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Der Orient · 1846-12-24 · 52 (24.12.1846) · p. Spalte 821-822

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
52 (24.12.1846)
Date
1846-12-24
Page
Spalte 821-822 (sequence 3)
Language
German
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821 822 Studien. Geschichte der jüdischen Literatur m Babylonien. Hindung mitder des Schammai, verdanken wir die Megillat Bet Chaschmonaim d. h.'ein Buch über die Geschichte der zeichnisse des Juchasin und Seder ha-Dorot, nach einem genauen Nachlesen derselben und nach Festhaltung der historischen Data, in folgender Weise heraus: 1) Hillel, der Babylonier oder der Alte genannt, wurde 32 v. Chr. Nasi und starb im8.Fahre n. Chr«, drei Jahre nach dem Tode Herodes des Großen (Sabbat 15 a). — 2) Simon den Hillel, der nach Hillel (8 n. Chr.) Nasi wurde. — 3) Rabban Gam- Itel den Simon, genannt Gamliel der Alte, starb 50 n. Chr. als Nasi (Seder ha-Dorot 86 e, Juchasin 54 b), und bei dessen Leichenfeier der bekannte Onkelos 70 Minen Balsam, sammt dem Bette und den anderen Gerälhen des Verstorbenen, nach königlicher Weise verbrannte (AbodaSara 11 a, Tosifta Sabbat c. 7). — 4) Rabban Simonben Gamlibl Ha-Saken, welcher 50 n. Chr. Nasi, und im Jahre 68 n. Chr., beider Zerstörung Jerusalems, als der Erste der 10 politischen Märtyrer hingerichtec wurde. Mit ihm schloß sich das erste Jahrhundert des Nasiat's aus der Hillel'- schen Familie ab. — 5) Rabban Gamliel ben Simon in Ja m nia, Sohn des Vorhergehenden, wurde durch Fürsprache desJochana n benSakkai beiVespäsianvonderVernichtung verschont und km Jahre 72 n. Chr. zum Nasi eingesetzt zu Jamma, wo schon vor der Zerstörung Jerusalems eine Hochschule war. Während seiner Amtsverwaltung war das Ansehen der Nasifa»nilie am Meisten erschüttertz vor, mit und nach ihm harten Lehrer aus anderen Familien dieses Amt, und durch Unzufriedenheit sollte er sogar einmal ganz dieser Würde entsetzt werden. — 6) Rabban Simon ben Gamliel von Jam nia, Vater des Mischna-Redakteurs Jehuda Ha- Nasi und im Mischna-Codex seines Sohnes am Meisten genannt. Er wurde 120 n. Chr. als Nasi' eingesetzt. Im dritten Jahre seines Nasiats (55 n. d. Zerst. Jerus.'s, 123 n. Chr.) wurde ihm der Sohn Jehuda, der nachher unter dem Namen Rabbi, oder Jehuda Ha-Nasi oder R. der Heilige, die Mischna redigirte, geboren. Dieser Simon starb 161 n. Chr. und ihm folgte dann sein Sohn: — 7) Jehuda ben Simon, genannt Jehuda ha-Nasi oder auch Rabbi, der Heilige, im 38. Jahre seines Alters im Amte eines Nasi. Er starb im December 196 n. Chr. Nach Jehuda ha-Nasi war diese Würde nicht mehr mit der des Rektorats der Hochschulen verbunden, sondern die nun folgenden Nesiim hatten mehr eine gewisse Stellung durch diese Würde nach Außen zu repräsentiren. Es folgten nun — 8) Gamliel ben Zech u d a, Sohn des Mischna-Redakteurs, der 191 n. Chr. Nasi oder Patriarch wurde. — 9) Jehuda ben Gamliel. auch der jüngere Rabbi (Rabbi Seira) genannt, zum Unterschiede von seinem Großvater (Rabbi rabba, der ältere Rabbi). Erstarb 258 n.Chr. — 10) Hillel ben Jehuda, welcher bei seinem Antritte des Patriarchats um 570 der selenk. Acre, d. h.um258n. Chr.das Kalenderwesen für Palästina eingerichtet. — 11) Ga mli 6 l ben H U l e l. — 12) Jehuda ben 'Gamli el, der zweite, und endlich — 13) Gamliel ben Jehuda, genannt der letzte (Gamliel Batraah), weil mit ihm die ohnehin zum Schattin hcrabgesunkene Nasi-Würde, durch ein Gesetz des Kaisers Honorius und des Theodosius (Cud. Theod. de Jud. 1. 