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Der Orient · 1847-01-01 · 1 (1.1.1847) · p. Spalte 7-8

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
1 (1.1.1847)
Date
1847-01-01
Page
Spalte 7-8 (sequence 4)
Language
German
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7 8 Studien. Geschichte der--jüd. Literatur in Babylonien. Unterschied von d§rn Althebräischen merkte"). Und kaum zeigte es sich nach der Zerstörung Jerusalems, daß die hebräische Sprache allmälig zu verschwinden begann, so hielt man es für die größte religiöse Pflicht, sie zu lernen und im Umgang sich ihrer zu bediene». Der Tannai Meir") stellte den Satz auf, daß derjenige, welcher in Palästina wohnt und in hebräischer Sprache spricht, der Seligkeit versichert, sein kann. In einer Schrift der Mischna-Periode5Ö) heißt es, daß wenn das Kind zu sprechen anfängt, der Vater mit ihm nur hebräisch sprechen solle, und thut er es nicht, so wäre es besser, es zu Grabe zu tragen. Also nicht die todte Heiligkeit der Sprache, sondern der Patriotismus war es, der daran die Seligkeit knüpfte und mit Begeisterung deren Festhaltung empfiehlt. Aber was für die Masse die Empfehlung der Sprache an sich, das war für den gebildeter» Theil eine Nothwendrgkeit zurKunde der 24 Bücher der alten Nationalliteratur, indem man sich einen Gebildeten ohne diese Schriftkunde nicht denken konnte. „Wie die Braut mit 24 Geschmeiden ") geziert, eben so muß jeder Gebildete die genaue Kunde der 24 heiligen Schriften haben52), und nichts darf in diesem Schriftschmucke fehlen, wenn die Synagoge nicht verunziert werden soll"). Und eine solche Schriftkunde konnte doch unmöglich ohne tiefes und gründliches Verstäudniß der Sprache erlangt werden. In der That war bei dm Mischnaiten und später noch die Schriftkunde so außerordentlich, daß stets Bibelvorse auf ihren Lippen schwebten, und beiHalacha's, Haggada's oder sonst bei einer Rede sie ohne die geringste Anstrengung ihre Lehren in Bibelversen flochten. Sogar die geographischen und persönlichen Eigennamen, die Geschlechtsregister u. s. w., waren ihnen geläufig. Der vertraute Umgang mit der Schrift veranlaßte auch, daß sie in der Konversation ihre Ausdrücke mit Bibelphrasen rhetorisch ausschmückten S4), daß man Bibelverse fast als eigene Rede ansah"); er veranlaßte, daß sie in ihren gegenseitigen Briefen' theils der unveränderten, theils der zu ihrem Zwecke veränderten Bibelverse benutzten, und diese rhetorischen Momente ließen auch manchmal auf Bibelverse anspielen Durch diese Vertrautheit kam es auch, daß man Bibelverse als Gedenkzeichen (Semanim) brauchte, um daran irgend einen Moralsatz, irgend eine ethische Betrachtung oder sonst was zu knüpfen und für die Erinnerung einzuprägen f7), daß man darin Sprüche der Zeitgenossen zum Andenken bewahrte"). Aus 48) Sifra zu Lev. 27,-21. - 49) j. Sabbat e. 1, hal. 5 — 50) Sifre zu Dt. 11, 19. — 51) Nach Jes. e. 3. — 52) SchemoL Nabba c. 4L — 53) Schir Rabha «. 4. — 54) Peah 2, 2. Baba-Batra 73 b« Beza 15 b» — 55) Abot 4, 19. Iebamot 24 b. — 56) Gittin 7 a, das. 40 a, j. Pesachime. 