.) — Das Lied im Traum, für das Jahr 1847. — Personalchronik und Miscellen. Dresden. London. — LB. d. Or. Oesterreich. Prag, 1. Jan. Ich versuche es, Ihnen eine Korrespondenz zuzusendcn, welche eigentlich eilt Aggregat von kleineren und größeren Notizen ist, da ich feinen einzigen Gegenstand finde, der umfänglich genug wäre, um ganz in Anspruch zu nehmen. Mögen Sie die Notizen in, demselben Geiste aufnehmen, in welchem sie nicdergeschrieben, nämlich als Ausdruck der allgemeinsten öffentlichen Meinllng hier im Kreise der großen israelitischen Gemeinde. — Die Judensteuer ist, wie Sie wissen, aufgehoben, das heißt sie wird nun aufgehoben werden, aber bis wir den letzten Rest dieser Steuer schwinden sehen, wird noch so manche Ungerechtigkeit walten. Sie haben ganz wahr berichtet, daß die Art der Ablösung manches für Humanität begeisterte Herz verwundet, und wenn ich hier Namelt verschweige, so ist cs mehr im Interesse und in der Liebe zur Gesammtheit. Als Widerspiel zur Ablösung der Judensteuer ist das von der höchsten Behörde zum Gesetz erhobene Nichtwohmmgsrecht außerhalb des Ghettos, indem bis jetzt dieses Verbot mehr faktisch als durch das Gesetz eine Begründung hatte. Durch die Bemühungen unseres werthen Vorstehers, durch den unermüdlichen Landau, ist es gelungen, für dieses, man möchte sagen neugebackene Gesetz einen Aufschub zu erhalten , und ein Aufschub ist bei unseren Zuständen schon bedeutend , da wir nicht wissen, was der nächste Tag bringt. — Zu der Franceseoni - Geschichte habe ich noch einen Nachtrag zu liefern, darnit man endlich diese Antiquität ganz vottstäildig aufbewahren kann, ohne daß einem späteren Beschreiber etwas fehle. Bei der Senatssitzung in Pleno, die von 4—8 Uhr dauerte, trat Franceseoni als Kläger, nicht blos gegen die sechs jüdischen Studenten, sondern auch gegen ihren Anwalt Hrn. Dr. Wessely auf, wobei er sich jedoch solcher unschicklichen und gemeinen Ausdrücke bediente, daß er den Senat schon dadurch gegen sich einnehmen mußte. Nicht nur die verlangte. Relegirung, sondern nicht einmal die II. Sittenklasse wurde ihm für die 6 Studenten bewilligt, und bei dieser Negation blieb der Senat nicht stehen, als der würdige Prälat Zeidler die für Francescoui so ungünstigen Aktenstücke vorgelesen. Hr. F. hörte selbst die Ausrufe mente captus, demens und sah den hohen Grad von Unwillen, als inan seine fatschen lügenhaften Contradictae abwog, und das Referat der Stadthauptmannschasi konnte itjn vollends davon überzeugen. Er erhielt in folgenden Punkten eine Zurechtweisung, die ihm der würdige Prälat in ernster Weise in Gegenwart des ganzen Senats zukommen ließ; er richtete ungefähr folgende Worte an ihn: ,,Sie haben gefehlt a) daß Sie sich eigenmächtig konfessionelle Unterschiede zu macheil erlaubten, d) daß Sie einen akademischen Unterschied machteil, c) daß Sie jüdische Studenten und Juden überhaupt beschimpft, d) daß Sie 2