Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 51 (17.12.1846)
- Date
- 1846-12-17
- Page
- Spalte 813-814 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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814 813 - Studien. Die Messrasidee im Judenthume. 1844, wo dieser Theil zum größten Theile als Probe gegeben ist. In der dritten Sektion über die Quellen finden wir eine kurze wohlgeordnete und geistvolle Charakteristik der bedeutendsten in das Thema einschlagenden Werke, die man mit "Vergnügen Liest. -Hervorzuheben ist besonders was der Herr Vers, über Maimüni's Jad ha-Chasaka bemerkenden er, bei aller verdienten Anerkennung seines hohen Wertheö doch darum tadelt, daß unter seinen schematisirenden Händen sich alles von irgend einein Autor zufällig hingeworfene, jedes Resultat der Spekulation, das nie für die Praxis bestimmt war, sofort zum Gesetz verhärtete, daher auch manche inhumane Gesetzesbestimmung bei ihm, die als solche me existirtez ferner daß er sein Weck so trocken, ohne Quellenangabe und Motive hingestellt und dadurch erst Veranlassung zu dem wurde, was er vorzüglich bekämpfte, nämlich zu allerlei spitzfindigen und hohlen Disputationen. — II. Von dem Begriffe der Messiasidee» (Fortsetzung.) Ueber den Namen des Messias (rptfD) haben wir als etwas allgemein Bekanntes nicht nöthig, etwas zu erklären. Rur das wollen wir anmerken, daß es nach dem Obigen ebenso verkehrt ist, den Messias ausschließlich als einen politischen König zu begreifen, wie seine Bedeutung nur als eine religiöse zu fassen; vielmehr ist in ihm die politische und religiöse Bedeutung nach den allgemeinen Principien des Iudenthums stehen zu lassen und nicht zu leugnen. Es ist insofern alles Religiöse, namentlich im Judenthum, nicht für die engste Beziehung auf Gott gedacht werden kann, auch beim Messias eine göttliche Beziehung nicht in Abrede zu stellen, und hätte die Göttlichkeit Christi noch diese Bedeutung, so wäre sie verständlich und nicht jeglicher Wurzel im Bereiche des Judenthums entbehrend. Man faßt im Christenthum das jüdische Königwie Priesterthum typisch, um von dem Messiasbegriffe jede politische Beziehung fern halten, aber es bleibt der Königsbegriff, der die politisch-nationale Seite der Messiasidee ausdrückt, so nicht nur ohne alle Bedeutung und findet. in der Geschichte gar kein entsprechendes Moment der Erfüllung, wie auch das Priesterthum, was wir später genauer erweisen werden, nach christlicher' Darstellung nur einer falschen paulinischen Auffassung der mosaischen Opferidee seine,Entstehung verdankt und ohne innerlich wahre Begründung von Außen hineingetragen ist. Dies ist das Allgemeine der Messiaslehre in ihren weitesten Umrissen. Als besondere Färbungen derselben erscheint z. B., daß bei Jeremias der Verfall als mit Israel, dem Volke, angefangen dargestellt, und somit auch die messianische Hoffnung als von ihm ausgehend und aus ihm beruhend gedacht wird, während nach Ezechiel der König den Verfall des Reiches verursacht, und deshalb ein solcher Israel auch erlösen wird. Diese besonderen Ideen und Färbungen der Messiaslehre werden wir im folgenden Kapitel vortragen und behandeln. n. Bon der Darstellung der Messiasidee. Es ist von Vielen behauptet worden, daß in der Messiasidee, selbst wie sie sich bei den Propheten dargestellt finde, eine Entwickelung ihres religiösen Inhalts bemerkbar sei, welche eben in ihrer höheren Vollkommenheit als eine universale Ausdehnung der israelitischen Gotteserkenntniß und -lehre auf alle Volker und Länder sich zeige. Diese Ansicht wurzelt in der negirenden Kritik unsers Zeitalters, welche die religiösen Ideen des Judenthums als von Anfang fertige und absolut vollkommene nicht gelten läßt, sondern dem Begriffe der Offenbarung entgegen in derselben einen historischen Fortschritt annimmt und sich ihren Inhalt als aus dem Bewußtsein des Menschen entwickelt denkt. Das Wahre ist, daß wirklich für die Wahrheiten der Religion ein Fortschritt und eine Entwickelung angenommen werden muß, insofern diese der Menschheit allmalig zum Bewußtsein kommen, diese sich dieselben erst aneignen muß. Aber dieses ist keine Entwickelung aus dem menschlichen Bewußtsein heraus, sondern welche innerhalb desselben vorgeht. Wie falsch jene Ansicht von der erst allmalig sich entwickelnden höheren Auffassung der Messiasidee und ihrer Ausbildung zu einem reinen, ideellen Humanismus ist, geht auch daraus hervor, daß von diesem Gesichtspunkte aus in der Darstellung der Messiasidee bei den Propheten eher ein Verfall, als eine stets steigende Entwickelung bemerkbar wird, indem der Gedanke einer universellen Ausbreitung der wahren Gotteslehre und Gotteserkenntniß viel deutlicher und bestimmter bei Jesaias, dem früheren Propheten, ausgeprägt erscheint, als bei den späteren, wo äußerer Umstände halber die politisch-nationale Seite der Messiasidee mehr in den Vordergrund tritt. Jesaias fängt (c. 2) mit der Schilderung der universellen Ausbreitung des Judenthums seine messianische Prophezeiung an. Es geschieht hier der Erwartung des n^D keine specielle Erwähnung, jedoch weisen der Inhalt der Weissagung, wie der einleitende Ausdruck D^n ^lHNn' bavauf. hin. In den spatern Tagen, heißt es, würde der Berg des Gottestempels, — als der Ort, von wo die Lehren des Iudenthums ausgehen, und bildliche Bezeichnung des letzteren selber, — höher fein, denn alle Berge, und es würden zu ihm Hinströmen alle Völker der Erde, zu dem bestimmten Zwecke, wie es im folgenden Verse heißt, die Lehren Gottes, seine Wege und Pfade kennen zu lernen und zu wandeln. Auch fehlen