Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 1 (1.1.1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Spalte 5-6 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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s Studien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien 5 He-räismus eigenthümlrchen Neologismen, nicht frei geblieben ist, so war es demnach, wie es bereits Köslin in seinem ^>^"1 ^33) bemerkte, kein gesunder Einfall, dem zufolge einige israelitisch-deutschen Grammatiker der neuern Zeit8 9) sich dazu an schicken, alles was in den Gebets-Formeln von den Gesetzen .des biblischen Hebräismus mehr oder weniger abweicht, nach diesen Gesetzen zu emendirrn, lobenswerth hingegen sind sie wegen der Verbesserung solcher Fehler, die unabhängig von jenen Neologismen, blos der Unachtsamkeit und Unwissenheit der Abschreiber zuzuschreiben sind. (Beschluß folgt.) Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. Eine Skizze von Dr. Julius Fürst. (Fortsetzung v. Nr. 52 d. I. 1846.) Drittes Kapitel. 1. Die von den babylonischen Lehrern in Palästina produzirten Schriftwerke, selbst wenn wir nur die Leistungen dieses Dreigestirns au-snehmen und ganz von der literarischen Kultur der zwei ersten . btheilungen dieser ersten Periode wegsehen, bilden schon allein den ganzen Umfang der Traditionsgesetze, der Haggada's und zum Theil auch der Wissenschaft jener Zeit, und nach der literarischen Kunde, die wir von der nachfolgende Zeit kn Palästina und Babylonien haben, kann man als bestimmtes Ergebniß hinstellen, daß diese Schriftwerke nicht nur die Grundlage für die Epoche von 188 bis 498 (dem Todesjahre R. Abiira'e) der jüdisch-babylonischen literarischen Kultur, sondern auch für die palästinische literarische Kultur von 32 v. Chr. bis c. 415 n. Ehr. geworden, so gering auch die Zahl der Schriftwerke gewesen 45). 8) Dieses Werkchen ist in die periodische Zeitschrift rpS'O 546, Monat Tebet ausgenommen, und dann neuerdings in QTiJjn NOO 585, S. 116—124 herausgegeben worden. . 9) Hanan (r^n , Satanow (^kiL' TIJH) und Ben-Seeb (rot p)♦ 45) Die Schriftwerke der babylonischen Lehrer sind nach dem Angeführten.im zweiten Kapitel: 1) die Mischna- Ordnung des Hille!, 2) desselbenMegillaL Chaschmonaim und Megillat Taanit, 3) die Mischna - Ordnung dtatan's, 4) desselben 49' Middot, mathematischen Inhalts, 5) Abot desselben, 6) die Mischna-Ordnung des Chijja, 7) desselben Tosifta's, 8) desselben Barajta's. Die palästinischen Lehrer haben zwar in diesem Geiste ebenfalls viele Schriftwerke produzirt, aber theils blos nach diesen Mustern, theils im Werthe bedeutend nachstehend. — Aber indem wir mit diesen Schriftwerken der Babylonier in Palästina gleichsam die erste Periode der jüd.-babyl. Kultur abschließen , müssen wir noch einen Blick auf die Benutzung der hebräischen Sprache, in welcher alle diese Erzeugnisse abgefaßt wurden, werfen, ein Mehreres einer Geschichte der hebräischen Sprache überlassend. Im makkabäischen Zeitalter lebte noch ganz das Hebräische; die Umschriften der makkaba'ischen Münzen waren bekanntlich in hebräischerlSprache abgefaßt gewesen, und die letzten prophetischen und historischen Nachträge des Kanon's, wie die Gebete und Lieder des Rituals, zeugen noch von unbedingtem Leben. Allmälig jedoch erhielt die hebräische Sprache durch Einfluß der Syrer, wie auch durch den wechselwirkenden Verkehr mit Babylonien, eine starke, ^L^mäische Färbung, die man um so ungehinderter walten ließ, als der patriotische Purismus ganz und gar -unbekannt war. Diese Färbung zeigte sich theils in der Umgestaltung oder Neubildung des hebräischen Elements, theils in der Aufnahme aramäischer Wörter, die das Volk hebraisirce. In solcher Sprache waren schon einige Apokryphen geschrieben und in dieser verfaßte auch Josef, der treffliche Geschichtschreiber der letzten jüdischen Kriege, seine Bücher über den erwähnten Krieg, die er ganz richtig auch nur hebräisch nennt46). Als jedoch der Kreis der geistigen Thätigkeit in den Schulen sich erweiterter^, das Aramäische in der ungebildeten rohen Masse, wenn auch vielfach mit Hebräisch durchwoben und also keineswegs ungetrübt, ein Uebergewicht bekam, strebte man danach, für die Masse ein reines Aramäisch^'! und für die gebildetere Klasse ein allseitig sich ausbildendes Hebräisch zu gebrauchen; beide gingen nebeneinander her, mit dem Unterschiede, daß während jenes das niedrige Bedürfisiß der niedrigsten Masse, dieses die gebildetere erfüllte, und daher weiter und besser sich ausbildete. In einem solchen Hebräisch, das durch die Nothwendigkeit, neue Begriffe und Gegenstände zu bezeichnen, neue Thesen der Gelehrsamkeit zu behandeln, wozu das Althebräische nicht ansreichte, den alten hebräischen Sprachschatz mit echthebräischen Termen, die im Munde des gebildeteren Volkes noch lebten, zu bereichern, und durch neue Wortbildungen, Konstruktionen und Wendungen umzugestalten gezwungen war, waren alle die oben erwähnten Werke dieser Periode nicdergeschrieben, und da in ihnen aus der Volkssprache noch immer die besten Termen und Bezeichnungen geholt wurden, so zeigt cs sich, daß trotz alles Einflusses des Aramäischen bis 188 n. Ehr. das Hebräische in dem bessern und vielleicht größerem Tbeile des Volkes noch gar nicht untergegangen war. So sehr man auch den 46) Josef, AG. 18, 7.10. IK. 6, 2. 1. — Auch das erste Buch der Makkabäer und das Urevangelium, welche in jüdischer Sprache, nach alten Berichten, verfaßt wurden, waren in solchem Hebräisch und man nannte auch die Sprache nur hebräisch. Siehe das Ausführlichste darüber, wie überhaupt über die Sprachen-Verhältnisse in Palästina vonEsra bis 4l5,n.Ehr.in meiner Geschichte der jüdischen Literatur in Palästina und Syrien. 47) Das der Grund, warum die Mischna schon Tora- Uebersetzungen gedenkt (Megilla 4, 4. 6, 9. 10). —