Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1846)
- Date
- 1846-12-10
- Page
- Seite 391 (sequence 5)
- Language
- German
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391 zu klassisieiren und das eigene Land an die Spitze zu stellen. Ja, Viele machen sich kein Gewissen daraus, den ganzen österreichischen Kaiserstaat in Bann zu legen. Es ist in der That ein'Glück für die österreichischen Juden, daß kein norddeutscher Jude den österreichischen Thron einnimmt. Ein norddeutscher Jude würde gewiß den österreichischen Juden die Universitäten verschließen und sie nöthigen, sich durch ein Abzeichen von dem auserwählten Volke Norddentschlands zu unterscheiden. Es ist allerdings wahr, daß auch in Oesterreich Vorurtheile gegen Norddeutschland herrschen. So wird z. B. behauptet, viele norddeutsche Rabbiner seien in der Romanliteratur heimischer als auf dem Felde der jüdischen Wissenschaft; allein solche Vorurtheile werden bald entkräftet. Eingestehen muß aber jeder Unparteiische, daß Diahren und das Herzogthum Posen noch der, Sitz des Talmudstudinms, und daß beide Länder das Vaterland der meisten jüdischen Gelehrten unserer Zeit sind. Kein Zunftstolz und kein Kastengeist! Wenn die Inden halbe Kosmopoliten sind, so mögen sie ihren Kosmopotitismus an sich selbst beweisen und nicht Jemandelt lieblos beurtheilen, weil er die Hannaken früher als dieNante's kennen lernte, oder weil er anstatt ein Nachbar der Elbe oder Spree zu sein, in den freien und gesunden Gegenden der altert Moravia lustwandelt. Wer ist Galiläer und wer Palästiner? Aus Wahren, 29. Nvbr. Ein Land, das z w e i u n d f ü n fz i g jüdische Gemeinden, 5400 Familien und mehr denn 30,000 Individuen zählt, geht damit um, ein religiöses Oberhaupt zu wählen. Daß dies die richtigste Angelegenheit ist, welche die mährischen Inden gegenwärtig beschäftigt, wird von Jedermann zngcstanden werden. Das Wohl und Wehe der Zukunft hängt von der glücklichen oder unglücklichen Wahl ab. Die mährischen Juden scheinen aber die Wichtigkeit in ihrem, vollen Umfange nicht anzuerkennen. Würden sie von der Wichtigkeit dieser Frage votlkonunen durchdrungen sein , so könnten sie nicht, leichtsinnig genug, jedes Rabbinerchen, das in den vier Wänden seiner Gemeinde für ein luinen wuucli gilt, als wählbar anerkennen. Es muß aber eine heilige Aufgabe für die jüdische TageSpresse sein, auf die Gefahren, mit denen diese Angelegenheit verbunden ist, aufmerksam zu machen. Vor Allein ist zu befürchten, daß die Bestechung die Augen der Thoren blenden werde. Wie bei Lokalrabbinaten die Bestechung eine Hauptrolle spielt, so könnte es auch bei dieser heiligen Sache der Fall sein. Einige Tausend Gulden in die Wagschaale der Wahl geworfen — und Hr. 3c. ist der verdicustreichste und Mährens schöne Hoffnungen sind vernichtet^ , Die Demmciation könnte auch' als tragische Person in diesem Drama fignriren. Wir sind nämlich nach reiflicher Uebcrlegung überzeugt, daß Hirsch allein segensreich in Mähren wirken könnte» Wie es nun m einigen preußischen Gemeinden der Fall war, daß Denuncianten mährische Rabbiner als Ausländer zu verdrängen wußten, so könnte man auch in Mähren in die Fußtapfen des gebildeten Preußen treten und alle Kabbalen spinnen, um irgend ein unbekanntes großes Licht, das zufällig ein Mährer ist, als dämmernde Leuchte des ganzen Landes hinzustellen. Allein weder das Eine noch das Andere sollte hier Platz finden, wo cs sich um den Lebensnerv Mährens handelt. Die Rabbiner selbst, wenn sie es redlich mit dem Wohle Mährens meinen, müßten sich einstimmig für Hirsch erklären, an dem sie ein treffliches Muster haben dürften. Es muß ein Mann an die Spitze des Landes treten, der stch nicht in dem beschränkten Kreise der Provinz bewegt, der vielmehr reifere und gebildetere Lebensanschauungen bei der Leitung des Landes geltend macht. Wer die Zustände Mährens mit denen Deutschlands vergleichen kann, wird zur Ueberzeugung gelangen, daß H ir sch das Losungswort in diesem Jntriguenkampfe sein müsse. ,,Der Wahn ist kurz, die Reue lang", daran mahnen wir Mähren. Frankreich. Leipzig, im Novbr. Die Zahl der jüdischen Journale vermehrt sich mit jedem Jahre. Die „Revue Orient ule", „Arcliives israeiiLes“ und der „Univers israeliles" haben einen neuen Genossen an der Monatsschrift ,sia Paix“ erhalten. Der Titel dieser Monatsschrift lautet vollständig: La Paix. Revue religieuse, morale et litteraire par une societe <!Rommes de letlres sous la direclion de A. Ben B arucli (Ci'ehange), auleur de la semaiue israelite. Mit dcm Motto Ps. 122, 7: nbw Der Preis deö Jahrgangs ist auf 14 Fr. für das Ausland fcstgcsttzt. Sollen wir die drei in den Maliern der Weltstadt erscheinenden Zeitschriften charakterisiren, so repräscniirt Cahen's Blatt den reißende Fortschritt, B l och's die gemäßigte und Cr eh an g er'S die friedliche Reform. Indessen ist das neue Blatt: der Friede mehr für das Volk berechnet und scheint ein französisches ,,Sabbatblatt" zu werden. Für die Kultur der jüdischen Franzosen ist es ein schönes Zcngniß, daß die Journalistik immer großem Boden unter denselben gewinnt. Die Journalistik ist ein Kind der modernen jüdischen Kultur, das eine Umwälzung der Anschau «gen hervorbrachte. Sie ist, was die Franzosen nennen, ein kalt accompli und es ist ein lächerlicher Zopf, wenn sie der Egoismus der jüdischen Gelehrtenznnft nicht anerkennen will» Das erste Heft der neuen Monatsschrift enthält: 1) Programm; 2) Worte eines französischen Juden an die auswärtigen Regenten. 3) .Erklärung von den Sprüchen der Vater; 4) Die religiöse Presse; 5) Rabbi Amuou; 5) Mira, eine Novelle; 6) Alexander der Große, eine Legende; 7) Briefe eines Israeliten in 50 *