Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-12-03 · 49 (3.12.1846) · p. Spalte 777-778

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
49 (3.12.1846)
Date
1846-12-03
Page
Spalte 777-778 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/8555529-9897631-9897688--4761-3532762
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

778 ^77 Studien. Hebräische Typographien unter den Slaven. fcrcnt glaubt auch nicht zu irren, wenn er dieses Verfahren, durch Anerkennung der Strafe, ohne sie sofort ins Werk zu setzen, die Misbilligung des Verbrechens auszudriicken und davor abzuschrecken, Ln der Bibel begründet findet; da nach Deut. 27, 15—25 Vergehungen, die sich der weltlichen Strafe entziehen, mit dem Fluche Gottes öffentlich belegt werden sollen. Welchen andern Zweck hatte dieses, als da wo die Hand des Gesetzes nicht ausreicht, das Gewissen zu Hilfe zu rufen? (Fortsetzung folgt.) Notizen und Miscellen. Die hebräischen Typographieen unter den Slavon. Seit fast einem Jahrhundert hat sich hebräische Typographie im russischen und polnischen Gebiete ausgebreitet, eine Unzahl von Schriften wurden daselbst theils zum ersten' Mal nach Handschriften, theils nach alten Ausgaben gedruckt, und da unsere bibliographischen Hilfsmittel dieses Jahrhundert noch fast gar nicht berühren, so kann man daraus sehr leicht ermessen, wie wichtig eine Skizze über diese Druckereien wäre. Noch wichtiger stellt sich diese Sache heraus, wenn man bedenkt, daß diese Druckereien im russischen Reiche bereits seit 1836, durch einen Ukas des Kaisers, wieder verschwunden; daß ferner selbst in Polen und in einigen angrenzenden Provinzen diese ihre Existenz nur kümmerlich fristen, oder auch schon ganz dem Untergänge verfallen sind, und mithin die Geschichte dieser Lypographieen bereits abgeschlossen und einer Darstellung um so werther sind. Hier soll jedoch vorläufig keine Geschichte, sondern eine Aufzählung der Städte, Flecken und Dörfer gegeben werden, wo in dem letzten Jahrhundert eine hebräische Druckerei thätig war, und die Darstellung eines jeden Druckorts mit den dort erschienenen Druckwerken (—freilich nicht in der Weise, wie ohne alle genaue Angabe hier Ln diesem Blatte früher über die Zolkiewer Drucke berichtet wurde —) auf eine spätere Zeit verschiebend. Die Druckorte in alfabetischec Ordnung aufgezählt sind: 1) BerdLtschew. 2)Bialystok. 3) Blisurka (in Wolhynien). 4) Boguslaw. 5) Bresenitz. 6) Czerno Witz (in. der Bukowina). Hier wird gegenwärtig gerade viel gedruckt, unter anderem eine große Talmud-Ausgabe, worin auch die Halacha's des Alftsi und seine Kommentatoren, manche Kommentatoren des Ascher b. Lechiet u. s. w. 7) Dobrowne. 8) Dubno. 9) Grodno. Eine Zeit lang war der Druck von Wilna und Grodno verbunden und in einem Geschäfte vereinigt, daher auf den Titelblättern Wilna-Grodno gesetzt wurde. 10) Hrubiszow. 11) Josefof (in Polen). Hier wurden namentlich Maaßebücher, z. B. 1001 Nacht, die tatarischen Mährchen u. s. w. oder neuhebräische Poesien gedruckt. 12) Korez (Korzecz). Hier wurden vorzüglich kabbalistische Werke gedruckt. Das Auftauchen eines dem kabbalistischen Studium sich hingebenden Ehasidismus in jener Gegend veranlaßte die dortigen Besitzer der hebräischen Buchdruckerei, daß eine große Anzahl altkabbalistischer Werke theils neu aufgelegt, theils nach alten Handschriften zum ersten Mal gedruckt wurden. Isaak Loria's Ez Chajim hat schon Js. Satan o w dort vor seiner Wanderung nach Deutschland nach einer Handschrift zum ersten Mal drucken lassen. 13) Kopust. 14) Krakau. 15) Ladie. Das bekannte Haupt der Lubowitzer Chasidim hat früher in Ladie gewohntwo er den Druck mystischer Werke beförderte, später zog er nach Lubowitz, wo er noch eiuec großen Chasidim Partei vorsteht. 16) Lemberg. 17) Lublin. Hier war bekanntlich schon früh eine hebräische Druckerei, wie in Krakau, und diese beiden Städte sind schon in der alten Bibliographie bekannt. 18) Meserow. Hier war es auch, wo im Jahre 1793 das Ritual (Siddur) der rumischen Gemeinde von Ka fa (Feodosia) und Krassaw gedrucktes. LB. d» Or. 1844. Col.684) und wo überhaupt Manches rrOEn vorbereitet wurde, obgleich die Presse vorzüglich rabbinische Bücher lieferte. 19) Minkowicz. 20) Minsk. 21) Mohilew. 22) Nowydwor. 23) Olexnitz. 24) Ost roh (Ostrog). 25) Polnoh (Palnoi). Die Juden nennen diese Stadt auf den Titeln der Bücher nicht anders als ,-jnj (nach dem Midrasch) d. h. schöne Stadt. 26) Porizk. 27) Schitour ir. Da wurde ebenfalls Kabbalistisches gedruckt, z. B. das D^np;D mit dem Kommentar ncfiHD (Schitomir, 1805, 4.). 28) Sdilikow (Sdilkow). Hier wurden die meisten alten rnV Gutachten - Sammlungen, wenn auch mit manchen Verstümmelungen nachgedruckt; eben so die meisten philosophischen Schriften. 29) S l o b k o w i tz. 30) S l ob ut a. So wird dieser Namen geschrieben mit unseren Buchstaben, den die Juden Slawittcr aussprechen. Bekannt ist dieser Druckort durch die prachtvolle Talmud-Ausgabe mit FpS u. s. w. wie auch durch die chasidäischen Siddurim, die ihn sonderbar -nDD jrttD nennen, noch bekannter jedoch durch das tragische Geschick seiner reichen Drucker. Von guter Familie und reich begütert hatten sie keinen anderen Fehler, als daß sie zu den Chasidim gehörten; aber dieser war auch zu entschuldigen, da das ganze Städtchen, der ganze Kreis zu dieser Genossenschaft sich hielt. Diese Drucker, zwei ehrwürdige Brüder, hatten einen Verwandten als Buchbinder in ihrem Geschäfte, der nicht nur nicht Chasid war, sondern sich dem Trünke, dem Laster ergeben hatte. Er wurde von den Druckern zurecht gewiesen, und als Alles nichts half, aus dem Geschäfte verjagt. Eines Tags fand man ihn in der Synagoge erhängt. Ein Neider und Delator gab die Drucker als die Henker ihres Verwandten an, und obgleich nichts bewiesen werden konnte, so reichte doch ihr Ehasidismus hin, um sie zu vernichten. Der eine, über 70 Jahre alt, mußte noch unter Spießruthen bluthen, der andere in Sibirien den Rest seiner Tage betrauern. Von der Druckerei, von dem Reichthume ist keine Spur und selbst jedes Anzeichen hat die Zeit verwischt. 31) Sk low. 32) Turko.. 33) Warschau. Diese

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.