Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-01-01 · Heft 1 (1.1.1847) · p. Seite 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 1 (1.1.1847)
Date
1847-01-01
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360474--5740-3532829
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Berichte, Studien und Kritiken Achter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen lLbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen aus ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Dr, Julius Fürst. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitaerechnet, zwei Eogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. 9 1. L eipzig, den 1. Januar 184V. Inhalt. Deutschland. Glogau. Auch Preußen hat seine Francesconi's. Hannover. Das Lehrerseminar. Aktenstück. Baden. Hr. Oberrath Epstein. Klerus und Laie. Beuthen. Erklärung >des Rabb. I. Deutsch in Betreff der T.-V. — Frankreich. Paris. Glosse zu zwei Reden. Paris. Feierlichkeiten bei der Installation des grand Habbin de France. Eine Wahl. Algier. Das Konsistorium. Bordeaux. Freundliche Aufnahme des Rabbiners vom Herzog v. Montpenfier. Mühlhausen. Eine neue Synagoge. Metz. Ein neuer Tempel. — Die Theologen-Versammlung. Von R. D. Deutsch. (Schluß.) — Personalchronik und Miscellen. Amsterdam. — Die Gesetzgebung Würtembergs über die Verhältnisse der Israeliten. — LB. d. Or. Deutschland. ©foßatt, 17. Deebr. 1846. Es hat hier in jüngster Zeit ein Ereigniß stattgefunden, das einen hübschen Pendant bildet zu dem auch in diesen Blattern besprochenen Verfahren des Herrn Fr an e e s c v n i in Prag, und welches zugleich den Beweis liefert, daß das fromme Oesterreich sich durchaus nichts zu Gute thun dürfe auf seine aus wahrhaft christlicher Liebe judenfeindlichen Lehrer, da auch das gebildete, aufgeklärte Preußen dergleichen Exemplare aufzuweisen hat, wie sich im Verlaufe dieser Mittheilung zeigen' wird. Vor einigen Tagen hatte sich nämlich am hiesigen evangelischen Gymnasiunr ein christlicher Schüler der ersten Klasse in Gegenwart eines Lehrers erlaubt, seinen jüdischen Mitschüler einen verfluchten Judenjungen zu nennen und als der Lehrer dieses Betragen ungerügt ließ, entfernten sich zwei jüd. Schüler mit der Erklärung, daß sie llicht tängcr in einer Anstalt bleiben könnten, in welcher ihnen dergleichen Schmäbungen und Kränkungen zngefügt würden. Als nun auch die andern jüd. Schüler, deren Anzahl in. der ersten Klasse gegenwärtig zufällig ziemlich bedeutend ist, diesem Beispiele folgen wollten, vertrat ihnen der Lehrer den Weg und sahen sich dieselben also gen'öthigt, bis zum Schluffe der Stunde in der Klaffe zu verweilen. Am folgenden Tage fehlten sämmtliche jüdische Schüler und als sie der Direktor Ktopsch — durch seinen Pietismus wohlbekannt — hatte rufen lassen, erklärten sie ihm, daß sie nur, wenn ihnen hinreichende Genngthrmug geworden, die Klasse wieder betreten würden. Er versprach, ihnen eine solche zu geben, und entledigte sich feines Versprechens in einer Weise, die seinen Charakter hinlänglich darthut. Er ermahnte nämlich Tags darauf seine christlichen Schüler zu einem friedlichen Benehmen gegen ihre jüd. Mitschüler, die ja an einem Gebrechen (sie), das ihnen angeboren, nicht Schuld wären; seinen jüdischen Schülern aber ertheilte er die väterliche Ermahnung, dem Beispiele des Agesilaos zu folgen, der über seine Gebrechen stets selbst lachte, um seinen Gegnern jede Gelegenheit zum Spotte und zum Hohne zu nehmen. -Nach einer derartigen Satisfaktion forderten sämmtliche jüd. Primaner ihrAbgangSzeuguiß, was dem Herrn Direktor doch wohl nicht ganz gleichgültig sein mußte, da er sich damit entschuldigte, mißverstanden worden zu sein und sich bemühte, die jüdischen Schüler zur Rückkehr in die Anstalt zu bewegen. Die gerechte Befürchtung indessen, es mochten dieselben sich dem hiesigen katholischen Gymnasium znwenden, soll ihn veranlaßt haben, in einem Besuche von dem Direktor dieser Anstalt, mit dem er sonst eben nicht sehr befreundet ist, das Versprechen zu erwirken, den in Rede stellenden jüd. Primanern die Aufnahme in sein Gymnasium zu versagen? Nachdem ihm dieses gegeben war, führte er seinen jüdischen Schülern gegenüber eine ganz andere Sprache; nur dann, meinte er, wolle er ihnen die Rückkehr in seine Anstalt gestatten/ 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.