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Der Orient · 1846-12-24 · 52 (24.12.1846) · p. Spalte 819-820

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
52 (24.12.1846)
Date
1846-12-24
Page
Spalte 819-820 (sequence 2)
Language
German
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819 820 Studien. Geschichte der jüd. Literatur in Babylonien. erster Lehrer der jüd. höher» Töchterschule zu Prag). Berlin, 1847, 8. bei Veit u. Comp. Von Letzterem allein ist auch erschienen: 5) Abhandlung über die Einheit. Aus dem Arabischen des R. Moses Maimon hebräisch von R. Isaak B. Natan. Zum ersten Mal herausgegeben, nebst sachlichen und sprachlichen Erläuterungen und einer deutschen Inhaltsübersicht. Nebst einem Sendschreiben an den Herausgeber von Sr. Ehrw. Hrn. Nabb. S. L. Napaport. Berlin, 1846. 8. In Kommission bei L. Weyl und Comp. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. . Eine Skizze von Dr. Julius Fürst. (Fortsetzung.) Zweites Kapitel. 1. Mit dem Beginne des letzten Jahrhunderts vor Auflösung des jüdischen Staats, d. h. 32 v. Chr., beginnt die entschiedenere Wirksamkeit der babylonischen Studien in der Geschichte des jüdischen traditionalen Schriftthums aufzutautauchen, diejenige Wirksamkeit nämlich , die schon'durch bestimmte geschichtliche Angaben, nicht durch allgemein gehaltene sagenhafte Berichte, dokumentirt ist, und von dieser Zeit an bis auf die feste historische Begründung der Hochschulen in Babylonien durch Samuel und Rab, d. h. von 32 v. Chr. bis 188 n. Chr., kann man die dritte Abtheilung der großen Periode datiren, welche die jüdisch-babylonische Geisteskultur gehabt. Denn wenn die erste Abtheilung dieser Periode, von 585 bis c. 300 v. Chr. reichend, uns blos das Zeugniß für die Geschichte des Kanons giebt, daß in Babylonien und durch Heimkehrer der größte Theil der nachexilischen .heiligen Literatur entstanden: die zweite Abtheilung, nämlich von 300 bis 32 v. Chr., wie im Allgemeinen dort der größte Theil der Traditionen in Verbindung mit dem Gesetze, gleichsam als eine jüdische Theologie, angebaut worden sein muß, so giebt uns die dritte Abtheilung die bestimmte historische Bewährung, wie alle nachbiblischen jüdischen Studien in Palästina nur aus Babylonien geholt werden mußten, wie die größten Lehrer Palästinas nur Babylonier waren, und wie selbst zur Begründung besonderer palästinischen Schulen, zur Erstehung der für die Geschichte der palästinischen Gelehrsamkeit so wichtigen Nasi-Familie, nur Babylonier die Grundelemmte gewesen u. das Wesentlichste beigetragen. Man braucht auch nur drei berühmte Babylonier zu nennen, um das hier Gesagte zu erweisen, nämlich den diese Abtheilung einleitenden Hi l lel h ä - B abli oder ha - Saken und die Babylonier Rabbi Natan und Rabbi C h i j j a, die bekannten Grundfesten des Riesengebäudes der traditionalen Lehren. Man braucht nur diese drei Männer zusammen zu betrachten, um zu begreifen, wie früh schon in den Babyloniern die Ausbildung der mündlichen Lehre Wurzel geschlagen haben mußte, und wie sie dieMuster für die Palästinenser geworden. 2. Hille l, aus einer der edelsten Famiien in Babylonien entstammt *3), als Neubegründer des Gesetzstudiums wie ein zweiter Esra angesehen"), sagte bei seiner Erwählung zum Nasi um 32 v. Chr. zu seinen Wählern: „Wer hatte es veranlaßt, daß ich aus Babylon Herkommen mußte, um über euch Nasi zu sein? Nichts anderes als euere Nachlässigkeit war es, da ihr ungenügend Schemaja und Abtalion -als Schüler gedient" d. h. da ihr der traditionalen Lchre eine geringe Aufmerksamkeit geschenkt1S). Und dieser Hill el war es auch, welcher das Gesetzstudium, mit.der Tradition verbunden, in Palästina begründete; er war es, der durch seine zahlreichen, berühmten und von der Sage verherrlichten Schüler, von 32 vor Chr. bis 415 nach Chr. diese jüdischen Studien in Palästina überhaupt erst möglich machte^). Er war der erste, der die bis auf ihn zahllos überlieferten Lehren auf sechs Mischna-Ordnungen reducirte17), der zuerst in seiner Schule hermeneutische Regeln zur Erläuterung des schriftlichen Gesetzes einführte lö), und als Stammvater einer durch dreizehn Geschlechter sich erhaltenden Nasi - Familie, die bis 415 n. Chr. die Stützen der palästinischen Gelehrsamkeit und der Gesetzes-Autoritäten abgegeben"), unvergeßlich wurde. Seiner Schule, in Ver- 13) Kidduschin 71 a, Ra sch i das., Bereschit Rabba c. 33. 98 aus einer Megi l lrt Juchasin im Jeruschalmi.— 14) Sukka 20 a heißt es: „Als ehemals das Gesetz in Israel vergessen wurde, da kam Esra aus Babylonien und stellte es wieder her; als es abermals vergessen wurdet da kam Hillel, der Babylonier- und begründete es neu, und als es endlich wieder vergessen wurde, da stellte es Chijja, ebenfalls ein Babylonier, mit seinen Söhnen her".. Er wurde auch als Schüler Esra's betrauert (Sota 28 b). _ 15) Sabbat 15, a. Pesachim 66 b. Er erhielt dieUeberlieferung von Schemaja und Abtalion (Pesachim 1. c.), und dieser Ruhm, wie der eines zweiten Esra, mag auch die Veranlassung gewesen fein, daß man ein Bat-Kol für seine Aussprüche entscheiden ließ (j. Berachot c. 1, j. Jebamot o. 1) und ihn sogar der Prophetie würdig hielt (Sota 28 d, Sanhedrin 11 a), — 16) Von seinen 80 Schülern wird berichtet (Sukka 28 a, Baba-Batra 144 a), daß Jo natan den 'Usiel der älteste und Jochanan ben Sakkai der jüngste gewesen sein soll. — 17) Juchasin 56 a, Sedcr Ha-Dorot 91 e. — 18) S. die Einleitungen in den Talmud. — 19) Die Reihenfolge der mit Hillel begründeten Familie der Nesiim oder Patriarchen in Palästina, stellt sich, nach einer Zusammenstellung der Resultate in Sefer ha- Kabbala, Juchasin, Schaschelet ha-Kabbala und Seder Ha-Dorot, verglichen mit den zahlreichen Nachweisungen auf die talmudischeu Quellen im alfabetischen Ver-

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