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Der Orient · 1846-11-26 · Heft 48 (26.11.1846) · p. Seite 377

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 48 (26.11.1846)
Date
1846-11-26
Page
Seite 377 (sequence 9)
Language
German
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377 Mischer Hörer/ der in einer der vordem Bänke der Mittlern Abtheilung Platz genommen hatte, aus dem Kolügio deshalb von Herrn Professor Francesconi ausgewicsen und mußte den Saal verlassen. Am 30. Oktbr. setzten sich fünf Hörer der Logik nach früherer Abgabe ihrer Melduugsscheine vor Ankunft des Herrn Professors in die dritte Bank mittlerer Abtheitung; zu ihnen setzte sich auch ein nicht akademischer Zuhörer, während die andern israelitischen Zuhörer in den Bänken chin und wieder zerstreut saßen. Als Herr Prof. Francesconi ins Kollegium kam, betrat er das Katheder, überschaute das Auditorium und seine ersten Worte, auf die oben erwähnten Logiker deutend, waren folgende: ,,Die da fetzm sich auf die hintern Bänke". Auf abermalige Wiederholung dieser Worte erklärte der Logiker F.... bestimmt und entschieden, er werde dieser Weisung nicht Folge leisten, mit dem Bedeuten, es sei weder von irgend einem der Herren Professoren, noch vom Studiendirektor selbst jemals ein solcher konfessioneller Unterschied gemacht worden. Hr. Professor Franeeseoni rief nun entrüstet, er müsse.heraus und gleich den Saal verlassen. Auf diese Aufforderung erfolgte eine unruhige Bewegung im Saale. Hierauf forderte der Hr. Prof, dem Logiker F.... und hierauf den übrigen fünf israelitischen Zuhörern die Angabe ihres Namens, Studiums und ihrer Wohnung ab, unter stets erhöhter Aufregung eines Theilö der Zuhörer und fortwährendem Toben und Lärmen gegen die sechs erwähnten israelitischen Zuhörer, welches Toben Hr. Prof. Francesconi dadurch zu stillen bemüht war, daß er die Anwesenden ersuchte, ihm durch Voreiligkeit eine Sache nicht zu verderben, welche, wie er sich ansdrückte, erst recht nmAmüyue" zu werden anfange. Mitfreudigem Gesichte rief Hr. Prof. Franeeseoni: ,,Meine H. H.l Wir werden künftig nur brave Schüler haben, die Schute wird vom Auswurfe befreit werden; ich hoffe, wir werden uns gegenseitig verstehen" u. dgl. m. Diese Ansdrücke verursachten ein noch heftigeres, von Kundgebung judeufeiudlicher Gesinnung begleitetes Toben im Saale, welches der Hr. Professor folgcudermaaßen stillte. Er forderte sämmtliehe Herren Hörer der Rechte auf, ihre Sitze zu verlassen und wies ihnen, als sie zusammengetreten waren, eine Abtheilung im Saale an. Dieselbe Aufforderung erging an die Herren Hörer der Philosophie und an'die Schüler der Humaniora, und auch diesen wurden gemeinschaftliche Plätze angewiesen. Als erwähnte fünf israelitische Logiker den Herren Hörern bei der Einnehmung der jetzt erst angewiesenen Plätze sich anschließen wollten, befahl der Herr Professor drohend denselben, sich nicht vom Platze zu rühren. Er erbat sich hierauf Schreibmaterial und ersuchte einen Herrn, seine Worte aufs Papier zu bringen. Zugleich ersuchte er die Herren Hörer der Rechte, ihm in der Wahl der Ausdrücke behülflich zu sein und die Billigung oder Mißbilligung einzelner Phrasen frei auszusprechen. Nun k diktirte der Herr Professor unter Zuratheziehung einzelner Hörer ein Gesuch an die k. k. Hochlöbl. Studien-Hofkommission, zu dessen Unterfertigung er die Herren Hörer aufforderte, da dasselbe in ihrem Namen an die hohe Behörde gerichtet werden sollte, während er selbst die Angelegenheit bei namhaft angeführten hohen Staatsbeamten und bei Sr. Majestät Vorbringen wollte. Während des Diktirens konnte der Herr Professor nicht umhin, durch die Worte: Es sei doch ein freudenvoller Tag für ihn; die Herren Techniker würden heute in Folge seiner guten Stimmung eine Vorlesung wie niemals erhalten und mit der Bitte, ihn durch Unruhe nicht in seinen glücklichen Ideen zu stören, kein Vergnügen am stattgehabten Vorfälle kund zu geben. Nun rief der Herr Professor die Herren Hörer der Rechte, der Philosophie und Humaniora zur Unterschrift. Ein Theil der Anweseden leistete der Aufforderung Folge, während ein anderer Theil sich demselben durch Entfernung auS dem Hörsale entzog. Einer der Herrn Hörer, ausdrücklich vom Herrn Professor zum Unterschreiben aufgefordert, erklärte offen, er werde nicht unterschreiben. Nachdem mit dieser Angelegenheit bereits .| Stunden verflossen waren, rief der Herr Professor namentlich zwei der Herrn Hörer der Rechte und zwei der Herrn Hörer der Philosophie, denen sich zwei Schüler der Humaniora freiwillig anfchlossen, um besagte sechs Individuen bis in die Jndenstadt zu begleiten. Als dieselben erklärten, keiner Begleitung zu bedürfen, sagte der Herr Professor: ,,Wenn ich will, bedürfen Sie eines sehr starken Geleites", worauf ein furchtbares Schreien im Saale erhoben wurde und man unter andern Drohungen die Worte hörte: zum Fenster hinaus. Nur mit Mühe gelang es dem Herrn Professor die verursachte Aufregung zu dämpfen. Ernst um ihre persönliche Sicherheit besorgt und Thätlichkeiten fürchtend, warteten die sechs Betheiligten den Verlauf der Sache ab. Als hierauf um halb 2 Uhr, eine halbe Stunde nach der gesetzlichen Schtußzeit der Vorlesung, einer der israelitischen Logiker W... W..... des langen Wartens müde sich nach Haufe begeben wollte, sah er sich im Saale sogleich von einer Menge Anwesenden umgeben, die ihn gewaltsam aushielten. Der Herr Professor eilte von .dem Katheder herab, erfaßte ihn heftig beim Arme und rief: ,,Wohin wollen Sie?" Als dieser einfach erwiederte: „zum Essen", entließ ihn der Herr Professor, gebot jedoch zwei Studierenden ihm zu folgen. Auf dieser Weife gelangten auch die übrigen nach Haufe. Dies ist der authentische Hergang der Sache, wie sie von den betheiligten und tiefgekränkten israelitischen Studenten in einer Eingabe an den hochwürdigen Hrn. Studiendirektor P. Zeidler, sowie an die k. k. Stadthauptmannschaft treu geschildert wurde. Wir dürfen es getrost dem Urtheil der.öffentlichen Meinung überlassen, ein solches Verfahren zu qnalificirm. Wenn an einer

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