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Der Orient · 1847-01-01 · Heft 1 (1.1.1847) · p. Seite 2

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 1 (1.1.1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 2 (sequence 3)
Language
German
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2 wein: sie öffentliche Abbitte gcthan haben würden. In der That soll der Direktor des katholischen Gymnasiums einem jener Primaner, der sich wegen Aufnahme in dasselbe an ihn gewendet hatte, diese verweigert, ihm jedoch erklärt haben, daßwenn er sich ans Konsistorium wenden wollte, es ihm ein Leichtes sein würde, dieselbe zu erwirken. Hoffentlich werden die jüdischen Schüler stark genug sein, ihr Recht zu behaupten und in ihrem Vorsätze zu verharren. Was soll man aber zu dem Verfahren des Herrn Direktors sagen! Ist es nicht unseres Jahrhunderts würdig? Gewiß, man muß die Zähigkeit und Macht des Judenhasses bewundern. Unter den verschiedensten Gestalten weiß er hervorzutreten und die Mariner der entgegengesetztesten Richtungen zu versöhnen: Pietisten, Rationalisten und Atheisten, Doktoren, Direktoren und andere Thoren — der Judenhaß ist das einigende Band, das sie Alle umschlingt, und es ist höchstens die Art und Weise, wie sie ihn hewortrcten lassen oder der Grad, welchen erreicht 511 haben sie sich rühmen, den sie sich streitigmachen. Wahrlich, es ist Zeit, daß der Ausspruch des alter: Maleachi 2, 10 zu allgemeiner Anerkennung gelange. q. Hannover , 10. Decbr. 1847. Ein Jahr fast ist verflossen, seitdem der erste Aufruf von Seiten der Kommission zur Errichtung einerBild ungs- Anftalt für jüdische Lehrer erlassen worden ist, und der Erfolg — soweit er sich bis jetzt übersehen läßt — muß im Ganzen ein erfreulicher genannt werden. Einerseits ist dadurch ein frischer Eifer, sich dem heiligen { Berufe der Jngendbildung und Erziehung zu weihen hervorgernsen worden, so daß vielfache Bitten mit Aufnahme in die Anstalt eingcgangen sind und dieselbe schon heute ins Leben treten könnte, wenn cs nur auf die Zöglinge an käme. Andererseits aber sind auch für den Fond der Anstalt ansehnliche Beiträge eingezahlt worden; viele, namentlich kleinere Synagogen-Gemeinden, haben, ebensowohl wie die hiesige, nach besten Kräften beigesteuert; ein lebendiger Gomcinsinn, der das Edle fördert, ohne Rücksicht auf konfessionelle Unterschiede, ist der Anstalt mehrfach zu Gute gekommen und von Seiten der Regierung sind ihr für dieses Jahr 800 Thaler huldvoll bewilligt worden, so daß bis jetzt — 6100 Thaler ' zinslich belegt werden konnten. Wenn indeß die Zinsen dieser Summe zur Eröffnung der Anstalt, selbst m kleinerem Maaßstabe, nicht ausreichen, und wenn zu befürchten ist, daß bei längerer Verzögerung die Theilnahme immermehr erkalten, die besten Kräfte sich entmuthigt abwendcn und andere Berufsarien ergreifen werden — so ist es schmerzlich, die Theilirahmlystgkeit zu sehen , welche von Vielen dieser wichtigen und heiligen Angelegenheit entgegengesetzt wird. Fast die Hälfte der Synagogen-Gemeinden, theilweise eben die bedeutender::, haben bisher noch gar nichts beigetragen! Und doch stellt sich das Bedürfniß immer dringender, immer schreiender heraus! Von 136 Synagogen- Gemeinden entbehren 61 des Lehrers gänzlich; die anderen müssen vielfältig, zum Verderb der Kinder, entweder mit weniger guten Lehrern sich begnügen oder stets mit denselben wechseln, weil Ausländer keine feste Anstellung erlangen können und weil die besseren Lehrer so sehr gesucht werden, daß jede Gemeinde, der das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt, zittern muß, wenn ihr Lehrer sieverläßt. — An manchen Orten fehlt den Kindern schon seit Jahren der Religions-Unterricht — wie sott da in bewegter Zeit religiöser Halt gewonnen werden? Wie soll da inmitten aller Anfechtungen der Glaube unserer Väter in seiner veredlenden und bildenden Kraft sich sorterben? wie soll ohne genügenden Unterricht wahres Wissen, echte Bildung und höhere Sittlichkeit dem empfänglichen kindlichen Gemüthe eingepftanzt werden? Wenn die Lämmer nicht aufgezogen werden, wie soll die Heerde bestehen? Und wenn keine Hirten da sind, wer soll der Heerde warten? — Und wer, meine Brüder, wer würde die Schuld des Verfalles tragen?, wer würde es dcrcinst verantworten müssen, wenn Hunderte aus Mangel an Unterweisung abweichen von dem Wege des Lebens, von dem Wege der Frömmigkeit, der Tugend und der Sittlichkeit? — Wer anders, als die, denen der Herr gegeben hat mit reicher Hand, und die dennoch znrückstehen, wo es gilt Jhm'freiwillig etwas zurückzugebei: von Seinen Gaben! Wer anders, als die welche für höhere und ] heiligt Zwecke keinen Sinn, keinen Eifer und keine Opfer haben! — Zwar verkenne ich nicht den Druck der Lasten mancher Art, welche die Kräfte unserer Gemeinden in Anspruch nehmen — doch ein fester Wille vermag alle Schwierigkeiten zu überwinden! Unsere Väter haben unter wert größerem Drucke Anstalten geschaffen, die nnverhältnistmäßig mehr Mittel erfordern! Einzelne haben durch Schenkungen und Vermächtnisse Schulen und Lehrhäuscr gestiftet, die mehr Fond haben, als unsere Anstalt je bedürfen wird — sollte denn der fromme Sinn, der so Großes geschaffen, unsrer Zeit gänzlich fehlen? Sollten nicht auch in unsrer Mitte Wohlthäter ' sich finden, welche durch größere Schenkungen und Vermächtnisse ihren: Namen ein dauerndes, segensreiches Andenken sichern möchten? Und sollte nicht durch vereinte Kraft das Fehlende leicht ergänzt werden können? Bedenkt, daß eine Lehrerbildungs-Anstalt auf die Znknnst unserer Gemeinden in religiöser und sittlicher Beziehung von dem heilsamsten Einflüsse sein muß; bedenkt, daß es von jeher in Israel als die höchste und heiligste Pflicht betrachtet ist, die Kenntniß der Religion und der Lehre zu verbreiten und zu befördern, ,,auf daß sie nicht vergessen werde aus dem Munde der Nachkommenbedenkt endlich, daß es eine Ehrensache ist, deren Durchführung unerläßlich, und daß die erfreuliche Theil-

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