Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1846)
- Date
- 1846-12-24
- Page
- Seite 412 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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413 ffa* das Wohl ihrer jüdischen Unterthcmen hegt. Blicken wir auf die Anzeichen am politischen Himmel Oesterreichs, so findet diese Aussage ihre volle Bestätigung. Die ungarische Tolerauztaxe, die böhmische Judensteuer, die Ernennung Wesscly's' zum Doeenten sind die schönsten Vorboten einer erfreulichen Zukunft. Wer das System unserer Regierung kennt, wird wohl wissen, daß ste jede geräuschvolle Reform in allen Zweigen der Administration vermeidet. Die pomphaften Phrasen des Staates der Intelligenz, die sich am Ende in blauen Dunst auftösen, sind ihr fremd. Sie will nicht ihre jüdischen Unterthanen am Gängelbande leerer Versprechungen herumführen, sondern zeigt durch Thaten, was Andere bei Redensarten bewenden lassen. Roch hat es Preußen nicht über sich vermocht, seine Furcht vor jüdischen Doeenten abzntegen und der sich prahlende Protestantismus Preußens rnuß dein Katholieismus Oesterreich's das Feld räumen. Die Regierung des Kaiserstaateö geht von dem Bewußtsein aus, daß die Juden mit dankbarem Herzen jede Verbesserung ihrer Stellung annchmen; sie weiß, daß sie bei der verschiedenartigen Zusammensetzung ihrer Bevölkerung auf die Juden und ihre Ergebenheit am meisten rechnen kann. Diese haben keine Nationalität zu verfechten , kennen keine Sympathien mit dem liebäugelnden Nnssenthum, mit den Anmaßungen der romanischen Zunge oder mit dem alle Grenzen überschreitenden magyarischen Taumel. Die Regierung im eigentlichen Sinne des Wortes ist ihre Stütze, der Zielpunkt dem sie ihre Kräfte zuwenden. Die Jutriguen der Slavornauen mit Rußland, die Luftschlösser der gitmne Ilalia, der rohe Egoismus der Magyaren, die ohne Fug und Recht jede andere Nationalität ersticken — sind den Juden fremd. Es ist daher auch unbesonnen und thöricht, wenn die ungarischen Juden dem Magyareuthume ohne Schranken huldigen. Wenn die Regierung ihr Veto auf den Landtagen früher eingelegt, so geschah es nur aus dem Grunde, daß die Ertravaganz der Magyarenmanie keinen Sukkurs in den Juden erhalte. Wie die Stellung der Völker jetzt beschaffen ist, so können nur Kunst, Wissenschaft, ausgezeichnete Industrie, Civilisation, politische Bildung des Volkes eine Nation auf die Höhe der Zeit, zum Tonangeber in bestimmten Verhältnissen bringen. Alle diese Bedingungen fehlen den Magyaren, und während Rußland durch eine eiserne Macht und die ungeheure Ausdehnung seines Reiches einen Einfluß ans die Weltbegebenheiten und die Befestigung des Russenthnms erzwingt, sind die Magyaren doch schwach und verhältnißmäßig numerisch wenig. Das Magyarenthum kommt mir vor wie ein körperlich reichbegabtes Kind, das sich tu Grenadierkteidung wirft und. sich für einen Grenadier hält, wahrend man an der Unbeholfenheit des Ganges und dcm Schlottern der Kleidung merkt, daß e§ noch cin Kind sei. Wie Theologen-Versammlung. Motto: Langsam, langsam, das ist viel werth. Berachot, 20 a. Jeder deutsche Israelit, der es mit seinem väterlichen Glauben treu meint, muß sich gegen den hochwürdigen Oberrabbiner Herrn Dr. Frankel zum Danke verpflichtet fühlen, daß derselbe den obenanstehenden talmudischen Ausspruch beachtend, die projektirte Theologenversammlung vom Herbste dieses Jahres auf das nächste Frühjahr vertagte. Es werden dadurch nicht nur die Theilnehmer der beschwerlichen Reise in rauher Jahreszeit überhoben, sondern, und was mehr als Alles ist, die Sache selbst gewinnt dabei bedeutend, indem man längere Zeit hat, sie vielseitig zu besprechen und das Publikum zur Erkenntniß des richtigen Gesichtspunktes, von welchem aus die Versammlung betrachtet sein will, zu führen. Eine Versammlung, die fern von allen Nebenrücksichten, nur das religiöse Interesse der Gemeinden ins Auge fassend, unaufgefordert Zusammentritt; die keine andere Autorität hat, ja, die keine andere beansprucht, als das Vertrauen derjenigen, denen sie dienen will, muß, soll ihr Wirken anders segensreich werden, möglichst darauf bedacht sein, Alles zu vermeiden, was jenem Vertrauen Eintrag thun könnte. Sie muß nicht nur keine falschen Hoffnungen und Erwartungen Hervorrufen, sondern auch solche, die von selbst austauchen, durch klare Darlegung ihrer Tendenz zu berichtigen suchen; denn bleibt am Ende die Leistung hinter den gehegten Erwartungen zurück, so ist das Vertrauen für immer dahin, und man wendet sich von ihr mit Unwillen. Möge die sogenannte Rabbiner-Versammlung als warnendes Beispiel dienen. Bei ihrem ersten Auftreten wurde sie allseitig freudig begrüßt; alle Parteien knüpften die weitaussehendsten Hoffnungen an dieses werdende Institut, man erblickte darin das Heil des Judenthums, die Aussöhnung aller Gegensätze. Und nun? — Was die Orthodoxen, die Konservativen, ja alle Gläubigen aller Konfessionen von dieser R.-V. hatten, ist zu bekannt, bedarf daher keiner weitern Erörterung. Wir bemerken blos, daß selbst ihre natürlichen Bundesgenoffen, dieMänrec der Reform-Genossenschaft, die ihnen voriges Jahr Weihrauch gestreuet, sich nunmehr entschieden von ihr losgesagt, weil ihre Beschlüsse trotz der maaßlosesten Destruktion, dennoch den von jenen Reformmännern gehegten Erwartungen nicht entsprechen und als ungenügend erscheinen. In einer Verwahrung aus Frankfurt wird der R.-V. vorgeworfen, sie habe nichts gethan, weil sie nämlich den Sabbat nicht auf den Sonntag verlegte, sie wird auch beschuldigt, selbstsüchtige, hierarchische Zwecke angestrebt und verfolgt zn haben. Ein Repräsentant der R -V. erwiedert hierauf: „Fragt den Zions-Wächter, den Orient, fragt die Orthodoxen alle, ob wir nichts gethan, und sie werden euch mit einem Verdammungsurtheil antworten." So wahr auch diese