Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1846)
- Date
- 1846-12-24
- Page
- Seite 410 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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410 größere E.reesse zu verhüten, und er tat den Hm. Landrath, die Aufhebung des Wahlgeschäfts zu veranlassen. Dieses geschah endlich, und wie ich höre, wird eine Untersuchung über die Storung erfolgen. Das ist nun die tragische Seite dieser Rabbinenwaht, nun erlauben Sie mir noch einen komischen Epilog zu berichten. Ein gewisser Dr. Landsberg kam auch hierher, um diese Stelle zu erobern. Zu welcher Klasse von Kandidaten dieser Herr gehört, mag ich hier nicht berichten, das Publikum wird wohl wissen, wohin es ihn einregistriren soll. Dieser Hr. L. veranstaltete vergangenen Sonntag einen Chilluk in der Synagoge und er trat auf wie ein rönlischer Gladiator, forderte die Talmudhelden auf, mit ihm zu disputiren, als aber diese ihn mit einem |yn stehem ließen, war die Schlacht zu Ende noch vor dem Beginne. Auch Hr. Landsberg wurde zur Wahl nicht zugelassen. Der Hr. Landrath vermisste die n'inn / die Vorsteher etwas Anderes. Eine seltsame Ironie l Ich bin mit den Thatsachen zu Ende und erlauben Sie mir mm meine Bemerkungen. Ein unsinniger Brauch ist es, der bei neuen Rabbinenwahten jetzt eingerissen, nämlich die Unsitte, Probepredigten zu verlangen. Dieser Brauch ist so entwürdigend und herabsetzend für den Kandidaten, daß mau sich wundern muß, daß nur einer sich findet, der sich demselben fügt. Vollends ist dieser Brauch unsinnig, wenn der Aspirant bereits in einem Amte ist, wo doch die Vorsteher Gelegenheit haben, ihn in seinem alten Wirkungskreise zu sehen und zu hören. Uus will es schamlos erscheinen, Dr. Gebhard zuznmntheu, wie ein gemeiner Histrione eine Probe abzulegen. Daß aber auch für die Gemeinden dieses Probiren von Nachtheil ist, zeigen die Folgen. Und hängt denn in der That Alles von einer zufälligen Predigt ab? Es ist noch gut, daß dieser elende Brauch bei großen und intelligenten Gemeinden noch keine Nachahmng gefunden. Ein anderes Uebet liegt in den jüdisch-theologischen Studien. Ohne Jeschiba, ohne Rabbinen-Seminar, ohne Fakultät sind die jungen Leute sich selbst überlassen, und aus welche Weise dieser oder jener sich einen Fezzcn von Rabbiner-Diplom verschafft, weiß ein Jeder. Bei solchen Umständen thut eine Gemeinde am Besten, ..wenn Sie einen Mann beruft, von dessen Wirksamkeit in einer anderen Gemeinde,'oder von dessen Befähigung sie durch literarische Leistungen überzeugt ist. Schwerin (in Meklenbnrg), 12. Decbr. Unser Landrabbiner, Hr. Dr. Holdheim, verläßt nun wirklich unser Land und geht nach Berlin als erster Prediger der Reformgcnoffen; der Ruf der Entschiedenheit geht ihm voran, wie man auch über seine Richtung denken mag, und wie gering wir auch unseren Vertust anschlagen mögen, für die Reformgenossen war die Wahl ausgezeichnet. Unter allen Rabbinen, Predigern und Kandidaten, die dort gepredigt, ja auch unter allen Reformgesinnten, die dort nicht gepredigt, ist H. der einzige, welcher an die Spitze der Reform mit Recht treten kann, da er mit großer Konsequenz den Rabbinismus abgeschüttelt. Die Jntelligcntern der Reformgcnoffen sind sich auch der großen Bedeutung ihrer Aequisition bewußt lind die ihm zngedachten Empfangsfeierlichkeitm selten großartig sein. Er ist der Einzige, der den Muth hatte, dm Rabbinismus lmd sogar den Titel Rabbiner, da er nun einmal nur eine Heuchelei fein konnte, aufzngeben und es ist in der That kein Geringes, einLandrabbinat mit einigen vierzig Gemeinden für eine Idee hinzugeben. Zur guten Letzt hat er mrs noch mit einer begeisterten Rede bei Gelegenheit der Aufhebung des Schutzgcldcs beschenkt, deren Konsequenzen, wie sie der Redner gezogen, mir zwar durchaus nicht theilen können, jedoch hatte die Begeisterung des Redners große Anregungen in den Herzen der Zuhörer geweckt. Die erledigte Stelle des Landrabbinats ist nun bereits ausgeschrieben, und wir hoffen, daß unser würdiger israelitischer Oberrath bei der neuen Wahl dafür sorgen wird, daß ein tüchtiger versöhnender von Sturmreformen weitabstehender Charakter den Vorzug erhalten wird. Wir sind jetzt um so eher im Stande, eine solche Wahl zu treffen, als die kirchlichen Verhältnisse unserer Gemeinden bereits nach einem freisinnigen Statut organisirt sind und ein freisinniger helldenkender Oberrath die Oberleitung hat. Unser auch in weiteren Kreisen bekannter Dr. Marcus, das vorzüglichste Mitglied des ObcrrathS jüdischer Seits, hat von Anfang an ein versöhnendes Auftreten gewünscht, da dieses dem Charakter unserer Meklenburgischen Glaubensgenossen besser zusagt, und ich brauche es tvohl nicht erst zu sagen, daß unserem würdigen Schulrath Meyer und unserem wackern geheimen Kanzleirath Müller die Klagen der sich verletzt glaubenden Orthodoxen zuwider waren. Der Endtermin für die Besetzttilg ist Michaelis künftigeil Jahres und der lange Zeitraum bis dahin läßt erwarten, daß man mit der Wahl sich nicht beeilen wird. Oesterreich. Wien, 2. Deebr. Ich erlaube mir, Ihnen die Notiz rnitzutheilen, daß Dr. Goldentha 1 nunmehr ernstlich mit der Herausgabe des Ni ssim'scheu N5MQ beschäftigt ist. Er erscheint nicht bei Schmid, nicht bei Strauß, sondern in der k. k. Staatsdrnckerei, die auf Veranlassung der Bearbeitung der hebräischen Handschriften durch S. Deutsch und Albrecht Kr afft sich eiitschlosftn, die hebräischen Typen aller Gattungen anfertigen zu lassen, und wir können uns zu dieser neuen Erscheirlung gewiß Glück wünschen, und vielleicht knüpft sich eine Zukunft für die Editionen guter Werke der Literatur in diesem Institute. Einen ausführlichen Bericht werde ich Ihnen später zukommenlassen, und hier sei nur bemerkt, daß bei der Anfertigung der Typen das meiste Verdienst dem 52 *