3, hal. 7, j. Megilla e. 4. — 57) Nidda 45 b, Baba Mezi^a c. 6, «Aboda - Sara 24, 29 s. — 58) Sanhedrkli 39 a. *— diesem aufgerolltcn Bilde über die Sprache ist unzweifelhaft ersichtlich, daß nicht blos der Inhalt der ermähnten.Werke, sondern auch die Form derselben aus einem inner» organisch sich entwickeltem Leben hervorgegangm, so daß sie auch in dieser Beziehung die trefflichsten Dokumente eines nach dem Abschlüsse des Kanons sich entwickelten Hebräisch abgeben. — 2. Außer den Grundlagen der traditionalen Literatur, die für die Geistesbildung und religiöse Richtung der Juden bis auf uns herab so einflußreich und normgebend wurden, außer dem unvertilgbaren Einflüsse auf die Gestaltung des Neuhebräischen, haben wir noch ein Institut zu erwähnen, in welchem sich im Laufe des Jahrhunderts alle geistige Thätigkeit koncentrirte und nicht minder von Babylonien aus seinen Anfangspunkt herleitet. Wir meinen das Institut der Synagoge. An den Strömen Babel's, fern vom geliebten Mutterlande, ohne gesetzliches Heiligthum auf Zion, wurde das Bedürfniß nach „Stätten der Versammlung"59), wo man in Gemeinschaft durch Gebet und Belehrung, ohne Opferdienst, den Gott der Väter verehren könnte, zuerst fühlbar, und die Tradition berichtet auch in der That von den uralten Synagogen zu Schafjatib und Huzal auf babylonischem Boden, welche allen spateren vorangegangen6o). Aus der feindlichen Fremde verpflanzte sich diese Institution in das Mutterland Palästina. Esrcrlas dem versammelten 59) Der Tempel selbst führte gewöhnlich dm Namen Bet Jehova, Bet Elohim (1 Kön. 6, 5. 37. 7, 12. Jef. 64, 1), seltner Bet El (Sech. 7, 2), oder auch blos Bajit (Haus), wie bei den Arabern, wo der Tempel zu Mekka (Kor. 2, 119) entweder das 'Haus Allah's oder schlechtweg „Haus" heißt. Eine andere Benennung war Mo^ed Elohim d. h. Versammlungsstätte Gottes (KL. 2, 6), nach welcher Anschauung Zion schon Kirjat Mo'ed uud früher schon die Stiftshütte Ohel Mo^ed genannt wurde, weil das Volk sich dort versammelte, wie schon Kimchr erklärt. Won mehreren Synagogen mit der Bezeichnung Mo*ede Jehova, Mo'ede El, wissen erst dl> nachexi'lischen Psalmen (Ps. 74, 4. 8), und von da an läßt sich eigentlich erst sagen, daß Mo*ed eigentlich nur die Kopie von Keneset ist, oder umgekehrt. Der Ausdruck Bet Tesilla (Jes. 56, 7), itQ&ssvxr}, wird nur einmal in prophetischer Rede von einem Tempel der Zukunft gesagt, der mithin gar nicht in Betracht kommen kann. Was aber den Ausdruck Gway&yr], Keneset, anlangt, so wird damit ein Ort der Gemeinde-Versammlung bezeichnet, der keine ausschließliche religiöse Bestimmung hat. Die Gemeinde betrachtete sich im Kleinen als Sinnbild des großen heiligen Volkes, und die Synagoge versinnbildete im Kleinen den großen heiligen Tempel, und wie im Tempel das eigentliche Gebet nur untergeordnet war, indem die Anwesenheit des göttlichen Volkes und die heiligen Handlungen das Vorzüglichste waren, eben so, waren m den Synagogen die heiligru gemeinschaftlichen Handlungen die Hauptsache. Vergl. Vir rin ga, de syna^oga vetere. Franecker, 1696. 4. Zuuz, GV. (Berlin, 1832. 8.) S. 366 ff. Dukes, zur Kenntniß der neuh. Poesie (Ff. a. M. 1842 8.) §. 1. Marco M ortara, krit. Studien, in Jo st's Annalen 1840. S. 209 ff. - 60) S. Kap. I.

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