22) im Jahre 415 aufgehoben wurde. Die Nasi-Familie. verdient übrigens wegen ihrer Bedeutung in der jüdischen Kulturgeschichte in Palästina, während eines Zeitraums von 446 Jahren, wie auch nicht minder wegen ihrer Bedeutung in der jüdischen Geschichte überhaupt, in einer eigenen Monographie behandelt zu werden, was wir auch bei Gelegenheit thun wollen. — Makkabäer, das noch sehr lange existirte, jetzt aber verloren scheint-o) und das Megillat Trankt.— 3. Schriftstellerisch noch bedeutender war Natan, der Babylonier, aus Mesch an21); welcher Gerichtspräsident oder Ab-Bet-Din unter dem Patriarchate des Simon ben GamlivlvonI am n i a (in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts) war, und in den Talmuden als als tiefer Kenner seines Rechtsfaches gerühmt wird 22). großem Ansehen stehend wegen seiner Geburt, da sein Vater Exilarch in Babylonien war, wie nicht minder wegen seiner großen Gesetzeskunde, trug er mit zurAbschließungder Mischna bei, und die Achtung Jehuda ha-Nasi's für ihn war so groß, daß der Mischna - Redakteur bei der geringsten Verletzung dieser Dichtung sich bittere Vorwürfe machte-^). An schriftstellerischen Leistungen dieses Babyloniers, die für die palästinischen Studien von Bedeutung wurden, hat man vorzüglich: 1) eine eigene Mi sch na-Sammlung, genannt „die Natan'sche Mischna (Mischnat de-Rabbi Natan)", die er zum Gebrauche für feine Schüler besorgte und die Jehuda ha-Nasi für seine Mischna - Sammlung mitbenutzte"). 2) Die neun und vierzig Middot (Arba'im we-Tescha' Middot), eine Barajta, das heißt eine nicht für den Vortrag in der Hochschule bestimmte Sammlung von Lehren mathematischen' Inhalts, in talmudischer Weise großentheils aus 20) Das'Buch der Makkabäer haben die beiden Schulen Hillel und Schammai unter dem Namen Megillat Bet Chaschmonaim geschrieben und abgefaßt, aber es wurde nicht als kanonisch recipirt, so daß es im Strome der Zeiten verschwand. Der Beleg für diese Angabe findet sich Halachot Gedolot hil. Soferim 14l, Col. 4 (sd. Venedig), wo es heißt: „Die Lehrer der schammäischen Schule und die der Hillel'schen haben „das Buch über das Haus derHasmonäer" geschrieben, aber bis jetzt ist es von den Geschlechtern nicht recipirt worden und wir muffen harren bis der Priester mit den Urim und Tumim einst auffteht^. In welcher Sprache dieses Makkabäerbuch abgefaßt worden, laßt sich jetzt wohl kaum ermitteln; wenn wir aber der Analogie der Mischna folgen, so war cs hebräisch, und wenn wir auf Megillat Ta^anit sehen, welches ebenfalls diese beiden Schulen gemeinschaftlich abgefaßt, so war in aramäischer Sprache niedergeschrieben. Jndcß ist es wahrscheinlich, daß es in der Sprache der Mischna, Barajta, Tosifta, Mechilta, Sifra, Sifre, nämlich in einem aramäisch gefärbten Hebräisch niedergeschriebcn war. Einer Megillat C h a s chmonai gedenkt auch der Verfasser des Büchleins Chibbur Jafa Meha-Jeschua im Vorworte, was aber wohl eine spätere Uebersetzung aus dem Griechischen oder Syrischen war, wenn nicht darunter die bekannte Megillat Antiochos zu verstehen ist. — 21) Baba - Batra 73 a. Aus dieser Stelle sieht man auch, daß er das Neuhebräische (z. B. Bizit) dem babylonischen Aramäisch nachbildete. — 22) Horajot 13!>, Baba-Kamma 23 a, Baba Mez. 117 b. . 23) Baba Mez. 86 a, Baba - Batra 131 a, j. Ketubot 29 a. Umgekehrt läßt Na tan aus Gefälligkeit gegen seinen Freund schon die traditionellen Lehren in den später gäng und gäbe gewordenen Ordnungen vortragen. — 24) Temura 16 a, Baba-Mez. 86 a, Ketubot 93 a. — 52*

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