Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1846
- Issue
- 51 (17.12.1846)
- Date
- 1846-12-17
- Page
- Spalte 803-804 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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803 eiinherging. Die Juden in Spanien, in Maghreb, in Italien um 900 waren nur die Erben des jüdischen Geistes tmt> des Wissens in Babylonien, sie waren die Epigonen aller der Studien, die seit fast einem Jahrtausend vor ihnen an den Ufern des Eufcat sich entwickelt und herausgebildet, und diese Nachkömmlinge der jüdischen GeisteskuLLur in Babylonien, wenw sie auch Anfangspunkte einer neuen Epoche geworden, waren in der Thar doch nur die vollendeteren Träger und weiteren Ausbrldner dieses Wissens. Die jüdische Literatur in Babylonien ist die Vorstudie für die gesammle jüdische Literatur überhaupt; sie ist die Skizze, nach welcher der spätere auf verschiedenen Punkten der alten Welt prächtige Bau aufgeführt wurde. Aber der kunstvolle Bau ist ohne jenen Riß nicht zu begreifen, zumal manche Theile des Baues gar keine Weiterbildung gesunden und bis heute nur Skizze geblieben. Und wenn diese Vorstudie ein Jahrtausend umschließt, das man sonst dem Gespenste der Barberei und den Geistern der Verwilderung verfallen glaubte, so wird sich bei näherer Betrachtung Herausstellen, wieviel wir diesem Jahrtausend, zu verdanken haben, und wie trotz der schweren Leiden und unzähligen Hemmnisse der jüdische Geistauf dem Gebiete des idealen Schaffens eine Erhebung suchte. 3. In Babylonien-E) , nächste Palästina die zweite Heimath der Juden seit dem Exil unter Nebukadnezar, erstanden 1) Babylonien ist hier in dem Sinne genommen, in welchem es als 'Irük 'Arabi oder 'Jrük el-Babli die Grenzen viel weiter ausdehnte und einen Theil Mesopotamiens, wohin sich auch die jüdisch-babylonische Kultur erstreckte, emschloß. Was die Schriften über die jüdisch-babylonische Kultur anlangt, so ist vor Allem, namentlich für dst'spättalnmdische und gaonäische Periode, S ch e r i r a 's Sendschreiben oder Gutachten (Jggeret oder Teschubat R. Scherira Gaon) zu erwähnen, das als die vorzüglichste Quelle für die chronologischen Daten eines sechshundertjährigen Zeitraumes (400— 1000 n. Ehr.) in der Geschichte des jüdischen Schriftthums anzusehen ist. Scherira's literaturgeschichtliches Bescheid- Schreiben auf verschiedene Anfragen seiner Zeitgenossen ist das einzige merkwürdige Denkmal, welches über die große Periode seit der Befestigung der babylonischen Akademien bis zum Untergang des Gaonates uns eine Art Chronik liefert; und hat auch die mischnäisch-talmudische Periode aus Mischna, Barajta, Tosifta, Mechilta, Sifra, Sisre und Midraschim, aus dem palästinischen und babylonischen Talmud, noch die reichste Ausbeute zu erwarten, so wird doch das Bescheid- Schreiben Scherira's für die Zeit der Saboräer und Gaonim, wo er gerade, so weit seine Wissenslust und seine Quellen es zuließen, am Ausführlichsten ist, ssers die vorzüglichste Quelle und Gewähr bleiben. Es fehlt auch seinem literaturgeschichtlichen Berichte nicht an Notizen für die politischen Zustände der Israeliten im 'Jrük und in P ersi e n, und als Quellen seiner Angaben giebt er nicht nur die Überlieferungen von seinen Vorfahren an (Schema*anan min Rischonim), sondern auch fremde Gedenkbücher und Annalen (Sisre Sichronehem), die jetztnicht mehr existiren. Daß auch seine Quellen zuweilen nur sehr mangelhaft waren, gesteht er uns selbst, indem er im Verlaufe seiner Erzählung sagt, daß