Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1846)
- Date
- 1846-12-10
- Page
- Seite 394 (sequence 11)
- Language
- German
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394 der ErkennMiß seiner selbst befangen gehalten werde; und endlich auch eben so zuzugestehen sei, daß der Geist frei von der Sinnlichkeit, abgestreift von seiner Hülle, nicht der Erfahrung, der Beobachtung bedürfe, um zur Erkenntniß erst zu gelangen, wie dies beim in seiner Hülle eingehüllten Geiste erforderlich sei; daher aber auch beigepflichtet werden würde, daß der Geist des KindeZ doch wohl kein anderer als der Geist des Erwachsenen wäre, und nur die Verhältnisse des Organismus des menschlichen Geistes-Geaußerten, des Körpers, die Hinderungsursache abgeben, daß des Kindes Geist nicht die Erkenntniß, Einsicht des Mannes, oder des Erwachsenen Geistes habe, — so möchte es doch nicht zu bestreiten sein, folglich, da eben Geschichte nur die Aufzeichnung, ZusammenstellungZusammenfassung der Erfahrungen, Beobachtungen, der Begebenheit zu, und in gewissen Zeitkäufen sei, der Geist derer wohl wahrlich zur Erkenntniß 'zu gelangen, wie des freien Geistes, oder überhaupt des Geistes Erkenntniß, durch hoffentlich der Vernunft nicht zuwider hier gezeigt worden,— nicht bedürfen. — Und deswegen hätte Hr. Neuen haus, der den Einfluß der Geschichte nicht so unbedingt auf den Geist, als Geist betrachtet, einzuräumen, nicht unrecht. — Es möchte aber endlich wohl unstreitig ^am schwierigsten wohl sein einzusehn, wie nach Hrn. Schwarz's Ansicht: „der Geist erst allmalig zum Bewußtsein gelange, was er wolle." — Denn, wiewohl wie hier wiederholentlich gezeigt ward, zwar des Menschen Geist, als solcher, in seiner Hülle namentlich befangener, erst allmälig zum Bewußtsein gelange, so werde doch Niemand wohl dies vom freien, vom irdischen entfesselten Geiste behaupten. — Betrachtet man aber auch die Hauptpfeiler der Religion der gebildeten Völker, und zwar in ihrer ursprünglichen Reinheit, also so, wie der Mosaismus den Begriff der Gottheit, — wie hier nachgewiesen, — aufstelle, so würde doch wahrlich nicht zu leugnen sein, „daß derselbe der Vernunft am Zusprechenden mithin wohl schwerlich der Veränderung und Umwandlung unterworfen sei," beigestimmt werden möchte; — denn wir möchten den sehn, aber nicht mit ihm, aufrichtig zu gestehn, würden wir umgehen wollen, der mit einem solchen Bilde, Ln den kleinsten Rahmen gezwängt, als Mosche durch die Bezeichnung der Gottheit, mit dem Ausdrucke (Ehest,) Sein, dargiebt, ein solcher AUblick in das Gesammtall gewährend zu verändern, zu verbessern gar unternehmen wollte. — Demnach eigentlich der, da in der Religion der Israeliten bekanntlich, nach dem Verluste der Selbstständigkeit des Volkes, der Gottesdienst nicht mehr, in Opferung^ besteht, und auch diese, durch Mosche selbst zu üben, lediglich in dev anheimstellenden Anordnung, nicht der gebietenden, wie die Arten der Opfer, die, wenn Jemand opfern wolle, darbringen nur könne, vorschreibe, folglich wie noch gegenwärtig in Gebeten geordnet sei, so würde auch der Gottesdienst, wie die Religion selbst, jemehr derselbe der Vernunft am Gemäßesten wäre, gleichfalls nicht so leicht der Ver-, und Umwandlungen unterworfen sein. Sonach könnte man nun aber mit völligem Fuge und Rechte, Herrn Ne uenhaus beistimmen, „daß durch Wislicenus ja Nichts abgeändert worden, und deswegen nicht gut abzusehen sei, weswegen Trennung von der Kirche, und abgesehen von den bisherigen Satzungen nothwendig wäre;" —. wenn wir nicht durch Herrn Schwarz eines Bessern belehrt würden. — Denn nicht Geringes hat Wisli cenus bewirkt, man höre nur auf welche Höhe, auf welche Erhabenheit, durch den Gang der Geschichte sich der Gottgeist gestellt habe, und sonach zum Bewußtsein dessen, was er denn nun eigentlich wirklich wolle, gelangt sei, „nämlich dahin, daß man die Wunder des sogenannten alten Testamentes und der des Neuen nicht mehr glaubet".'! -- Der Mosaismus aber, wie erwiesen, gebietet ja nirgends den Glauben, sondern fordert ausdrücklich das Erkennen, daher derselbe nicht als Glaubens-, sondern als Erkenntniß-Lehre sich dargebe; aber selbst auch die Wunder des Alten Testaments, zu desien Verständniß bekanntlich eben nothwendig ist, sich in die Gemüthsbeschaffenheit des Orientalen zu versetzen, der selbst geringe Dinge, die er behandelt, um sie hervorzuheben, der Bilder sich bedient, um wie mehr also bei den wichtigsten, ehrfurchtgebietesten Dingen'ist es zu verwundern, daß der Morgenländer in Bildersprache seine Gedanken hülle, tragen eben diese so verrufenen Wunder das Gepräge des Natürlichen an ihrer Stirne. — Denn nur eben die, von Hrn. Schwarz hervorgehobenen betrachtet, so möchte es wohl Niemanden doch einfallen, der weiß, daß selbst'im hohen Norden, im höchsten Sommer, die Sonne am Firmamente nie unterzugehen scheine, und nun vornehmlich in jenen herrlichen Gefilden des Morgenlandes, den Stillstand der Sonne beim Iehoschua, so auffallend zu finden; oder daß Blleam's Esel rede, wenn man erwägt , daß Bileam ganz seinem Stande, seinen Verhältnissen, seiner Ehre entgegen handeln sollte, nämlich seinem Volke fluchen, statt es zu segnen, daß die ungewohnte plötzliche Störrigkeit seines Esels, die ihm Muße gab, seine Lage zu bedenken, nicht auf den Gedanken ihn bringen sollte, dies Ereigniß, als Fingerzeig Gottes anzusehn, undnaäss morgenländischer Weise, jene zu Gemütheführung, unter dem Bilde des sprechenden Esels aufzuführen. — Am Sprechendsten, wie sehr die alttestamentlichen Wunder das Gepräge des Natürlichen aufgedrückt haben, zeigt sich dies aber bei dem größten der so bezeichneten Wunder in Egypten, namentlich der Erschlagung aller Erstgeburt , weil den Kindern Israel befohlen wurde, am Abend des Paschahfestes, die Pfosten ihrer Thüren mir Blut zu besprengen, damit, wenn zur Zeit der Nacht der Bote des Todes norüberzkehe, wisie, wo Israelit und wo Egypter wohnen! — Eben so wenig aber endlich gebietet das neue Testament: den Glauben an Wunder, welche freilich nicht zu erklären und zu deuten wären, — sondern nur: den Glauben, daß Jesus, durch Umschattung die zehn Gebote mitIehova's Fittigen leiblich gezeugter Sohn sei; aber diesen Glauben haben wenigstens bis jetzt noch nicht so deutlich Wislicenus und Ue-