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Der Orient · 1846-12-03 · Heft 49 (3.12.1846) · p. Seite 383

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 49 (3.12.1846)
Date
1846-12-03
Page
Seite 383 (sequence 5)
Language
German
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383 wie bei jeder Regel und die ordentlichen Vorsteher futb; daher die unreg e lmäßigen. Um allen diesen Nebelj ständen abzuhelsen, wäre es ein großer Fortschritt für Mähren, wenn Hirsch, der mit einem trefflichen Charakter Einsicht in die Gemeindeverhältniffe überhaupt verbindet, an die Spitze des Landes treten möchte. Nur Hirsch wäre im Stande, ein neues kräftiges Leben den erschlafften Gemüthern einznhanchen und seine sittliche Kraft, seine praktische Bildung und sein Eifer für Schuten könnten alle Hindernisse überwinden. Die einflußreichen Männer Mährens müßten ans allen Kräften streben, Hirsch zu gewinnen, trotz des Widerstandes pipulsuchtiger Raufbolde und die Regierung f’öuntc für die Verbesserung Mährens nichts Ersprießlicheres thun als Hirsch bestätigen. Daß die Gemeinden von ihrer Blindheit geheilt würden!! Aus Prag, 2. Novbr. (Grcnzboten.) Der Skandal, mit dem Herr Franc es coni die hiesige Universität verunzierte, wird seine Beurtheitung voll Seiten der Behörden erhalten, denen die ganze Angelegenheit vorliegt. Mittlerweile begnügt sich dieser weise Mann mit derl Stellen des ersten Tumults nicht, sondern setzt sie zur Erbaunrlg der Zuhörer weiter fort. Folgendes ist die wörtlich treue Kopie einer Anrede, die er am 3. November Abends im Hörsale der italienischeil Sprache I!. Jahrgangs hielt. Die israelitischen Zuhörer —- wetligstcns die meisten — sind wegen der Kränkung, die ihnen widerfahren, an diesem Abende weggebl leben. „Meine Herren! Die Bank, auf der neulich bei jenem grenzenlosen Skandal jene sechs Verführten saßen, soll teer bleiben füllfzig Jahre, entweiht, profanirt für ewige Zeiten. Meine Herren! die Studien-Hofkommission wird uns loben, uns erheben; hätten mich nicht die Behörderl geschützt, ich stünde nicht mehr aus dieser Kanzel, ich würde llicht luehr zu Ihnen sprechen; nran hat mich verklagt, aber hier bin ich Studiathoskommission, hier bin ich Oberhaupt, Alles. Niemand, das Gubernium darf nicht mehr annehmen, ich nehme noch an; aber es können ja sechs Sträflillge, die dem Strashanse entsprungen sind, — sechs Tiger, sechs Wilde Herkommen, und ich sott sie aufnehmerr? Ich, ich hätte sollen die Schurken, die Kerls in Stücke .zerreißen lassen, denn ich bin Italiener; ich mäßigte mich, ich rettete ihnen das Leben, und das loben die Behörden. Ich, meine Herren, fürchte mich nicht, Sie sehen ja, ich gehe ohne Stock ans, ich bin ein Italiener, ich fürchte mich nicht vor Hundert; und weiln sie mich stürzen, dann gehe ich in mein schönes Vaterlalld zurück; ich werde meinBrod noch immer finden. Stereotypen haben mir mein Kollegium verdorben, und Israeliten sind es! was kann ich dafür? ich habe sic ilicht ZN Juden gestempelt. Beamte weigern sich, mein Kollegium zu besuchen, aus Furcht, neben den Stereotypen des Samstags zu sitzen zu kommen. Aber nein, nein, nicht durch Verfolgung dieser Kerls will um meinen Katheder ich kommen. Professor Müller ist gestorben: sein Blut über ihr Gewissen. Er trug vor in der Physik, ich in der Logik. Da kamen wir eine Viertelstunde zusammen tut hintern Zimmer beim Schmiedt; da sagte er: ,,Jch muß sterben, meine Schüler, meine Landsleute bringen mich um." Herr Professor, ries ich, Sie werden ja verehrt l „Ja , aber Z w e i schre i be tt in auSländisch en Zeitschriften! O Licht außer dem Lichte der Schöpfung!" Ich weiß, sie werden es nach Leipzig und Hamburg schreiben, aber ich werde eine Antwort geben, wie sich's gehört. Ein Komplott haben sie gegen mieft gesponnen, zum Bettler wollen sic mich machen, Geld hat es mich gekostet. Anne sechs Verirrte, arme Opfer eines verruchten Komplotts, blinde Werkzeuge! Was ist der Unterschied zwischen diesen Narren und denen aus den: Tollhause. Ihr Protokoll ist lächerlich; sie verklagen mich und ich, ich habe ihnen das Lebert gerettet, denn sie wären erdrückt worden. Verboten ist den Sechs worden, das Kollegiuin zu besuchen." Wie sinden Sie dieses Muster von Kalhcderberedtsamkeit? Wie finden Sie diese Rohheiten in dem Munde eines Jugendlehrers? Man kann die Leidenschaft, die im ersten Augenblicke zu E.rceffen greift, vielleicht mtschuldigen; — wo aber Kopflosigkeit und Wnth eine chronische Krankheit ist — da ist Abhilfe uothig! Wie ich in meinem ersten Briese meldete, hat Herr Professor Franeesconi, um die israelitischen Hörer auf andere Bänke, als die christlichen, verweisen zu können, sich auf ein altes Gnberniatdekret vom 23. Novbr. 1825 (an das seit vietert Jahren Niemand gedacht) berufen. In diesem Dekret heißt es nämlich: „Schüler, welche sich der Prüfung nicht unterziehen und dadurch andere Ausgezeichnete verhindern, sirtd nicht zu berücksichtigen". Ferner heißt es: „Beamte und höhere Akademiker haben den Vorzrtg vor bat nieder» und Nicht-Akadcmik'ern^^. Bei den Vorlesungen über italienische Sprache und Literatur sind nun in der Regel sehr viele Nichtakadeinikcr, junge Leute, die sich dem Kanftnannsstande widnren zugegen, da bei unserer staatlichen Verbindung mit dem lombardisch - venetiartischen Königreiche die italienische Sprache und Korrespondenz wichtige Bestandtheile des kaufmännischen Wissens sind. Die Judeit, durch die Zustände unserer Legislation hauptsächlich ans den Handel angewiesen, sirtd darum unter den Hörern der ital« Sprache zahlreich vertreten, aber die christliche Kausmannschaft gewiß nicht in minderer Zahl. Diese Nichtakademiker haben dem Wortlaute jenes längst vergessenen Dekrets nach allerdings bat. Akademikern und Beamten nachzustehen, aber wer will in einer Versammlung von so vielen hundert Köpfen, von denen die meisten dem Professor unbekannt sind, die Nichtakademiker von,den 49*

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