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Der Orient · 1846-12-17 · Heft 51 (17.12.1846) · p. Seite 400

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 51 (17.12.1846)
Date
1846-12-17
Page
Seite 400 (sequence 7)
Language
German
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400 daß es uns beikommen sollte, auch hierauf dieselben naher einzugehen Wir kehren daher, wenn gleich mit Widerwillen, wieder zu mlserm Heerd zurück. Am vorletzten Sabbat (n^i 'd) hatten wir hier schon wieder einmal das, große Vergnügen, einen in jüngster Zeit so berühmt gewordenen Herrn Dr. und Prediger, in unserer Brüderschule das Wort Gottes verkünden zu hören. Wir fürchten unsere Leser allzusehr zu. ennüyren, wollten wir eine getreue Skizze von dem fast zwei Stunden langen Vortrag hier austischen, weshalb wir uns darauf beschränken, nur einige Züge wiederzngeben. — Mit gewaltigem Pathos wurden die Patriarchen aus ihren Gräbern heraufbeschworen- und 'dem kranken und schwanken Judcnthume der Gegenwart als Muster hingestellt. Viel, ach gar sehr viel wurde geschwatzt von einem Geiste des Judenthnms, Geiste der Religion, Geiste des Glaubens re. und bei dieser Gelegenheit der Traum Jakobs, und besonders die darin verkommenden Steine, aufs modernste, i. v. aufs freisinnigste, explicirt. Midraschim und Agada's hat es geregnet, und Phrasen'') sind wie vom Wind getriebene Schneeflocken8) umhergeflogen. Die Jakobsleiter wurde fast zu Tode geklettert. Bald sahen wir den Redner, hoch oben auf -der letzten Sprosse, mit dem Kopfe schon in die Region des Göttlichen hineinragend, und glaubten nun, bald gar Nichts mehr von ihm wahrzunehmen, auf einmal kam er wieder hemntergeprrrzelt, fiel auf die Erde und hatte Mühe, ach gar gewaltige Mühe, sich wieder auf die Beine zu bringen. Und dieses possirliche Schauspiel des Steigens und Fatlens, cs währte, wie gesagt, beinahe zwei Stunden lang, und wo der geschickte Turner am Ende stehen geblieben, ob oben, ob unten, ob mitten drinnen,, wir Wissens nicht genau anzugeben; doch will uns das Letzte als das Wahrscheinlichste Vorkommen ^). Milten drinnen bleiben alle sogenannten modernen Prediger stehen, und wenn sie noch , so lange deklamirt, räsonnirt und gcstiknlirt haben; mitten drinnen stehen bleibt das Publikum, und wenn es noch so geduldig zugehört hat. Man wird nach und nach in ein Labyrinth von Fragen und Widersprüchen hineingeführt, und die, so uns dort hineinführeu, sie wissen sich dergestalt hinter Phrasen und schönen Redensarten zu verschanzen, daß man durchaus nicht weiß, wo 7) Der Kuriosität wegen mögen hier^ einige derselben ihren Platz finden: „Wo Freiheiten sind, da giebts keine Freiheit — wo Gesetze find, da giedt es kein Gesetz — wo Vollkommenheit rc." Ferner: „der Geist erniedrigt dich zum Sünder, die Erde erhebt dich zu Gott". — „Nichts als todce Steine sind unsere Zeremonien rc." — 8) Wenn auch nicht so krystattisirt. 9) Unser Nachbar war nicht dieser Ansicht, er meinte vielmehr, der würdige Redner wäre zuletzt mit einem Fuß im Himmel und mit dem andern auf der Erde stehen geblieben, wie dies oft geschieht inan ihn am sichersten fassen könnte. Und das nennt man das Volk belehren. — und das nennt man das Wort Gottes verkünden! -rllnb von hier ging der Redner nach Krotoschin, um dort — Nab biner zu w erden. — Du lachst, lieber Leser, und ahnst nicht, daß, während wir dies niederschreiben, dieser vielleicht schon den Sieg über seine Mitbewerber*) davougetragen und in Kr. zum Rabbiner, und Prediger ernannt worden? Von dort kommende Reisende erzählen, das Hotel, in welchem dieser Herr abgestiegen, sei an dem Abend seiner Ankunft fast erstürmt worden; Alles drängte sich hin, um den Wttndermann von Angesicht zu Angesicht zu sehen re. So weit gehe der Enthusiasmus seiner Anhänger, und zu dieser Partei gehöre der größe Theil jener Gemeinde. —. Was incm doch Alles erlebt! Wir enthalten uns hier aller Reflexionen, es dem Leser überlassend, nach seiner Weift welche anfzufinden. W. Oesterreich. Prag, im Dccbr. (Die Pächter oder Vertreter der I u d c n st e u e r a u g e t e g e n h c i t e n in Böhmen.) Sie wissen wohl, daß die Judensteuer in Vermögen-, Zuschuß- und Verzehrungssteuer bezahlt wird, nachdem aber durch 7 Jahre jedes Jahr \ weniger gezahlt werden soll, um sonach in 7 Jahren ganz aufzuhören, wurde die Steuerdirektion gutachtlich befragt, welcher dieser verschiedenen Klassen von Jndensteuer der Nachlaß früher zu statten kommen soll — welche hat erst'oder später aufzuhören; es.wurden-mehrere Sitzungen gehalten unb 2 sogar unterm Vorsitz des Fürsten Lobkowitz als jüdischen Gubernialreserenten, wobei berathen wurde, wie es zu ermöglichen wäre, daß einzelne Personen oder Gemeinden sich sogleich für immer von der Steuer loskaufen können — nach dem Beispiel der ungarischen Juden, ob man statt in. 7 Jahren nicht schon in 3—4 Jahren den Betrag abtragen könnte, —- ferner woher man dem zu entlassenden Beamtenpersonal ihre Pensionen bezahlen soll und dergleichen mehr doch alles das will ich nicht besprechen, ich will nur das Einzige rügen und geißeln , daß der Beschluß gefaßt wurde — die Verzehrungssteuer oder Fleischtaxe soll am längsten bestehen und das letzte sein was aufzuhören habe. — Der Bettler, der Hausirer, der die ganze Woche sein Brod nur mit Angst und Schweißtropfen befeuchtet, wenn er sich am Samstag gütlich ihm: und 1 Pfund! Fleisch genießen will, soll so eine hohe Taxe noch 6 *) Mit dieser Korrespondenz hält die Redaktion die langweilige Debatte über das Rabbinat in Krotoschin für erledigt. Die Privatvergnügungen der Gemeinden können die Oeffentlichkeit wenig inreressiren. Dies zur Notiz für fernere Korrespondenzen. Red. i

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