Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 52 (24.12.1846)
- Date
- 1846-12-24
- Page
- Spalte 829-830 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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829 Studien. Die Sprache der Mischna. Von Luzzatto, fon und. R. Akiba erzählt, wie sie gegen Selbstmörder, die aus Furcht, von dem Vater bestraft zu werden, sich däsLeben genommen hatten, Milde empfahlen und ausdrücklich anordneten, daß man ihnen nichts Entehrendes khue. — Dr. B. Beer. Bericht! ung« Im LB. des Orients bin ich von einem Herrn Block und von Herrn Dr. Heinemann zugleich angegriffen worden. Beträfe der Angriff nur meine Person, so würde ich nicht geantwortet haben, da sich aber Unwissenheit und^Böswilligkeit vereinigt zu haben scheint, eine der schönsten Erfindungen des jüdischen Aterthums zu verunglimpfen, so sehe ich mich zu sorgender Berichtigung veranlaßt : 1) Zch behaupte noch, daß die Erfindung der 61 Grenzen durch ihre Brauchbarkeit und Vortrefflichkeit dem Erfinder zur großen Ehre gereichte. Als Beweis diene, daß ich mittelst derselben in kaum zwei Stunden die von 8000 Zähren bestimmen könnte. Der Kritiker behauptet, die 61 Grenzen seien verworfen worden. Wann denn? Von wem denn? Wo denn? 2) Ich behaupte ferner, daß meine Tabellen die vollkommensten und einfachsten sind, die bisher auf diesem Gebiet veröffentlicht worden sind, und verpflichte mich, für jeden Prinzipsehler, der mir nachgcwiesen wird, einzustehen. B e r l G o l d b e r g. Ueber -Le Sprache der Mischna von Sam. Dav. Luzzatto. In Geigers Werk über die Sprache der Mischna las ich die Worte: „Seit der Zeit des zweiten Tempels war bereits die Volkssprache der Juden in Palästina das Aramäische. — Das Hebräische hatte somit aufgehört eine lebende Sprache zu sein, dennoch aber blieb es, wie das Lateinische im Mittelalter, eine religiöse Gelehrtensprache. — In jener hebräischen Gelehrtensprache ist aber die Mischna geschrieben". Es sind nun bereits zehn Jahre her, als ich in meinen „Prolegomini" gegen diese Ansicht ausgetreten und ich brachte Beweise herbei, welche eine andere Ansicht erhärteten, nämlich die des Maimüni und seines Vorgängers Abulwalid. Ich war nicht wenig erstaunt, als ich sah, daß Geiger über meine Beweise ganz geschwiegen, sie ganz ignorirt und sie. kaum der Widerlegung gewürdigt. Ich glaube nun etwas Nützliches und Zeitgemäßes zu thun, wenn ich jene meine Worte nochmals den deutschen Gelehrten vorlege, mit der Bitte, sie einer strengen Kritik zu unterwerfen. Zch ersuchte meinen Schüler, Hrn. Igel, alle diejenigen Stellen aus mei- 830 nem Werke zu übersetzen, die auf Erklärung der Mischna- Sprache Bezug haben. Hier folgen die Stellen: 75. Als das jüdische Reich der Macht Babyloniens wich, mußte auch die hebräische Sprache dem chaldaischen Idiome weichen; und dies geschah in doppelter Weiser a) nahm sie im Gebrauche des Lebens ab, der ähr immer mehr abging, je mehr das Volk mit der Sprache seiner neuen Beherrscher sich vertraut machte. h) Schlichen sich in dieselbe selbst unter der Hand der Gelehrten, die sich ihrer noch immer fort bedienten, Barbarismen d. i. aramäische und pexsi'sche Wörter, so wie aramaisirende und nach den Gesetzen des reinen Hebraismus unzulässige Redensarten, bald mehr bald weniger ein. Dergleichen Barbarismen, die man Aramaismen oder Chaldaismen der später» Zeiten heißen sott, kommen in den nach dem Exil geschriebenen Büchern, wie Esra, Nehemia rc. häufig vor. Beispiele^aramäischer Wörter sind die Namen der Monate ]&:, TIN ge,' so wie auch die Nomina rVTN, T2TJ, , ©dirici 1, 10)7 ö’ya ('UZ Esther 3, 9), (ini:2 Esra 4,7), Tppn, Dins, Tj-rä, |i'Bh, die Verba INN' in der Bedeutung „zuschließtn" (Nehemia 7 , 3), TU in der Bedeutung „verordnen" (Esther 2, 1), ITl , Din?). Beispiele aramäischer Redensarten sind: D’Dxön DrP^-1 iDan. 11, 27) mit dem überflüssigen Suffix; bei äage (Nehemia 9, 19) von wo im Hebräischen das Substantivum durch das ihm angehä'ngte Mem ein Adverbium wird, wie es in Qp'H, der Fall ist, so daß *bcnfon>enig wie Op^2, D3PI2 richtig gesagtwerden kann; TpÖ in derBedeutung „befehlen" (Esra 1, 2; 2 Chron. 36, 23); eine Redensart, die im Hebräischen so viel bedeutet, als: zur Rechenschaft ziehen, Andere über deren Handlungen Rechenschaft ablegen lassen, bestrafen; n-V* in dem Sinne von „befehlen" (Esther 8, wörtliche Übersetzung des chaldaischen b]) 1p£>) was im Althebräischen „verbieten" bedeutet (siehe Eben Esra; Gn. 2, 16). 76. Falsch ist es aber, daß den Juden gleich nach deren Rückzuge ins alte Vaterland unter Cyrus, ihre eigene Spra-, che fremd geworden, und noch viel mehr, daß sie bei ihnen, wie es (Encyelopädie, Art. Hebraique (Langue 111) behauptet wurde, schon einige Jahrhunderte zuvor in Vergessenheit gerathen wäre. In Nehemia (13, 24) heißt es blos, daß die 'Kinder jüdischer Väter und nicht jüdischer Mütter nicht rein hebräisch sprechen konnten, sondern zur Hälfte die Sprache ihrer Mütter redeten, keineswegs aber, daß diese das Hebräische gänzlich nicht verstanden und viel weniger, daß der größte Theil der Nation selbst seine alte Sprache vergessen hätte; und dies um so weniger, als durch Nehemia eifriges Verwenden jene fremden Weiber verstoßen wurden. Die Propheten Haggai, Secharja und Malta chi fuhren fort zum Volke hebräisch zu reden, und in Nehemia's Zeiten wurde vor dem Volke eine lange Rede gehalten (Nehem. 9, 5—37), um es zur Unterzeichnung des dem