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Der Orient · 1846-12-03 · Heft 49 (3.12.1846) · p. Seite 384

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 49 (3.12.1846)
Date
1846-12-03
Page
Seite 384 (sequence 7)
Language
German
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384 Akademikern unterscheiden? Dem Vorgänger des Hm. Franeesconi, dem allgemein beliebten Professor Spirk, ist es nie in 'den Sinn gekommen, diese Unterscheidung zu machen, obgleich seine Vorlesungen den Saal so füllten, daß die Zuhörer oft bis zur geöffneten Thüre standen. Aber der Weisheit des Herrn Franceöconi war es Vorbehalten, die große Frage zu lösen. Da die meisten Juden Kaufleute sind, so machte er kurzen Prozeß und verwies Alle in die Hinterbänke. Aber wer ist Jude? wer nicht? Wehe dem, der schwarzes Haar und eine gebogene Nase hattet Heil dem Glücklichen, der stumpfnasig ist und semmelfarbige Locken hat! Jenes Gubernialdekret Lautete nach der Auslegung des Herrn Franceseoni: Alle Gesichter, die eines Zusammenhangs mit den fünf Büchern Moses verdächtig sind, werden verurtheilt, auf einem abgesonderten Platz zu sitzen. Die Thatsache ist, daß durch die geniale Erfindung des weisen Herrn Franeeseoni, vollberechtigte (jüdische) Akademiker gerade jene Zurücksetzung erhielten, vor welcher sie das Gubernialdekret schützen wollte, während Nichtakademiker, wenn sie nicht das Judenthum im Gesichte trugen, unter den Privilegien sitzen durften — abgesehen davon, daß es aberwitzig ist, eine Klasseneiutheilung nach Gesichtern und Nasen einzuführen. Gegen diese Barbarei und Ungesetzlichkeit haben nun jene fünf Hörer der Logik (der sechste war allerdings ein Nichtakademiker) als sie der Professor in die hintern Bänke wies, protestirt, und sie konnten dies mit vollem Rechte, denn das Gesetz ist für sie. Wer Billigkeits- und Ehrgefühl besitzt, wird das Benehmen der juügen Leute sicherlich nicht tadeln. Man schiebt den Juden ja so gerne ^Feigheit und Kriecherei zu, und hier ' sollen fünf Jünglinge, denen ein schreiendes Unrecht geschieht und die in Gegenwart von einigen hundert Menschern beschämt werden, sich fortschleichen, ohne zu rnucksen. Denn, at§ sie ihr Recht in Anspruch nehmen, geräth der Professor durch den blosen Widerspruch in eine Berscrkerwuth, als wäre ein Student ein gemeiner Soldat, der es wagt, gegen seinen General sich zu widersetzen. Herr Franceseoni rühmt sich, daß er die sechs jungen Leute nicht hat in Stücke reißen lassen und doch hat er noch edlere Proben von Enthaltsamkeit gegeben: er hat nicht ein Mal die Bank hereinholen und ihnen 25 Stockprügel aushauen lassen, wie es einem subordinationswidrigen Soldaten geschieht. Den erwähnten sechs jungen Leuten ist übrigens der Besuch der Vorlesungen von der Behörde untersagt worden. Bei der nächsten Vorlesung thcilte Herr Franeesconi Zettel aus, auf welchen das erwähnte Gubernialdekret von 1825 abgedmckt war; die oben citlrten Stellen waren groß gedruckt. Der ehrwürdige Studien- Direktor, der Herr Prälat Zeidler, wohnte der Vorlesung .am 31. Oktober persönlich bei und setzte sich, um durch feine Gegenwart jeden Tumult niederzuhalten, in eine der Bänke, in welchen ein israelitischer Zuhörer saß. Diese Ruhe scheint aber dem nach Spektakel lechzenden Hrn. Franceseoni nicht zu erquicken. Denn in der nächsten Vorlesung hielt er vor den Hörern des ersten Jahrgangs eine noch süßere Rede, von der ich den Eingang eitiren will. ,,Meine Herren! Heut ist die Lust rein, das erste Mal seit fünf Jahren rein; Triumph, Triumph! seit fünf Jahren das erste Mal, daß die stereotypen Gesichter fehlen, die, um der Kälte zu entgehen, hereinkommcn und sich in die Mittlern Bänke setzen. Wer ist Unterdrücker? wer Unterdrückter? Der Prälat war Samstag hier; noch, war es hier nicht rein, der I fron dato saß neben ihm. Meine Herren! Ich habe viel Geld dafür ausgegeben (für den Abdruck des Gubcrnial-Dekretes) und ich werde das großgedruckte (die großgedruckten Stellen des Gubernial-Dekrets) orientalisch, hebräisch sagen. Diese Stelle will ich kommentiren, wie der heilige Thomas nicht kommentirt wurde. Diese Lumpen, diese perfiden Kerls drohen mir mit der Veröffentlichung. Drei Briefe habe ich erhalten. O, o! meine Herren! Exoriare aliquis nostris ex ossibus ullor, ruft Prof. Müller aus dem Grabe mir zu. Nochmals, ja aus unfern Gebeinen wird aufstehen ein Rächer! Man wird es erfahren, es wird ans Tageslicht kommen, ja veröffentlicht soll es werden, wer ein Schuft, wer ein Lump und wer ordentlich ist. O, dieser jüdische Schurke, der mir droht, mich zu veröffentlichen" u. s. w. Ist dies genug? — — Was würden wohl die Studierenden an irgend einer deutschen Universität dazu sagen > wenn man vom Katheder herab fünf ihrer Kollegen — und wären es Türken — per „Kerls", „Schufte", „Lumpen" re. traktiren möchte! Ist Oesterreich deutsch? * * * Deutschland. Posen, 27. Oktbr. (Köln. Ztg.) Dic Gesetzgebung über die Staats- und bürgerlichen Verhältnisse der Juden hat schon zu öfteren Konflikten mit der Regierung Veranlassung gegeben. Hier hat sich gegenwärtig ein neuer entwickelt. Für den nächsten Landtag war nämlich der bisherige Deputirte der Stadt, Oberbürgermeister Naumann, dessen Wahlzeit abgelaufen ist, voll unserer Stadtverordneten -Versammlullg wieder gewählt worden. Obgleich für denselben der Zeitpunkt des zehnjährigen Grulldbesitzes schon mit dem 7. Januar 1847 eintritt, also jedenfalls vor Einberufung des nächsten Landtages, und überdies schon früher für denselben von der daran für die Wählbarkeit geknüpften Bedingung abgestanden war, so forderte der Oberpräsiderlt dennoch in einem Schreiben vom 9. d. M» den Magistrat auf, die Stadtverordneten für den möglichen Fall, daß der erstgewählte Deputirte die Allerhöchste Bestätigung nicht

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