Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1847)
- Date
- 1847-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 13)
- Language
- German
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Männer, die auch jetzt zur Erhaltung der Tora kein Opfer, und wenn es noch so groß ist, scheuen würden. Auch eine Prüfungskommission für Candidaten — was schon der Rabbiner, Herr Dr. Frankel vorgeschlagen — erscheint eben so ersprießlich, als nothwendig. Wenn man einwendet (Orient Nr. 37) daß „Prüfungscommissionen nur von Regierungen ausgehen können", so scheint man übersehen zu haben, daß hier nicht von einer Prüsungscommission die Rede ist, die sich ausschließlich das Prüfungsrecht anmaaßt und irgend Jemand vor ihr Forum zwingen will; es soll vielmehr nur den Gemeinden die Gelegenheit gegeben werden, sich die Ueberzeugung zu verschaffen, daß der. geprüfte Candidat wirklich die erforderlichen rabvmischen Kenntnisse besitze. Man weiß ja recht gut, wie in neuerer Zeit, gar Mancher, der olles rabbinischen Wissens baar, sich auf eignem Wege eine Hataret horacch zu verschaffen gewußt, und dadurch manche Gemeinde bitter getäuscht wurde. So wäre es auch wünschenswerth, einen weitverbreiteten Verein ins Leben zu rufen, der sich's zur Aufgabe machte, die Hindernisse, die dem jüdischen Handwerker oder Commis durch Festhaltung der Religionsgesetze entgegentreten, durch Unterstützung u. d. g. zu beseitigen oder doch zu verringern, da bekanntlich die Beobachtung der Sabbat- und Speisegesetze das Unterkommen, selbst bei jüdischen Herren — nicht selten erschwert, oder gar unmöglich machet, und wie mancher jüdische Handwerker ist nicht, durch Noth gezwungen, seinen Glauben entfremdet worden. Diese und ähnliche Bestrebungen dürften eher geeignet sein, zur Erhaltung der Religion beizutragen, als gar Vieles, auf das man in neuerer Zeit großen Werth legt, und doch weiter nichts ist, als — eitles Gepränge. Bei dieser Tendenz aber, könnte man einwenden, wird die Versammlung aus den Beifall und die Sympathie vielleicht des größer» Theils der deutschen Iudenheit verzichten müssen, da sie für Alle, die sich bereits mehr oder weniger vom Zeremonialgesetz losgesagt, wirkungslos bleibt, sie wird sich nicht als Vermittlerin über die Parteien stellen, sondern einer Partei angeyören; die so wünschenswerthe Aussöhnung oder doch Annäherung aller Parteien im Judenthume mithin nicht herbeiführen können. Das ist allerdings wahr, und traurig genug, daß es wahr ist; allein was ist zu thun? soll man, weil man nicht Allen dienen kann, auch den Wenigen, denen man nützlich sein kann, darum den Dienst versagen? — Für diejenigen, welche obige, in diesem Aufsätze erwähnten Grundsätze in Abrede stellen, giebt es keine Theologie, also natürlich auch keine Theologen-Versammlung. Sie bedürfen ihrer nicht,! brauchen nicht einmal Koncessi'onen. Denn sie haben ja nicht Koncessionen abgewartet, sie haben sich vielmehr eigenmächtig J alles erlaubt, was ihnen beliebte. Wenn sie von Ausgleichung der Lehre mit dein Leben reden, so heißt dies nur: „Wir ^wollen in den Augen unserer nichtjüdischen Brüder nicht als ' Gesetzcsülxrtreter erscheinen. Was können nun gläubige Rabbiner für diese Partei thun! Glauben kann nicht gegkben werden, wo er sich nicht selbst giebt. — Diejenigen aber, welche erwähnte Grundsätze theilen, sollten nicht mehr hoffen und erwarten, als ihnen hier geboten würde; ja, würde ihnen von irgend einer Versammlung mehr geboten, mehr als mit erwähnten Grundsätzen sich vereinbaren läßt, so müßten sie die Männer einer solchen Versammlung als Verräther ihrer Religion verachten, und Koncessionen von solcher Autorität könnten ihr Gewissen mit Nichten beruhigen. Die Hoffnung übrigens, die verschiedenen Parteien M Judenthume vermitteln und aussöhnen zu können, ist eine chimärische. Die Kluft ist leider zu groß, die Parteien zu weit auseinander. Und käme auch eine Konvenienz diplomatisch zu Stande, wahrlich, sie wäre nicht von Dauer und könnte nimmer Heil bringen. Soll man um die Religion wie um Kaufmannswaare feilschen und handeln? soll dieser Etwas Nachlassen, jener Etwas zu legen, um nur endlich den Kauf zu schließen? Wollten oder könnten wir auch Dieses oder Jenes aufgeben in der Hoffnung, daß auch Jene aus Gefälligkeit und Friedliebe Manches übernehmen, was hatten wir was härten Jene dabei gewonnen? Das ist nicht Religion, was man aus andern Motiven, als aus eigner und wahrer Ueberzeugung thut. Wir können daher die Aussöhnung der Parteien nur dem anheimstellen, der Friede stiftet im Himmel. Nur er kann die Irrenden erleuchten und zum Glauben zurückführen. Wir aber müssen uns damit begnügen, diejenigen, die noch im Glauben wurzeln, möglichst darin zu bestärken. Ich kann auch darum die Meinung jenes sehr ehrenwerthen Rabbiners (Frankels Zeitschrift, Jahrgang III, März- Heft S. 99) nicht theilen, der es einer Rabbinerversammlung zur Pflicht machen will, auf die Vorlage einzugehen: „wenn nämlich Männer, die sich von vielen Sabbatpflichten losgesagt, weil sie sich bei den Verhältnissen der Gegenwart nicht gebunden halten, die strenge Feier des Sabbats aufrecht zu erhalten, und weil sie die religiöse Ueberzeugung nicht haben, daß das Judenthum diesen rigorosen Dienst verlange; gleichwohl aber von der Idee des Sabbats durchdrungen sein möchten, und darum die Feier auf eine andere Art zu bethätigen wünschen." Ich g'aube vielmehr: eine Rabbinerversammlung müsse eine derartige. Zumuthung entschieden zurückweisen. Wer sichs herausnimmt, den ausdrücklichen Worten der Bibel und der klaren Vorschrift der Tradition zuwider, sich lediglich an seine „subjektive Anschauung, sogenannte religiöse Ueberzeugung zu halten, der hat den Boden des Offenbarungsglaubens, jedenfalls den des rabbinischen Judenthums verlaffen. Es kann daher den Rabbinern gleichgültig sein, wie er mit seiner Sabbatidee fertig wird. Jenen Männern aber wäre, meines Erachtens, zu bescheiden: daß eine Sabbatidee ohne, die vorgeschriebcne Sabbatruhe ein Unding sei; daß cs überhaupt dem Gläubigen nicht zustehe, diejenigen Ideen, die als Motiv der göttlichen Gesetze in der heiligen Schrift angegeben sind, geschweige jene