Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 52 (24.12.1846)
- Date
- 1846-12-24
- Page
- Spalte 825-826 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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8WMMSWW 825 Kritiken. Kurze Anzeigen. Dav. Stadthagen. 828 Rabbi Chijja), deren neben den Mischna-Ordnungen des 'Akiba, Oschaja und Bar-Kappara rühmlich Erwähnung geschieht"). Freilich existict diese Mischna-Sammlung nicht mehr, so wenig als die des H il tel und Na tan sich erhalten, aber daß ehemals Mischna-Sammlungen existirt haben müssen, die wir jetzt nicht mehr haben, sieht man schon aus manchen Haggada-Werken 33), wo eine jetzt nicht mehr existirende angeführt wird. 2) Die Tosifta, d. h. eine umfassende Sammlung der Halacha's, nach den sechs Mischna-Ordnungen eingerichtet, und neben derselben, gleichsam sie ergänzend und bereichernd, von dem Freunde des Mischna-Redakteurs in .der Schule vorgetragen"). Da die Mischna sich nur auf eine Auswahl von Resultaten beschränkte, so war die Abfassung von Tosifta's, d. h. von Zusätzen und Nachträgen, die über den engen Kreis der Mischna hinausgingen, für den Unterricht nothwendig, und mit Recht wird Chijja Ln dieser Beziehung dem Ichuda Ha-Nasi gleichgestellt. Der palästinische Talmud ist das erste Werk, welches alte Tosifta's schon anführt "), und die wir gegenwärtig besitzen sind bei allen Schwankungen, welche sie im Laufe der Zeiten erlitten haben mögen, die vor der Redaktion des Talmuds schon so gewesenen, da später bekannt gewordene nur geringes Ansehen hatten 36). 3) Eine Sammlung von Baraj ta's (Barajta de-R. Chijja), d. h. solcher überlieferten Halacha's oder Lehrsätze, die mit der Mischna in gar keiner Verbindung stehen und daher die verschiedensten Gegenstände umfaßt und gewiß auch nicht in die Ordnung der Mischna redigirt war"). Die große Anzahl Baraj ta's, welche im palästinischen und babylonischen Talmud angeführt werden, die zusammengestellt schon ein ansehnliches Werk ausmachen würden 3S), der Umstand, daß sie sehr selten mit den Tosifta's übereinstimmen") und daß sie in Haggada-Werken ^°), wie bei den Geonim ^), für maffen- 32) Midr. Koh. 98 d, j. Horajot c. 3. 18. 33) Sed. Elijahu Sutta c. 16, Ans. — 34) Scherira l. c. 24. — 35) j. Sabbat c. 8 hal. i, j. Pesachim e. 10 hal. 1, j. Schekalim c. 3 hal. 2, j. Chagiga c. 1 Ende. — 36) Ascher zu Chulin e. 2. — 37) Scherira I. e. 24. 25. Der eigentliche Charakter der Barajta's, oder Mischnajot Chizonijat'genannt, war daß sie bei der schon bestehenden Ordnung der Mischna auf dieselbe gar keinen Bezug nahmen. Es wurden daher in Barajra's auch Themen abgehandelt, die mit dem jüdischen Gesetze als Erläuterung der schriftlichen Offenbarung, keinen eigentlichen Connex hätten. Natan's Middot waren Barajta's, die Barajta de Sod ha-'Zbbur handelte über jüdisches Kalenderwesen und die Barajta des Samuel über Astronomie. 38) Sie werden im babyl. Talmud unter Tanjo, im palästinischen unter Tanaji, seltener schon durch das Verbum Tana citirt. —- 39) Jesaja Berlin hat schon nachgewiesen, wo in seltnen Fällen die Barajta mit der Tosifta übereinstimmt (zu Gittin e. 7 Ende, Abode Sara 36 b). 40) Z. B. Tanchsuma par. Korach, wo die äußern Mischhaft und zahlreich gehalten wurden, macht es wahrscheinlich, daß Chijja's Sammlung beträchtlich gewesen sein muß, vorzüglich da er wahrscheinlich die ähnlichen Sammlungen der Tannaiten ausgenommen, wie sie überhaupt wahrscheinlich der Weitschichtigkeit wegen alle Geltung der Mischna gegenüber verloren"). Außer der traditionalen Kenntniß war aber dieser Lehrer noch ein großer Schriftkundigec, daher er den Beinamen Kara d. h. Schriftkenner führte^), wie auch er es war, der zum Behuf der Schrift-Interpretation des Atbach-Alfabet (Atbach de-Rabbi Chijjah), d. h. eine eigene Art von Buchstabenvertauschung eingeführt Ijat44). — (Fortsetzung folgt). Kurze Anzeige«. 76) De quibusdam marmonbus Phöniciis praemisso Specimine de sciipturae alphabeticae origine. Dissertatio inauguralis philologica etc. auctore D avid Stadthagen Posnaniensi : Berlin, 1846. 8. Die Auslegung phönizischer Inschriften gehört zur hebräischen Philologie, ihr Inhalt bereichert den althebräischen Sprachschatz und?wie schon die Lausenden von Eigennamen eine Fundgrube für die Erklärung der hebräischen grammatischen Formen werden können, kann man ans dem eigens in der Concordanz von mir zusammengestellten phönizischen Onomastikon leicht ersehen. Es ist daher gewiß verdienstlich, wenn junge Leute, die sich dem philologischen Studium hinna's (Mischnijjot Chizonijjot) d. h. die Barajta's als ohne Zahl bezeichnet werden. — 41) Scherira I. c. — 42) Tannit c. 3. Scherira 1. c. Das Verhältniß der Barajta's oder äußern Mischna's (Mischnijjot Chizonijjot) zu der Mischna der Schule war wie das der apokryphischen Schriften (Sefarim Chizonim) zu den heiligen Schriften, wie die Schrift für das schriftliche, so war die Mischna für das mündliche Gesetz normgebend, und was außerhalb der Mischna und der Schrift sich Geltung und Eingang verschaffen wollte, mußte in Schrift und Mischna Wurzel und Stütze suchen. Mit der Schrift selbst war sogar wiederum ein solches Veryältniß. Nichts in den Propheten und Hagiographen konnte Ansehen und Geltung für das praktische Leben beanspruchendas nicht in der Tora (Pentateuch) angedeutett war; darum heißt es Taanit 9 a: Giebt es denn Etwas, das in den prophetischen Schriften (für's praktische Leben) sich findet, das nicht im Gesetze (im Fünfbnch) angedeutet ist? Aus dieser Ansicht wird uns die Nedarim 22 b angeführte Haggadastelle verständlich, die da lautet: Wenn Israel nicht gesündigt hätte, so würde es nur die fünf Bücher des Gesetzes und das Buch Josua gehabt haben. Ein gleiches Verhältniß war später zwischen dem Talmud und den sogenannten kleinen Traktaten, die bekanntlich auch Massichtot Chizonijjot genannt wurden. — ' 43) Iebamot 71; Jalkut zu Hosea §. 533. 44) Sukka 52 b.