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Der Orient · 1846-12-24 · Heft 52 (24.12.1846) · p. Seite 413

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 52 (24.12.1846)
Date
1846-12-24
Page
Seite 413 (sequence 11)
Language
German
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414 Behauptung ist, so verdammungswürdig das destruktive Treiben der R.-V. jedem wahrhaft Gläubigen erscheinen muß, so sind doch die Männer der Verwahrung mit ihrem Vorwürfe in vollem Recht. Es wird dieses leicht erklärlich, wenn man auf den prinzipiellen Standpunkt der Reformer näher emgehet. Ihr Standpunkt nämlich ist rein negircnd, und ist es überhaupt der Glaube an eine unmittelbare Offenbarung, der als Opfer ihrer negirenden Tendenz anheim fällt. Ihnen ist die Bibel nur in sofern göttlich, als jedes wichtige Ereigniß in der Weltgeschichte, das auf die Entwickelung und Fort-Bildung der Menschheit bedeutenden Einfluß geübt, der göttlichen Vorsehung, als ersten Ursache aller Geschehnisse, besonders zugeschrieben wird. Außerdem hat die Bibel für sie keine Autorität. Ihr Bewußtsein ist ihnen allein Offenbarung, der Zeitgeist Gesetzgeber und sie können darum ihren eigenen Weg ungehindert vorwärts gehen. Theologen können von der R.-Genossenschaft gar nicht anerkannt werden, da selbst die Quellen der Theologie keine Anerkennung finden. Wenn sie sich aber früher der R.-V. genähert, so geschah dies wahrscheinlich nur darum, weil man von Bibel und Talmudkundigen die Bekämpfung der Bibel und des Talmuds mit mehr Erfolg erwarten zu können sich für berechtigt hielt. Die Männer der R.-Versammlung befinden sich principiell ganz auf dem nämlichen Standpunkte. Dies beweiset das Drängen unserer Männer zur Anstellung bei jener Gcnoffenschast und die Lobrednerei in ihren dort gehaltenen Medigten hinlänglich. - ^Hinsichtlich der Praxis hingegen waltet zwischen der Reformgenossenschast und der Rabbinerversammlung ein nicht unbedeutender Unterschied ob. Die R.-G., als eine Versammlung von Laien, hat, weil sie nichts zu verlieren, Niemand zu schonen, und kann rücksichtslos ihrem sogenannten religiösen Bewußtsein Folge geben und danach handeln. Nicht so die R.-B. Die Mitglieder derselben sehen als Rabbiner ihre Existenz gefährdet, sobald der Offenbarungsgla.ube vom Volke aufgegeben wird. Man darf also der Bibel nicht ganz vor den Kopf stoßen, vielmehr muß deren Göttlichkeit dem Volke eindringlich gemacht werden, mit Vorbehalt des rabbinischen Rechts, die Bibel geistig aufzufaffen und beliebig zu deuten, um so alles Belästigende zu beseitigen. Der Rabbiner ist dann unentbehrlich, er bindet und löset, gleichet Lehre und Leben aus und wird zum wahren Orakel. Bedürfte diese Behauptung eines Argurmntes, so brauchen wir blos auf die Beschlüsse der R.-V. hinsichtlich der Sabbatfrage hinzudeuten, und das Gesagte ist auf das evidenteste erwiesen. Die R.-V. hat jede nichtanstrengende Arbeit, jede Arbeit zum Vergnügen, u. s. w» für erlaubt erklärt, nur gewerbliche Lhätigkeit will sie unter gewissen Umständen eingestellt wissen» Daß dies aber mit den klaren Worten der Bibel streitet, weiß Jedermann, der sich nur einigermaaßen in der Bibel umgesehen. Dir Bibel verbieten das Feueranzünden, das Zubereiten der Speisen am Sabbat, Arbeiten, die durchaus nicht anstrengend sind, Daß sie aber auch keinen Unterschied zwischen gewerblicher und nichtgewerblicher Thätigkeit machet, geht daraus hervor, daß in der Wüste ein Mann, der am Sabbat Holz ausgelesen und der schwerlich ein Holzhändler, dessen Thätigkeit also keine gewerbliche war, zum Steinigungstode verurtheilt wurde. Hätte daher die R.-V. nur im geringsten den Glauben an die Göttlichkeit der Bibel in sich gefühlt, sie würde unmöglich mit aus der Lust gegriffenen Ideen über ein heiliges göttliches Gebot, wie der Sabbat es ist, so leichtsinnig abgeurtheilt haben. Hat aber die Bibel keine Autorttac, so hätte die R.-V. eben so gut den Sabbat ganz abschaffen oder auf jeden beliebigen Tag verlegen können. Die Männer der „Verwahrung" werfen demnach der R.-V. mit Recht vor, daß sie, ihrem Standpunkte nach, nichts gethan. Wenn aber die R.-V. aus bekannten Rücksichten sich das Ansehen giebt, im Sinne der Bibel zu handeln, während jeder Einsichtige vom Gegentheile üoerzeugt ist; wenn sie dem Volke den Glauben an die Göttlichkeit der Bibel aufbinden will, ohne daß sie selbst daran glaubt: so ist dies die Wurzel des gefährlichsten hierarchischen Strebens. Man will seine subjektiven Ansichten wider besseres Wissen für Gotteswort ausgeben, um eigennütziger Zwecke willen, und um die Laien beliebig «zu gängeln. Darum sott auch alles theologische Wissen von diesen fern bleiben, und selbst die hebräische Sprache nur ausschließliches Eigenthum der Rabbiner wrEden, (Fortsetzung folgt.) Personalchronik und Miseellen. Göttin gen. Dr. jur. B e n fey (Bruder des Orientalisten) hat bei den hannoverschen Ständen eine Petition, in Betreff der Cession von Juden an Christen, überreicht. * Oldenburg. Ein Israelit, Hr. Mendelssohn, fungirr als Turnlehrer und unterrichtet auch die Garnison in gymnastischen Uebungen. * * * Fürth. Der achtzigjährige Bankier, Hr. Hermann Königswarter, spendete für das neuerrichtete isr. Krankenhaus 2080 fl. * * v Köln. Der isr. Bankier Abr. Oppenheim wurde in den Stadtrath gewählt. > Prag. Auf Anregung des Arztes Dr. Gitschin hat sich hier ein Verein gebildet, der zum Zwecke hat, israelitische Handwerker heranzubilden. Die Statuten sind bereits der Behörde vorgelegt worden.

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