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Der Orient · 1847-01-01 · 1 (1.1.1847) · p. Spalte 3-4

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
1 (1.1.1847)
Date
1847-01-01
Page
Spalte 3-4 (sequence 2)
Language
German
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3 Studien. Die Sprache der Mischna. Bon Luzzatto. 4 81. Dieser kH(bräismus der spätern Zeiten ist es in dem die Mischna, die in beiden Talmuden zerstreuten k.Barajta's, die Tosifta (die dem Talmud-Kompendium des Atfiift beigedruckt ist), und die sogenannten niDEp niD'PP $ so wie auch sehr viele in beiden Talmuden und in den Midraschim zerstreuten Sentenzen und Erzählungen talmudischer Gelehrten aus Palästina (dwidn) verfaßt sind. Diese umfangreichen Texte würden einen überreichen Stoff zu einem Wörterbuche des späten Hebräismus bieten, in welchem man außer vieler nicht biblischer Wurzeln die biblischen selbst an schönen und zierlichen Redeweisen jeder Art bereichert, sehen würde. 82. Als R^ Jochanan im dritten Jahrh. der geringen Verschiedenheit gedenkt, in welcher bisweilen ein biblisches Wort in diesem später» Hebräismus erscheint (z. W. den Wein mischen, welches in der Schrift mit 7p£ gegeben wird, nibm Schafe, welches in der Bibel Cp'prn lautet) bezeichnet er den später» Hebräismus, zum Unterschiede von dem biblischen, den er min p&'p nennt, mit dem Namen pi&Ö O’ÖDn raobinische Sprache (Aboda Sara fol. 58 Chullin fol. 137). Wohl kann uns diese Benennung auf den Gedanken führen, daß derzeiten der Gebrauch der hebr. Sprache fast einzig auf die Rabbinen beschränkt war, keineswegs aber, daß der rabb. Hebräismus von den Rabbinen selbst auch eingeführt worden wäre^ oder daß er in Judäa unter dem Volke einheimisch gewesen.') Allein sie trägt durchgängig das Gepräge einer lebenden und von einem Ackerbau und alle mechanischen Künste treibenden Volke — wie es eben das jüdische Volk war — geredeten Sprache. Die Mischna spricht im genausten Detail über alle ländlichen Gegenstände, über alle Werkzeuge, die der Kunst und dem Gewerbe angehören, ,so wie auch' über alles was Kontrakte, Proceffe und Tribunale betrifft, ohne von den Umschreibungen je Gebrauch zu machen, zu denen so oft die in einer todten Sprache schreibenden Gelehrten ihre Zuflucht nehmen müssen. 700 Ausdrücke, deren Wurzel zwar biblisch, aber in Form und Bedeutung von biblischen abweichc; 273 griechische oder lateinische, 1720 die weder biblisch noch exotisch, sondern der Sprache der Mischna eigenthümlich sind. Nur ist es zu bedauern, -daß dieses Werk in Hinsicht der Genauigkeit Vieles zu wünschen übrig läßtl — Uebrigeas könnte das Wörterbuch der Mischna durch eine Ausbeute aus der Tosifta und andern, die Sentenzen der alten Rabbinen enthaltenden Schriften bereichert werden. Einer andern Sammlung von Mischnawörtern ist bereits oben S. 66 erwähnt.*) *) Dort heißt es, daß Hr. Anania Eoön aus Reggio ein Buch u. d. T. nriN verfaßt (Reggio, 1812. 8.), wo diejenigen eigmthümlichen Verba zusammengestellt sind, welche in der Mischna-Sprache vorkomcn, mit einer italienischen Uebersetzuug. 7) Wie es Löwifohn in einer Abhandlung über die rabb. Sprache (welche in den rp^n TO eingerückt und dann am Anfänge der Mischao-Ausgabe (Wien, 1815) abgedruckt worden^, gegen Maimum (siehe den Kommentar auf die Mischna TeruAot Kap. l, §„ 1 und Kilajim, Kap. 2, §. 3) behaupten wollte. 83. Wäre die rabbinische Sprache nicht eine Umgangssprache gewesen, sondern erst von den Rabbinen, welche in ihren Schulen die hebräische Sprache ins Leben zurückzurusen, eifrig bemüht waren, eingeführt, so hätten diese bei der Bildung derselben, kein anderes Vorbild als die heilige Schrift gehabt. Wohl.Hätten sie ihren Mangel durch Ausnahme exotischer Wörter ersetzen können und sogar müssen.' Allein ihr Eifer (möge er ein religiöser, politischer oder litcrarischer gewesen sein) hätte sie doch davon abgehalten, die Reinheit des alten Hebräismus durch Einführung neuer fremdsprachlicher Ausdrücke (§. 80) dort unnöthkger Weise zu trüben, wo die biblische Sprache jene entsprechenden Ausdrücke bot. Ueberdies hätten sie nicht so viele Ausdrücke in einer andern Bedeutung genommen, als die sie in der Bibel habenz auch würden sie nicht so viele Ausdrücke, die in den heit. Büchern, so häufig sindss. Td/N/ t6n, ron, jjp, '2, aus ihrer Sprache verbannt haben. 84. Vielweniger würde man den Ursprung solcher Wörter sich zu erklären wissen, die weder biblisch noch exotisch, sondern blos der rabbinischen Sprache eigenthümlich sind, nämlich Wörter, die von der hebr. Wurzel mit einer solchen Freiheit gebildet worden, wie es nur bei einem redenden Volke natürlich ist, unbegreiflich aber bei Gelehrten, die eine todte Sprache sprechen wollen. Dergleichen Wörter sind: ^21^2 in gracia (eigentlich) per Via, wie int Deutschen wegen von Weg); gegen (von ’ "!L'2 auf welche Weise? (von wenn auch (von rjx), iNinN Bürge (von IHN nach, d. h. der auf einem Andern in einer Verpflichtung folgt),' schätzen, rmherungsweise rechnen (von -rc), nE)P) anschwellen (von n£0), py^ schließen (von cxy), tegnn sich abzehren (von an-., sangen (von ausschciden vom Getreide das dem Priester Gebührende (von pp £ Oliven aufsammeln (von pjy einsacken). 85. Außer dieser lebenden Sprache, wußten die Rabbinen der Mischna sich auch einer reinern Sprache zu bedienen, die nicht dem Volke, sondern dem Gelehrten eigen war; und in dieser sind die Gebets-Formeln abgefaßt. Diese von der vorhergehenden weit verschiedene Sprache ahmt im Allgemeinen dem biblischen Hebräismus nach, nur sehr wenige Ausdrücke ausgenommen, die sie aus dem später» Hebräismus. beibehielt. Diese allein kann man. eigentlich rabbinischeSprache nennen, als die, welche nie Sprache des Volkes gewesen, sondern den Gelehrten eigenthümlich war. Diese läßt exotische Formen und fremde Wörter , sowie auch biblische Ausdrücke in einer von den biblischen verschiedenen Bedeutung, nur äußerst selten zu; häufig gebaucht sie jene biblischen Ausdrücke die im fpätern Hebräismus ganz fremd sind (§. 83) > und manchmal gelingt es ihr sogar den poetischen Styl der heiligen Bücher nachzuahmen. 86. Allem da sie — wie es die Verhältnisse nur zu natürlich mit sich bringen mußten — von einigen dem spärern

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