Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 51 (17.12.1846)
- Date
- 1846-12-17
- Page
- Spalte 805-806 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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806 Studien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien. 805 früh schon von jüdischen Gemeinden bevölkert und Wohnsitze großer jüdischer Lehrer. 'Akiba ben Josef wanderte nach Neharde'a, um sich für jüdisches Kalenderwesen Raths zu erholen und empfing von einem dortigen Lehrer Nehemj a aus Be-Deli (Bet-Deli) noch anderweitige Belehrungen der Tradition * * * * 5); unter CH an anja, Brudersohn des Ieh oschua, hatte Pum-Badita bereits den besten Gerichtshof, den man allgemein rühmte 6 7); und wegen dieser uralten Wichtigkeit hieß diese Stadt sogar die Diaspora jca#’ z&piv (Gola), weil dort der Kern der nach Babel Exilirten sich angesiedeltFreilich kehrten Esra und Serubabel, diese zwei Säulen der Diaspora, mit einer bedeutenden Patriotenschaar in das alte Vaterland, nach Palästina zurück; der Tempel wurde wieder erbauet, und ein großer Senat (Keneset Hcr-Gedola) eingerichtet und eingesetzt. Aber bei allem Patriotismus kam doch das Edelste und Beste, was immer und immer dem wiedergewonnenen Vaterlande zu Theil wurde, nur aus Babylonien, wo immer noch viel Edles zurückblieb8 *). Der Sage nach soll schon Jechon ja, der König von Juda, als er 600 v. Ehr. nach Babylon, nebst einer großen Anzahl edler Juden, deportirt wurde, mit vielen Propheten nach Neharde^a gekommen sein, und in dessen Nähe, unter Mitbenutzung des geheiligten Materials von dem jerusalemischen .Tempel, eine Synagoge gegründet, die man Synagoge von Schafjatib genannt. Und kann man dieser Legende auch Leinen historischen Werth beilegen, so ist das hohe Alter dieser Synagoge doch schon daraus ersichtlich, daß man sie im zweiten Jahrhunderte (n. Chr.) für so heilig hielt, daß die 688, als die Herrschaft der Perser ihrem raschen Ende zueilte, brach über Pum-Badita oder A n.b.a r eine so furchtbare Katastrophe herein, daß die jüdische Hochschule geschlossen werden mußte und die Lehrer nach Firuz-Schabur sich zu flüchten genöthigt waren (Scherira 1. c. 38). Bei dieser Gelegenheit kam Pum-Badita immer mehr herunter, bis Abu'l 'AbbLs um 753 n. Chr., der erste Khalife der 'AbLäsiden, es als die Stadt Anbar zu seiner Residenz wählte und dadurch gleichsam als dessen Wiedererbauer angesehen wurde (Mhcmüma S. 465). Wahrscheinlich waren jedoch Pum- Wadita, Anbar, Felugia und Firuz-Schabur nicht eigentlich Eine Stadt, sondern eine Städtegruppe, die auf einem engen Gebiete zusammenlagen, wie aus der Vergleichung der betreffenden Stellen zu vermuthm ist» — Ueber dm Ramm Pum-Badita siehe weiter unten. 5) Jebam. 115 a, 122 a. — 6) Sanhedrin 32 b. Die richtige Lesart hat schon Iss. Berlin und El. Wilna, und sie stimmrauch mit Scherira (L. e. 25) überein.— 7) Sanh. 32 b, Raschi das., Rösch Ha-Schana 23 b, Kid- Luschm 72 a. — 8) Scherira 1. c. 33. Nach Kidd. 69 b und 71 b hat Esra das Land Babylonien von unedlen Geschlechtern gereinigt, indem er alles Unedle mit sich nach Palästina genommen. Palästina war gegen Babylonien wie ein aus. verschiedenen Bestandtheilen gemischter Teig d. h. es hatte keine unvermischte edle Geschlechter (Kidd» 1» c., Ketubot 111 a). — Schechina dort thronen dürfte '»). Eben so alt als diese königliche Synagoge, die an einem früh von Juden kolonisirten Orte Schafjatib gegründet wurde, scheint die, ein Ferseng davon entfernt angelegte Synagoge zu Hu za l, der man eine gleiche Heiligkeit zusprach und in deren Nähe die Schule des Schriftgelehrten Esra sich, der Sage nach, befunden haben soll 10). — Und seit Esra's denkwürdigen Zeiten sollen die zerstreuten großen Gemeinden der babylonischen Diaspora bereits ihre Exilarchen aus dem Hause David (Nasche Galuta) gehabt haben; .seit damals soll das Studium des Gesetzes mit glühendem Eifer betrieben worden sein, und wenn sie sich auch bis zum Tode Jehuda Ha-Nasi's (im Dec. 190 n. Chr.) blos mit Exilarchen begnügten, keine Rektoren der Hochschulen (Rasche Metibta) wählten und einsetzten, so geschah es doch nur, weil man die Nasi-Würde und das damit anfänglich verbunden gewesene Vorsteheramt der Schulen als einen Vorzug des heiligen Landes angesehen, da bekanntlich die Nasi's ursprünglich als die Präsidenten des Senats fungirt, keineswegs aber darum, weil etwa das Studium des Gesetzes in Babylonien geringer gewesen wäre^). Außer der sagenhaften Geschichte und der geschichtlichen Sage haben wir übrigens auch noch in dem großen nachexilischen Theile des heiligen Kanon's, der bekanntlich bis ungefähr 300 v.? Chr. hinabreicht, d. h. bis zum auftauchenden Einflüsse des griechischen Elements im Morgenlande, das Zeugniß und die Bestätigung, daß der in Schriftwerken thätige Geist der Israeliten auf babylonischem Boden seit dem Exile viel reger und thatiger war als in Palästina, und was bis 300 n. Chr. sich als bewährt in der Geschichte des Kanons herausgestellt, das Hat gewiß in gleicher Weise auch in den nachfolgenden Jahrhunderten, insofern keine Hemmniß weiter eingetreten, fortgewirkt, nämlich auch durch die geschichtlich dunkle Periode von 300 bis auf 32 v. Chr., obgleich.sich keine ausgeprägte babylonische Thätigkeit für diese 268 Jahre eshaltm^)» — (Fortsetzung folgt). 9) Ueber diese Synagoge vergl. Megilla 29 a, Rosch Ha-Schana 24 b, Nidda 13 a, Scherira 1. c. 33, Binj. Massa'-St 1. 69, wo Schafjatib als zwei Tagreisen von Sura angegeben ist. Daß Schafjatib der Name eines Ortes war, hat schon Raschi zu den Stellen richtig bemerkt. In diese Synagoge sollen Samuel und sein Vater Rab oder Abba Arekka beten gegangen sein, und es wird berichtet, daß dort die (persische) Königsstatue aufgestellt war, ohne daß es Jemandem eingefallen wäre, die Juden des Götzendienstes zu beschuldigen. Rosch Ha-Schana 1. o. 10) Kidd. a. a. O. Scherira I. c. 11) Scherira J. e. 33. 12) Von 585 v. Chr., als die letzte Deportation der Juden nach Babylonien stattgefunden, bis 536 v. Chr., als Cprus die Erlaubniß zur Rückkehr ins Vaterland ertheilte, entstanden bekanntlich in Babylonien die zahlreichen tröstenden Prophetien (Nechamot); mit 535, als unter Serubabel und Josüa die erste Heimkehr nach Palästina vor sich gegangen, bis herab auf 400 v. Chr. waren bekanntlich die heimkehren- 51 *