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Der Orient · 1846-12-10 · Heft 50 (10.12.1846) · p. Seite 390

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 50 (10.12.1846)
Date
1846-12-10
Page
Seite 390 (sequence 3)
Language
German
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390 richtet hat. Die Anhänger der monarchischen Verfassung werden einen Akt gut heißen, der ihr einen neuen Glanz verleiht. Die Volker, welche sich selbst regieren, werden anerkennen müssen, daß man eine Krone tragen und doch das Glück seiner Unterthanen befördern kann". — Möchten diese Worte eines begeisterten Franzosen einen lauten Nachklang in den deutschen Gauen, in den Palästen der Gesetzgeber und iw den berachenden Kammern finden l Aus Schleswig, im Nov. Seit einigen Monaten sind die Herzogthümer Schleswig-Holstein der Mittelpunkt aller patriotisch - deiltsche» Gespräche, es ist ein allgemeines Gefühl, daß sie zum deutschen Leben gehören, wie die allgemeine Entrüstnng über den KönigSbrief bewiesen, und auch die Judenfrage in diesen Herzogthümern, verdient als eine längst allerkannte deutsche Frage eine allgemeine Beachtung. Die Besprechung dieser Frage ist nur so zeitgemäßer, als gerade jetzt die Stände dieser- Herzogthümer zusamruenkommeri, um Deiltschland zu beweisen, ob sie der Sympathieen Werth sind, die sie gefunden, ob sie wirklich mit jenem Kranze des Liberalisulus geschmückt sind, der da zur Opposition gegen absolutistische Uebergriffe berechtigt. Bis jetzt waren die Stände jedoch nicht liberal; ihr vorgeblicher Liberalismus war einseitig und in der Judenfrage zeigte er sich so abgeschmackt, daß er eher Widerwillen als Sympathien zu erregen vermochte. Der Liberalismus, welcher in den Menschen tvcder den Katholiken noch den Protestanten, weder den Juden noch den Adeligen sieht, sondern nur den Menschen, ist im Kreise unserer schleswig'schen Stände noch etwas ganz Unbekanntes, imb gerade hier zeigte sich die seltsame Erscheinung, daß der König von Dänemark in jeder Beziehung liberaler war als seine Stände in Schleswig. Als er den Juden in vorigen Versammlungen, wenn auch nicht die ganzen Menschenrechte doch wenigstens eine größere Freiheit eiugeräumt wissen wollte, da waren es die Stände, welche eine partielle Freiheit für sich wünschten , um andere auszuschließen. Der König war liberaler als seine Stände in Itzehoe und Schleswig, und eben weil er liberaler ist, werden die Stände nie eine dauernde Sympathie gewinnen. Als int Jahre 1844 der Entwurf über Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht ihnen vorgelegt wurde, konnten sie sich nicht entschließen, die Juden ausdrücklich mitzn begreifen, und da dieser Entwurf wieder vorliegt, so werden wir sehen, wie sie jetzt beschließen, ohne daß wir gerade etwas erwarten. Es liegt ihnen jetzt ebenfalls eine Städteordnung vor, wie auch der Entwurf einer neuenKommnnalordnung, wo die Stände, wenn sie wirklich liberal wären, eine gute Gelegenheit denselben zu zeigen hätten. Vorzüglich da diese Entwürfe mit der Klausel begleitet sind: ,,Hinsichtlich der Bekenner des mosaischen Glaubens behält cs bis weiter bei den bisherigen Verordnungen sein Bewenden". Aber, wie gesagt, wir erwarten nichts von diesem einseitigen Liberalismus, der nur darum eine freie Bewegung verlangt, um desto leichter Andere knechten zu können. Altona, 24. Novbr. Alls die Uebcrsendnng der Adresse Altonaer Israeliten an die zweite Kammer der baden'schen Ständcvcrsammlung, ist ... vom Gcheimralh Mittcrmaier eine Antwort aus Heidelberg vom 15. Nevember emgegangen, worin er unter Andern sagt: ,,Jch habe mich sehr gefreut, daß unsere Kammer, nachdem sie 1831 sich gegen die Anerkennung des Grundsatzes der Gleichheit der Israeliten sträubte, 1846 endlich des ausgesprochen hat, was lange schon hätte geschehen sollen. Ich habe nie begreifen können, daß ein StaatBürger, die alle Pflichten wie ihre Mitbürger erfüllen müssen, von Rechten blos wegen der Religion ausschließt. Die Beobachtung der Zustände in Ländern, in denen die Israeliten alle Rechte genießen, hat mich belehrt, daß keine Gefahr den Christen ans der Gleichstellung droht". Oesterreich. Wien, 30. Nvbr. Aus zuverlässiger Quelle können wir mittheilen, daß Hr. Dr. Mannheimer, dessen Einfluß in Mahren sehr bedeutend ist, sich fiir die Berufung des Landrabbiners Hirsch in Emden zum mährischen Landrabbiner verwendet. Es ist ein richtiges Gefühl, das Hm. Mannheimer in dieser Angtlegenheit leitet. Wird Hirsch das erste geistliche Oberhaupt Mährens, so können wir eine totale Umwandlung der jüdisch-mährischen 'Verhältnisse hoffen. Sowohl die staatlichen als die Kutturverhältnisse der mährischen Inden würden durch die Umsicht des würdigen Hirsch erstarken und sich erfreulich gestalten. Mögen die Bemühungen des Dr. Mannheimer nicht fruchtlos sein! Aus Muhren, 25. Nvbr. Durch das Zusammentreffen mannigfacher Umstände haben flch in verschicdenen Ländern Lieblingövornrtheile gegen die Juden Mährens gebildet. Während die Juden entrüstet christliche Schriftsteller angreifen, die ihre Vomrthcile gegen die Söhne Palästina's durch .den Druck vervielfältigen, glauben ste im Schooße der Gtanbensfarnilie ein Privilegium ans ihre eigenen Vorurtheile zu haben, und wie einst palästinische und galiläische Gelehrte einen Zunststolz gegen einander gcCtcub machten, so glauben auch Viele, welche die erste Muttermilch in Norddeutschland cingesogen, in der Gelehrtenrepnblik bevorzugt zn sein. Denken wir uns einen norddeutschen Inden ans .einem ji'ldischcn Throne, so würde er gewiß ein Ghetto für die Söhne Moraviaö einräunren. Wir wollen hier nicht historisch Nachweisen, daß die deutschen Inden nach Mähren, answanderten und wahrscheinlich der besteTheit derselben, da den eigennützigen das zeitliche Wohl höher i als die Religion galt; allein eS ist doch des'wahrhaft j Gebildeterl unwürdig, die Menschen nach Vorurtheile»

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