Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1846)
- Date
- 1846-11-26
- Page
- Seite 374 (sequence 3)
- Language
- German
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- 374 - Für LH er hat ein Dr.'Feust verabfaßt. So viel aus der politischen Welt. -- Aus dem Synagogennnd-Schulteben Folgendes: Man spricht von der Errichtung eines eigenen Kultus-Ministeriums, was auch auf unser zerüttetes Synagogen-Wesengewiß nicht ohne Einfluß wäre. — Die Gemeinde Ansba ch feierte im vorigen Monate das Säknlarfest ihrer Synagoge auf eine sehr erhebende Weise. Die wenige Tage vorher nachgesuchte Erlaubniß hiezu, ward von Sr. Majestät mit dem eigenhändigen Beisatz gegeben, ,,daß die Nachricht nicht zu spät nach Ansbach gelange." Die Feier selbst hat auf jüdische und christliche Bewohner den besten Eindruck gemacht und die gehalten , im Drucke erschienene Predigt ist ein schönes Zengniß jüdischer Kanzelberedsamkcit. Die angehängten geschichtlichen Notizen sind nicht ohne Interesse. — Den isr. Seminaristen im S ch w a b a ch e r Seminar ertheilte der dortige Rabbiner Wechsler in drei wöchentlichen Stunden Religionsunterricht. Bei der Entlassung derselben wurden jedoch seine ertheilten Noten gar nicht in Anschlag gebracht/ und ward eS überhaupt denselben freigegeben, ob sie jenen Unterricht nehmen wollen, was gewiß nicht im Sinne des allerhöchsten Erlasses ist, nach welchem die Seminarien zu Schwa Lach, Bamberg, Würzburg und Kaiserslautern, darum für den Mitbesuch von Israeliten bestimmt worden, damit sie dort Religionsunterricht genießen uut) nach den mosaischen Speise-Satzungen leben können. Der Rabbiner will in Zukunft keinen Unterricht inehr ertheilen, er thäte aber besser sich zu beschweren. Am erstgenannten Seminar werden von den anfzuriehmenden Lehrlingen auch dieselben musikalische Bildung wie bei christlichen — Orgelspiel, Generalpaß re. — verlangt, weshalb von drei Examinanden Heuer nicht einer aüfgenommen worden ist. Bisher hatten sic nur im Gesang und Violinspiel eine Prüfung zu bestehen. Sellen die Lehrlinge auch im Hebräischen etwas Tüchtiges leisten, so dürste es schwer fallen, auch jenen Anforderungen zu genügen. — Auf die Rabbinatsstelle in Wallerstein, welche seit vielen Jahren von uuserm ältesten Rabbinats- Kandidaten verwest wird, hat ein gewisser Weiß köpf, zur Zeit als Lehrer, Vorsänger/ Schochet re. in An b in Unterfranken fnngirend, die gegründetste Aussicht, da zwei der bedeutendsten-Gemeinden des Distrikts ihm ihre Stimmen, mit wenig Ausnahmen, zugesagt haben. Wcißkopf trägt einen langen Bart und gehört ganz der uralten Richtung an. Die Besetzung der Rabbinatsstelle in Oettingen mit dem frommen Kandidaten Dr. Feu ch t w a n g er stößt bei der K. Regierung auf Schwierigkeiten, weil der Gewählte die Anstelllmgsprüfimg noch nicht erstanden hat und eine Privatprüfnug nicht gestattet werden will. — Aber mächtig werden die Wahlurnen zur Rabbinatsstelle in W e l b h a n s c n in Mittelfrankerl wieder gerüttelt.' Dieses Rabbiuat ist seit vielen Jahren der Schauplatz der verwerflichsten Wahlumtriebe und Bestechungen, und da die letzte Wahl des Dr. Frankel deshalb annnllirt und er.voll der Wahl ausgeschlossen worden, dagegen aber die allerhöchste. Stelle das Erkenntniß der K. Negierung wohl hierin und bezüglich einer Geldstrafe, aber nicht den erwählten Ersatzmann Heumann bestättigt hat und das mit weiser Uinsicht, so beginnt der Wahlkampf aufs Neue und ist vielleicht in diesem Moment schon entschieden, wenn nicht die Wahl abermals beanstandet werden wird. — In der Lehrerwclt nichts Neues, wie daß unsre Lehrer besonders bei den jetzigen Preisen der Lebensmittel schlecht gestellt sind, ist nichts Neues. Bereits greifenschon Einzelne zu Nebenerwerben, jedoch ist es bei uns" Gottlob noch nicht so weit gekommen, daß wie in dem ,,Lande der Intelligenz," sich ein musikalisch und re. gebildeter junger ,,von Autoritäten empfohlner Lehrer" — wie wir kürzlich in einem jüdischen Organ gelesen — sich entbietet, auch Gemeindebcte mitwerden zu wollen. Was ein Lehrer nicht Alles werden kann! — In Len k e r shei in starb kürzlich der Religions- Lehrer Lippmann, eill sehr tüchtiger Mann im vierzigsten Lebensjahre mit Hintersassnng einer Familie und der dortige Protest. Pfarrer Hr. Will di sch hielt ihm eine Grabrede. Die Gemeinde wünscht, da zur Zeit nur fünf schulpflichtige Kinder dort sind, die Schule aufznheben und sich an eine benachbarte Gemeinde anzuschließen. Die Kinder besuchen die christliche Schule, und Religion braucht maiuHeutiges Tages nicht viel, meinen die guten, Leute» —!§Bon neuen literarischen Erscheinungen ist nur zu erwähnen, daß Hr. Dav. Otteusoßer in Fürth ein Schristchen m miv; Briefe französischer Rabbiner über das damals erschienene Werk unsres Maimouides mit deutscher Uebersetzung und Ans, merknngen begleitet, heransgcgeben Hai. Geht ja die Kunst nach Brod, warum sollte der Uebersetzer des Jesaiaö :w nicht allf diese Weise sein Brod in einer Zeit suchen, in der die jüdische, besonders heb. Literatur so wenige Mäemate hat. — Unser speziell jüdisch bayerisches Blatt, der ,, Sinai" von Dr. Anb in Bayreuth, soll, dem Vernehmen nach, mit dem nenen Jahr zu seinen Väterll versammelt werden. Schade um das brave Blatt; aber das Minjan all jüdischen Blättern, wie Hr. I. in dieser Zeitschrift witzig bemerkte, wird darum nicht aufgehoben uild bedarf es deshalb feiner Anfrage bei der Rabbinerversammlung in Breslau. — Die zwei, gelescnsten, in Nürnberg erschcineilden politischen Blätter, der Korrespondent v. u. f.. D. und der Kurier haben Juden — die Brüder Feilst aus Bamberg — zu Redakteuren, aber ansässig darf sich.immer noch fctu Jude dort machen. Daß in neucster Zeit einer mit Aufeuthaltskarte sich dort mit einem christlichen Kaufmann afsociircn durfte, diese hochwichtige Nachricht macht eben als ein Zeichen Nürnberger Judenfteundschaft die Runde . durch die Zeitungen und mit ihr will ich auch meine