er bis 1000 der seleukidischen Acre, d. h. bis 688 n. Chr., die Gaonen- 804 bekanntlich schon frühzeitig Sitze der traditionalen Gelehrsamkeit und Hochschulen zur Heranbildung neuer Lehrer des Gesetzes. Die babylonischen Lehrer hatten lange Zeit vor Jehuda ha-Nasi bereits Mischna's, d. h. Lehrsätze der Tradition, welche das Gesetz erläuternd und gestaltend begleiteten, weit lange noch vor Auflösung des jüdischen Staats in babylonischen Hochschulen das Gesetz mit den Traditionen, als Komplex der damaligen jüdischen Theologie gelehrt wurde *)• Die Städte Neharde'a und Pum-Badita^) waren folge in Sora nicht vollständig angeben könne', und wir dürfen wohl seinen Worten trauen, wenn er diesen Mangel den Stürmen und Erschütterungen zuschreibt, welche über die Juden und ihre Hochschulen zuweilen hereingebrochen (Nafkata u-Triata), so daß die Schulhäupter oft heimathlos ümherirren mußten. Diests Bescheidschreiben Scherira's hatten wir bis jetzt in einer schlechten und namentlich im chronologischen Theile korrumpirten Recension im Juchasin abgedruckt, bis ein Pole, Hr. Berl Goldberg, vor Kurzem aus einer guten Handschrift einen neuen Abdruck in seinem zu Berlin 184b herausgegebenen Ctwfts Matmonim (worin verschiedene Gegenstände aus Handschriften abgedruckt) veranstaltet, nach welchem Abdrucke wir denn auch dieses Schreiben citiren. Ueber das als gute Quelle zu brauchende Seder Tan na'im wa-Amora 'rm, welches erst in der neuesten Zeit uns zugänglich geworden, werden wir weiter unten das Ausführliche geben. Noch haben wir zu erinnern, daß wir Juchasin nach der Krakauer, Seder ha-Dorot nach der Carlsruher Ausgabe citiren. 2) Scherira GA. (Goldberg'sche Ausgabe) S. 25. 3) Diese Stadt lag, auf der Grenze zwischen Babylonien und Mesopotamien in einer sehr fruchtbaren Gegend. Bei griechischen und lateinischen Schriftstellern hieß sie Naarda, Ne er da oderNeadra, bei den Syrern Vet-Nuharda, Be-Nuharda oder auch Nu har da, was aber nur Korrumptionen des Namens sind (Affem. B. O. II. p. 429. 459). Nach Josef in seinen Alten Geschichten (AG. 18, 9.1) war sie theils durch Mauern, theils durch den Eufrat fest, u. die Juden flohni dorthin, wie nach Nisi bis, in Zeiten der großen Gefahren. Bei der Ausbreitung des syrischen Christenthums war dort ein Bischofssitz, welcher dem Metropolitan von Adiabene, später dem von Mosul unterworfen war (Assem.!. c.). 4) Diese Stadt beschreibt Bin ja min von Tu d ela (Maffa^ot cd. London I, 53), als zwei Lagreisen von KLrkissijja (Karkemisch, am Einflüsse des Chaboras in den Eufrat) entfernt, und soll zu seiner Zeit den Namen el- Jubar geführt haben und noch von 2000 Juden bewohnt gewesen sein. An einer anderen Stelle (das. I. 69) soll diese Stadt Jlgabr geheißen und 3000 jüd. Einwohner gehabt haben. Da aber der Asher'sche Text hier, schon wegen des zweifachen Widerspruchs, offenbar korrumpirt ist, und in Betracht, daß in der altern Ausgabe El nbar steht, wie auch alle spatere Citatoren gelesen, so ist wohl kaum zu bezweifeln, daß die Stadt Enbar oder An bar gemeint sei, die in der Thal am östlichen Ufer des Eufrat liegt, und wirklich ungefähr zwei Tagereisen von Kirkissijja entfernt ist. Nach M'DonaLd Kinneir soll Enbar oder Anbar das alte Perijabor (Firuz - Schabur) sein, welches in der Geschichte der Kriege Julians' als die zweite Stadt Assyriens erwähnt wird, und das jetzige Felugia, wo die nach Kerbela wallfahrenden Pilger über den Eufrat gehen. Im Jahre Studien. Geschichte der jüd. Literatur in Babylonien.