Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1846)
- Date
- 1846-12-03
- Page
- Seite 381 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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rwWj fSevitbie, Studien und Kritiken Siebenter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen lobl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für Jahrgang. jüdische Geschichte und Literatur. Von dieser Zeitschrift Herausgegeben erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitvon gerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Dr. Julius Fürst. J^O 4O. Leipzig, den 3. December 1840» Inhalt. O eftevreich. Kra kau. Die Juden und die neue Regierung. P efth. Die Juden und das Magyarthum. Nikols bürg. Das Landrarbinat. Hirsch. Aus Mähren. Die Käuflichkeit der Rabbinate. Aus Prag. Weitere Schritte des Prof. Francesconi. Rede des zweiten Cicero. — Deutschland. Posen. Die Stadtverordneten und die Juden. Sieg der Aufklärung. — Noch ein Wort über die Meziza. Von I. Bondi. (Schluß.) — Das Streben nach religiösen Reformen. Von Dr. Helffr. (Forts.) — Personalchronik und Miscellen. Fürth. Frankfurt a. M. — LB. d. Or. Oesterreich. Krakau, 20. Novbr. Die traurige Lage, in welcher unsere große Gemeinde seit der neuen polnischen Revolution gelebt, die Vexationen, denen sie ausgesetzt, die Erpressungen, denen sie unterlegen waren, brachten es dahin, daß der Untergang des Freistaats, der ohnehin kein Freistaat mehr war, und der Uebergang desselben zu Oesterreich, für sie ein Freudenfest wurde. Als die Uebernahme Oesterreichs von allen Seiten her feierlich dem Volke verkündet wurde, war das Volk großentheits stumm und lautlos, wie bei der Verkündigung des Todes, aber die Inden illuminirten ihre Häuser und zeigten äußerlich eine Freude. Und doch würde mau ihnen sehr Unrecht thun, wenn man daraus mif ihre Gefühllosigkeit für die polnische Nationalität schließen wollte. Seit 1830 war Krakau, wenn gleich als Scheinfreistadt noch fignrirend, von einem Senate beherrscht, welchen die Geschichte einst zeichnen wird, und wie man ihn bei untergehenden Freistaaten immer findet. Von der Einen Seite dominirte ein katholischer Fanatismus, wie er jetzt in dem jungen Polen Mode ist, von der andern Seite waren es verkaufte Knechte fremder Herren, die um so schlechtere Herren für ihre Unterhanen werden. Bei dieser Entartung haben die Juden furchtbar gelitten. Der religiöse Fanatismus allein war schon geeignet, das Leben der Juden zu verbittern , und was dieser verschonte ergänzte dann der polnische unerträgliche Hochmuts), die russisch-astatische Barbarei und die Soldateska Oesterreichs. Dazu kam noch, daß auch nicht ein Schatten von polnischer Unabhängigkeit mehr zu finden war, und daß Oesterreich ^ohnehin schon das Uebergew ich t hatte. Ob wir unter Oesterreich uns . besser befinden werden, das liegt im Schooße der Zukunft, unb wenn wir auf das unglückliche beispiellos verwahrloste Galizien sehen, so möchten wir fast daran zweifeln. Allein das Eine ist uns klar, daß wir vor der eisernen barbarischen Härte Rußland's geschützt sind. Unsere Kaufmannschaft ist in voller Bewegung und Thätigkeit, und wie es scheint, weiß sie selbst noch nicht, wie sie ihre merkantitische Thätigkeit einichten soll. Bis jetzt war bekanntlich Krakau auch für den Handel eine Freistadt; die freie Zufuhr von englischen und französischen Waaren bildete den Haupthandel, durch die Verbreitung derselben in weitere Kreise; bei der Uebernahme unserer Stadt aber von Seiten Oesterreichs ist dieser Punkt noch gar nicht berührt worden, ob in Bezug aus Handel Krakau eine Freistadt bleiben wird, wie etwa Brody in Galizien. Die Kanfleute benutzen dieses Jntermistikum, nur, im Falle der Zufuhr später abgeschnitten werden sollte, noch so zu sagen vor Thoresschlnß, eine große Masse Waare im Lande zu haben. Es sind auch zu diesem Zwecke sofort nach der Bekanntmachung viele Kanflente abgcreist nach den Handelsplätzen, um recht viele Waaren einznk'anfen. — Daß von unserer Seite der österreichische Adler unter einem Baldachin nebst einem Sefer Tora herumgetragen 49 S