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Der Orient · 1846-12-24 · Heft 52 (24.12.1846) · p. Seite 409

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 52 (24.12.1846)
Date
1846-12-24
Page
Seite 409 (sequence 3)
Language
German
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— 409 - beginnt aber von nun an eine neue Periode für den „Orient". Vor Mein wird er sein Augenmerk mehr nach Innen richten/ da die Emancipation theoretisch längst durchgckämpst ist, und nur wo die Abwehr unumgänglich., wird er seine Stimme für Menschenrecht und Freiheit erheben. Auf religiösem Gebiete sind Fragen Jute z. B. die über Mez-za, Synagogengcsang und Shnagogcnmusik, Rabbiner-Versammlungen u. s. w. langst erledigt und können einiger Hinkenden wegen dergleichen Themen nicht mehr berücksichtigt werden. Die Privatangelegenheiten einer Gemeinde gehören nicht vor das Forum der Ocffentlichkeit und können nur insofern Berücksichtigung finden, als sic einen Ring in der Kette der Entwickelung ausmachen. Um das neue Stadium mit wenigen Worten zn bezeichnen, so bemerken wir, daß das „Literaturblatt" der Geschichte im weitesten Sinne, der Altcrthumsknnde und der Kritik gewidmet ist und zwar mehr in Betreff des Zusammcnfasfens als der Einzelnheiten, und das Hauptblatt, unterstützt von neuen Korrespondenten, sich zumeist über die innern Angelegenheiten und besonders über die innern administrativen Gcmcindeverhältniffe verbreiten wird. Möge uns der -geehrte Leser wie bisher in der Uebcrzeugung folgen, daß wir keine Opfer schelten, um eine Erstarkung der religiösen, politischen, socialen und wissenschaftlichen Interessen der Inden herbeizuführen. Leipzig, 10. Deccmber 1846. 5 Per Redakteur und der Verleger. Deutschland. Krotoschirr, lO.Decbr. So vollkommen Recht Sie auch haben, jene um Persönlichkeiten sich bewegenden Korrespondenzen von hier ans zurückzuweisen, so verdient auch die Geißelung ist, die Sie unserer Rabbinenwahl zllgedacht, so glaube ich doch, daß mein Heutiger Bericht, insofern er ein Beitrag zur Kulturgeschichte abgiebt, einer Ausnahme gewürdigt werden wird. Doch nein, nicht zur Kulturgeschichte, sondern zur Geschichte der Unkultur, die ebenso gut der Erwähnung werth ist, -da Licht ohne Schatten nie ein vollständiges Bild abgiebt. Ich werde zuerst einfach refcriren und dann meine Betrachtungen, wenn Sie solche erlauben, als Lückenbüßer folgen lassen. — Nach einer bereits bekannten Aufschiebung kam endlich der letzte Termin zn unserer Nabbinenwahl, der 7. December heran, und ich gestehe, daß wir hier durchaus noch nicht so hochgebildet sind, um einem solchen Wahltage gleichgiltig entgegenznsehen. Für uns in der Provinz ist eine Rabbinenwahl noch eine Lebensfrage, da wir in einem modernen Rabbinen noch den Mittelpunkt unserer Weiterbildung sehen, und Breslau hat es bewiesen, .daß es auch besser gethan, wenn es der ersten Wahl vor acht Jahren ein größeres Gewicht beigelegt. Kurz wir waren auf die Wahl gespannt. Aber schon vor dem Termin schienen die Verhältnisse einen bedenklichen Charakter anzunehmen, indem nämlich die ruhige Besonnenheit zu fehlen schien. Herr Dr. Crakauer hatte die größere Masse durch seine begeisterten Predigten..gewonnen, die Begeisterung wurde zmn Enthusiasmus —- die Feinde Crakauers würden sagen zum Fanatismus — und diese große Masse wollte nur Dr. Cr. und sollst von keiner Wahl mehr wissen. Bei diesem Vorzustande schienen auch die übrigen für diese Stelle vorgeschlagenen Kalldidaten sich zuzurückzrrziehen. Dr. Gebhard, jetzt Rabbiner in Wreschen, lehnte es entschieden ab, nochmals zur Probepredigt zu erscheinen, was man, beiläufig gesagt, ihm schon früher verargt, und Hr. Fried mann in Breslau weigerte sich, seine Zeugnisse einzuschicken, was jeder Vernünftige auch nur billigte. Nun gab es hier eigentlich nur Allhänger voll zwei Aspiranten, nämlich von Crakau er, wozu die große Masse, und von dem gemüthlichen durchgebitdeten Dr. Rothschild, dessen Partei sich mit dem Namen der Intelligenten und Gebildeten belegt. Unter solchen Verhältnissen erschien der verhängnißvolle Wahltag. Unser La ll d r a t h, ein wackerer, einsichtsvoller und höchst rechtlicher Mann präsidirte, nannte der Versammlung die berechtigten Wahlkandidaten, und, zum Erstaunen der großen Masse, erklärte er, daß Hr. Dr. Crakau er von der Wahlliste ausgeschlossen sei. Die angegebenen Gründe waren Unvollständigkeit der Zeugllisse, wie Hatarat Horaa u. s. w., das Speciellere mag ich hier nicht erwähnen, da Sie es doch ohnehin streichen würden. Diese Erklärung des Hm. Landraths verursachte nach einem schnell vorübergegangenen Staunen ein solches Toben und'Lärmen, daß der würdige Beamte? genöthigt wurde, zehn Mann Militär aufzllbieten. Alle? Ermahnungen und Drohnngen blieben jedoch erfolglos. Die Freunde des Dr. Crakauer ließen sich nicht einschüchtern, durch zunehmendes Toben und 8ärmcn wurden sie schon längst über die Grenzen der Mäßigung gerückt, und als noch zwanzig Mann, kommandirt von drei Offi'cieren, geholt wurden, war es auch damit zn /spät, die Ruhe herznstelleu. Der HM Landrach erklärte zwar, er werde in jedem Falle den Wahlakt durchsetzen, und wenn er mich das ganze in der Stadt befindliche Militär anfbieten sollte, allein der bedenkliche aufgeregte Zustand der großen Masse ließ den Vorstand gleich einsehen, nur noch

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