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Der Orient · 1846-12-17 · Heft 51 (17.12.1846) · p. Seite 401

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 51 (17.12.1846)
Date
1846-12-17
Page
Seite 401 (sequence 9)
Language
German
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401 Jahre ruhig hipnehmen und der allerletzte sein, der sich an dem Gnadenakt seiner Maj. zu erfreuen haben soll. — Ich möchte nur fragen, wenn 200 arme hart bedrängte Inden ein Bittgesuch bei seiner Majestät einreichen und vor: den Wohlthaten des Steuernachtasses etwas für sich beansprecheu würden, wer wagt zu denken, daß unser allergnädigste Monarch antworten wurde: Nicht euch, sondern einzig und allein nur den Wohlhabenden will ich den Steucruachlaß gestattet haben", imb dennoch wagt in an so einen hartherzigen Beschluß? ist man so kühn unsenn gerechtenbewunderten Kaiser einen solchen Sinn, eigentlich Unsinn unterzuschiebcn? ist dies kein Vergehen an der schuldigen Achtung? kann es ein größeres physisches unb moralisches Unrecht geben? Womit aber glauben Sie, daß diese Judenvcrtreter ibr Gewissen ciuschläfern und dies hiulmelschreiende Unrecht beschönigen? Vor Allem muß die Vermögenssteuer getilgt sein, damit der Jude über seine Habseligkeiten frei und offen testiren köllne, sagen sie d. h. kommentiren sie. — Der Arme soll nur noch einige Jahre darben und sich des Fleischessens enthalten, damit der Wohlhabende desto llngestorter das Leben in vollen Zügen schlürfen und in der Todesstunde ohtre die geringste Beunruhigung testiren könne, ist das religiös, moralisch oder menschlich? und eine so drückende Bürde wollen diese Herren auf ihrem Gewissen übernehmen, vor Gott und Merlscheu rechtfertigen? Freilich ist's leichter zu tadeln als zn verbessern und gewiß es sind Hindernisse da, die sich nicht ohne Mühe und Opfer aus dem Wege räumen lassen. Isis aber nicht ein süßerer Genuß, von seinem Vermögen den Armen reichen, als sich seiner Steuerabgaben vom Armen erleichtern lassen? Mau gestatte mir die bescheidene Frage, ob die um Steuernachlaß so oft petitiontrendcn böhmischen Juden vor Jahren nicht mit 1000 und 1000 Dank die Verpflichtung übernommen hätten, daß alle Steuerpflichtigen, nebst ihren Vermögens- und Znschußabgabe auch hinsichtlich der Fleischtaxe sich Pauschalien sollen, um dadurch den Nichtsteuerpslichtigen folglich den, der wenig oder gar nichts besitzt, ganz zu befreien, hätten sie nicht sehr freudig diese Bedingung erfüllt, um nur gewiß zu sein, daß sie nach 7 Jahren dieser Last selbst befreit sein werden? und nun wollen sie von Steuernachlaß den Armen nicht eher etwas genießen lassen, bis sie erst selbst das Fleisch und das Mark verzehrt haben, sodann werden sie so gnädig sein, dem Hungrigen den leeren Knochen zuzuwersen. Aus Mährer, 4. Dee. Trotz der geographischen und statistischen Kenntnisse ist man gewöhnt, Mähren au das Ende der Welt zu versetzen und die Bewohner desselben für lauter Säuglinge der Cnltur zu halten. Besonders ist Norddeutschland sehr geneigt, gigantische Vorstellungen von seiner eigenen Bildung zn haben und Mähren sich als ein ultima Thüle zu denken. Dies könnte uns ganz gleichgiltig sein, wenn das Worurtheil in dm Landen des Liberalismus auf das Landrabbinat nicht influirm dürfte. „Bedauernswerther Hirsche — werden viele, in dem Eden ihrer imaginären Größe schwelgenden Helden norddeutscher Aufklärung ausrusen — ,, der du die Stätte der Freiheit, der Aufklärung verlassest, um in ein Land zu ziehen —- das auch seine Juden nicht emancipirt und auch seine Ccnsur hatl" Daß Viele so denken und ausrusen werden, liegt wohl auf der Hand; daß Alle aber sich tauschen, liegt aber auch außer allem Zweifel. Mähren zeichnet aus: Empfänglichkeit für alles Gute, die in Norddentschland in Blasirtheit umgeschlagen ist; Begeisterung für das Judenthum , die in andern Ländern zum Judifferentismus herabgesunken ist; jüdisches Wissen, das anderswo zum Schattenbilde geworden. Sollte der Gradmesser der Kultur die Frivolität und Witzelei in religiösen Angelegenheiten sein, so hat Mähren auch ein Häuflein echt aufgeklärter Juden.- Alles Ernsts aber bietet Mähren den dankbarsten Boden für einen geschickten und umsichtigem Bearbeiter. Das Landrabbinat ist aber, nächst dem Londoner Rabbinat, die zweite richtige Stelle der Judeuheit in Betreff des sich darbietenden Wirkungskreises. Es ist kein Landrabbinat nach norddeutschem Style, nach welchem 50 Familien die größte Gemeinde bilden, sondern ein mehre tausend Familien umfassendes, dessen Repräsentant als 6. k. Beamter sungirt. Die Zukunft wird lehren, daß Hirsch auf eine großartige und lohnende Weise in Diahren wirken werde. Vroßnitz, 1. Dee. Der würdigste mährische Rabbiner, Hr. Fasset wird gar nicht als Konkurrent in der Bewerbung deö Landrabbinats auftreten; ja Hr. Rabbiner Fasset ist aus einem Gegner, ein Freund Hirsches in einem gewissen Sinne geworden, und wenn wir gut unterrichtet sind, gehört unser Rabbiner unter diejenigen, die Hirsch auf dem Landrabbinatsstuhl wünschen. Ein schönes Zeuguiß für FassestS längst anerkannte Bestreben, Mähren in jeder Beziehung zu heben und zu fördern. Vereint könnten Hirsch und Fasset Manches iu's Leben rufen, was der Zersplitterung der einzelnen Kräfte nicht gelingen will. — Das Lokalrabbinat Gewitsch wird allem Anscheine nach durch Hrn. Schmiedl besetzt werden. — Der Vorstand in Nikolsbnrg denkt nun alles Ernstes daran, Hirsch bald als seinen und Mährens Rabbiner zu begrüßen. Großbritannien» London, 6. März. (Schluß.) Nr. 9. Herr Goldsmid an rev. Dr. Adler. 8. Januar 1646. Hochwürdigster Herr. Ihren Brief vom 24. December habe ich einer

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