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Der Orient · 1846-12-03 · Heft 49 (3.12.1846) · p. Seite 382

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 49 (3.12.1846)
Date
1846-12-03
Page
Seite 382 (sequence 3)
Language
German
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- 382 - wurde, daß unser Rabbiner Meise l eine feierliche Rede gehalten u. s. w. n. s. w., das können Sie sich aus ähnlichen Feierlichkeiten leicht kombiniren. Pesth, 16. Novbr. Die Frage, ob die Juden Ungarns'den exklusiven Magyarismus in Sprache und Sitte annehmen sollen, gewinnt allrnälig an Umfang und Bedeutung. In der Reget verfallen die Juden in ein Extrem, wenn es sich um .ein fremdes Nationatintcresse handelt: sie wollen deutscher als die Deutschen und mehr ungarisch gesinnt als die Ungarn selbst sein. Die Sprachfrage hat die Magyaren zu den größten Extravaganzen verleitet. Wenn — nach einem ungarischen Professor — Adam bereits ein Eljen ausgerufen, als er sich an Gott — Elea — gewendet, so muß natürlich das Ungarische dominiren. Die ungarischen Juden wollen nun noch die Edelleute, denen das System der Knechtung heilig ist, überbieten. Plötzlich soll die deutsche Zunge verbannt werden und nur das Magyarische soll deren Stelle einnehmen. Es ist löblich, wenn die Juden ihr bekanntes Sprachtalent dazu verwenden, die Sprache eines Th e i Les der Bewohner Ungarns zu erlernen, um sie im Verkehr des Lebens zu gebrauchen. Allein das deutsche Element aus Schule und Haus verdrängen, um für deutsche Kultur, Wissenschaft und Civilisation, die so viel in der Wage der Welt wiegen, die unvollendete, erst in einem künstlichen Treibhauszustande sich entwickelnde Sprache der Magyarm einzutauschen, ist eine Unbesonnenheit, deren Nemesis die Zukunft sein würde. Wäre cs den ungarischen Ständen Ernst damit, die Menschenrechte in Ungarn zu proklamiren, so würden sic auf den Geist, nicht auf die Zunge der Juden Rücksicht nehmen. Ungarn hat außerdem Slaven und Deutsche als starke Bestandtheile feiner Bevölkerung: welche Sprache soll nun die Juden eines Landes unter einander verbinden? Sollen etwa einige Inden slavisch, Andere ungarisch und wieder Andere deutsch sein? Anders verhält es sich mit einem Staate, in den: eine Sprache herrschend ist. Ungarn hat ober drei Hauptsprachen, die — allerdings nicht nach magyarischen Begriffen — ein begründetes Recht für ihre Existenz haben. Ich könnte mehre Beispiele anführen von den Extremen, in welche die Juden Ungarns in Betreff der Sprachfrage verfallen. ,,Alles mit Maaß" sollte der Wahlspruch der ungarischen Juden sein, die gewiß bald einen Verein bilden werden, der die nöthigen Mittet angebe, um jede Spur deSDeutschthums in Ungarn auSzumerzen., Itikolsbur^, 23. Novbr. Die Regierung hat nnn endlich das Landrabbinat ausschreiben lassen iui'D nian ist ans den Ausgang sehr gespannt. Uns liegt mehr das Wohl Mährens als daS Interesse Einzelner am Herzen und in Mährens Interesse können wir nur Hirsch's Einsetzung in diese wichtige Stelle wünschen. Hirsch hat bis jetzt bewiesen, daß er Gemeinde-, Schiil- und Kllttusverhättnisse in die beste Ordnung zu bringen versteht; Hirsch ist ein trefflicher Redner, der auf die Zuhörer mächtig einwirkt; sein frommer Eifer hält sich von Neuerungen fern und darum ist er der Einzige, der Mähren's zerfahrenes Wesen neu gestalten könnte. Es giebt aber leider wenig intelligente Männer in Mähren, welche die Sachlage richtig bcnrtheilen könnten. Sie wissen nicht, daß Hirsch allen mährischen Räbbincn an Wissenschaft und Bildung überlegen ist und wenn er auch in talmudischen Kenntnissen einigen alten Rabbinen nachstchen dürfte, so ist dies gerade ein Umstand, der die Berufung Hirsch's wünschenswerth macht. Man soll nämlich die Einsicht erlangen, daß eine praktische Wirksamkeit eitlen größer« Werth als pilpul'sche Luftschlösser habe. Wurde Hirsch nach Mähren berufen, dann könnte es ein pN werden. Aus Muhren, 20. Novbr. Die Käuflichkeit der Rabbinate in Mahren drohet die Unsittlichkeit zu sanktioniren, wenn nicht diesem, Mähren zur Schande gereichenden Auswuchs der zerrütteten Zustände, bald ein Ende gemacht wird. Seit einigen Jahren wird bei Besetzung von Rabbinaten nicht das Verdienst und die Befähigung, sondern die Börse berücksichtigt und wenn diese Feilheit — ein Kind der Entsittlichung — noch fortdauert, so werdet: wir bald Rabbiner auf Aktien annehmen. Wehe dem Betverber, der nicht selbst seine Verwandtschaft mit Krösus beweisen kann oder dem der Himtnel keinen reichen oder angesehenen Schwiegervater geschenkt hat l Zwar sind jetzt fast überall Jntriguen an der Tagesordnung, so es gilt ein RabbinaL zu besetzen; überall läßt man die Springfedern des Eigennutzes und der Verwandtschaftsgrade (nvny) ohne Schonung spielen, wenn daS wichtigsteAmL einer Gemeiltde besetzt werden soll. Sind nun solche Verhältnisse kein gutes Zeuguiß für die sittlichen Zustände eitler Gemeinde, kann dies vielmehr als Beweis geltet!, daß Sittenpredigten trotz der Aufklärung unserer Zeit tlicht überflüssig siltd, so hat doch die jüdische Simonie in Mahren ihren bequemsten Sitz und man erkauft sich ein Rabbinat, wie man sich eilten lobhudelnden Korrespondenten miethet. WaS ist die Folge dieser Demoralisation? Die bessern und armem Geister werden zurückgedrängt und die einige hundert Gulden auf den Altar einiger Gemeindcglieder niederlegen, werden die geistlichen Oberhäupter, welche die Gemeinden an führen. Ist eö nicht ein schwarzer Fleck in der KulturgeschichteMährens, daß Geld und Verwandtschaften einen Einftllß auf dessen Rabbinate ausüben? Die größte Schttld dieser entsittlichten Zustände tragen die Vorsteher, die in der Regel am Unrechten Orte sind. Eö giebt wertig Vorsteher, die eine Ahnung von ihrer Ausgabe haben und es werden oft Getdmenschcn gewählt, die die dreifache Krone der Unwissenheit, Anmaßung tmb Zanksucht ans ihrem Haupte tragen. Allerdings giebt es Ausnahmen

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