Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1846)
- Date
- 1846-11-26
- Page
- Seite 376 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 376 von Andern verlangt, indem er einen wohtthätigen , Zweck, selbst einem unschuldigen Mittel, geopfert wissen will; einem Mittet, mindestens nicht weniger unschuldiger Natur, als das von ihm selbst , zum Zwecke der Begegnung einer jeden Vermuthung über seine Person, gewählte, indem er statt Lissa, Krotoschin als Wiege seiner allerliebsten vier Geistesausgeblwten anführt. Dritte Frage. Welchen Gebildeten kann eine Predigt erbauen, die aller Grammatik, Logik und Rhetorik Hohn spricht? Antwort. Diejenige jüdische Gemeinde konnte sie erbauen, welche, Gottlob l die hoheBildungs- 1 stufe der Fragesteller, beziehentlich ihres Seelenheils, noch nicht erreicht hat, und deren Jugend diese ja eben, durch eine zu erlangende wahrhaft religiöse Grundlage, im Wege des, leider bis jetzt immer noch entbehrenden Unterrichts, geschützt, erst auch gar nicht erreichen soll. Der gute Eindruck, den die Pollachschen religiösen Vorträge auf die Herzen seiner Zuhörerschaft ausübten, kann unmöglich wegen einiger, von Fragestellern in liebloser Absicht sehnsüchtig abgeläuterter, etwa im Flusse des Vortrages vorgekommener Verletzungen trockner grammatischer Regeln und ängstlicherweise ausgesuchter Druckfehler, verleugnet werden. Vierte Frage. In welcher Buchhandlung ist die am Sabbat Nachmu zu Lissa gehaltene (sogenannte) jüdisch-deutsche Pollach'sche Predigt zu haben, — ist ganz gleichgültig — in der die drei Wege zur Hölle geographisch genau vorgezeichnet sind? Antwort. Die drei Wege zur Hölle? ja freilich, die zeichnet Ihr weisen Vierfragen-Männer bei weitem richtiger vor, als Herr Pollach dies vermochte; denn diese sind: 1) selbstgefällige, eigeudüukelhaste Afterausgeklärtheit. -2) Bis zur-'Bitterkeit gesteigerte öffentliche Anfeindung eines wahrhaft frommen und rechtschaffenen Mannes. 3) Unverschuldete, weit hinausreichende Verfolgung duc3 biedern , aber schutzlosen Fremdlings, die den gesunden Sinn für Rechtlichkeit, der in unserer Gesammtgemeinde vorwaltet, in hohem Grade empört. Mögen Fragesteller und Konsorten dergleichen Empfehlungsschriften — denn was anderes sind sie nicht für das klarsehende, menschenfreundliche Publikunr Berlins — mit denen sie in guter Absicht dem Herrn Potlach, bei dessen einstweiligem Abgänge nach Berlin, vor- . angeeilt sind, recht fleißig wiederholen. Wahrheit verschmäht den finstern Schleichweg der Annonymität. Salomon Bernhard. Oesterreich. Aus Prag. (Erster Artikel.) Judenverfolgung in einem Universitätssaale. Gestatten Sie/ daß in Ihrem hochgeachteten Blatte eine kleine Angelegenheit zur Sprache komme, die, obgleich in dem engen Kreise eines unserer Universitätssäle spielend, dennoch nicht ganz ohne , höhere Wichtigkeit ist. Die drückende und abnorme Lage der hiesigen zum großen Theit noch ins Ghetto gebannten Juden ist fast sprüchwörtlich geworden und die Regierung .hat in letzterer Zeit von selbst den Beweis gegeben, daß sie die mittelalterlichen Ausnahmsgesetze, welche die hiesige zahlreiche jüdische Bevölkerung (10,000 Seelen) erdrückt, zu mildern sucht; sie hat die enorme und fast unerschwingliche Judenstener von selbst nach Ablauf der nächsten sieben Jahre für aufgehoben erklärt, sie hat die Zulassung israelitischer Privatdocenten an der hiesigen Universität (wenn auch vor der Hand nur für hebräische Literatur) möglich gemacht und überhaupt mannigfache Zeichen gegeben, daß es ihr an gutem Willen zur Einführung einer zeitgenräßern Legislation in Bezug auf die hier mehr wie nt allen deutschen Staaten gedrückten israelitischen Unterthanen nicht fehlt. Wenn in dieser Beziehung die Schritte unfcrcr Gesetzgeber allerdings noch immer nicht jenen der übriger: Regierungen Deutschlands (von Frankreich und England zu schweigen) gleich kommen, so liegt daS vielleicht in jenem Prinzip der. Behutsamkeit, die einen bekannten Harlptzug der österreichischen Regierung bildet. Offenbar rechnet sie auf die Unterstützung der Intelligenz und der Gebildeten, die wie allenthalben in Deutschland, so auch in Oesterreich, die Absurdität und unpolitischen Folgen der mittelalterlichen Judeugesetze eiusteht. Um so trauriger ist es, wenn gerade von dieser Seite Dinge geschehen, die Alles . in die, alte Nacht zurück zu stoßen drohen, wenn die Universität, die ihrem Berufe nach eine Hüterin und Vorbereiterin des Lichts und der Hnmanität sein soll, zum Schauplatz mittelalterlicher Judenseenen wird. Beeilen wir uns zu sagen, .daß der allergrößte Theit un>eres Lehrstandes irr dieser Beziehung vollkommen auf der Höhe der edelsten Bildung und Toleranz steht und daß selbst in den geistlichen Lehranstalten (wie in dem Pienstengynmasium) ein Beispiel von Unduldsamkeit gegen die israelitischen Studenten zu den größten Seltenheiten gehört. Um so auffälliger und widerlicher ist es, wein: ein weltlicher Universttätslehrcr, ein btoser Sprachlehrer sich zu solchem Beispiele berufen fühlt und durch sein Verfahren die Allsbreitung einer versöhnlichen Toleranz und die vvrbereitendeil Schritte der Regierung in den Weg tritt. In den an der k. k. Karl Ferdinand'scheu Universität durch Herrn Professor Franeeseoni abgehaltenen Vorlesungen über italienische Sprache traf benarlnter Hr. Professor am Eingänge des Schuljahres 18HHdie Anstalt, den Hörern israelitischer Religion ohne Unterschied ihres akademischen Grades einen besondcrn Platz in den hintem Bänken der letzten Abthcilung anzuweisen, während cs allen übrigen Zuhörern freistarld, wie ehedem ihre Plätze llach Belieben zu wählen, mit dem Bemerken, dies geschehe im Sinne einer allerhöchsten Entschließung. Mittwoch den 28. Oktober wurde ent israe-