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Der Orient · 1846-11-19 · 47 (19.11.1846) · p. Spalte 747-748

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
47 (19.11.1846)
Date
1846-11-19
Page
Spalte 747-748 (sequence 6)
Language
German
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Studien. Von dem Begriffe der Messiasidee. 748 747 ' II. Von dem Begriffe der Messiasidee. (Fortsetzung.) , Es ist sowohl die Bestimmung des Menschen von Gott, wie es das Bestreben des Menschen ist, auf Erden glücklich zu sein. Weil die Erdenverhältniffe an sich aber wegen ihrer Endlichkeit und Unvollkommenheit den Keim des Unglücks und des Todes in sich tragen: so kommt es eben darauf an, demselben durch das Hinzuthun des Geistigen und Göttlichen so viel Glück und Befriedigung abzugewinnen, als möglich ist. In dieser Förderung des Göttlichen liegt die Rothwenoigkeit des Religiösen für den Menschen, aber in der angegebenen Bedeutung desselben auch der Beweis, daß nicht dieses das erste und einzige Element ist, worin der Sterbliche sich bewegt und lebt. Es war daher von Anfang an der Verzug des Judenthums, erkannt zu haben, wie die irdischen Verhältnisse die nothwendige Grundlage des individuellen und staatlichen, socialen und politischen Lebens bilden, und es ein Jrrthum religiöser Anschauung ist, von jenen abstrahirend die himmlischen Verhältnisse des Menschen einseitig hervordrängen zu wollen. Dem Judenthum ist es gewiß, daß der Mensch in seinen.Erdenverhältnissen das eigentliche Element seines Lebens hat und von diesen getrennt hier gar nicht gedacht werden kann. Das Geistige und Göttliche glebt den Erdenverhättnissen , welche die Materie bilden, nur die Form, bezeichnet deren wahre Bestimmung und Anwendung, ebenso wie in der Seele des Menschen nur die Ferm des Lebens liegt, worin dieses zur Erscheinung kommt. Der Leib aber giebt die Grundbedingung desselben ab. Das nun, worin alle Erdenverhältniffe des menschlichen Lebens zusammen kommen, ist der Staat, und das Eigentbümliche, worin derselbe vom Standpunkte des Judenrhums und in demselben erscheint, macht das Rationelle desselben aus. Wegen dieser Rothwendigkeit, womit das Politisch-Rationale im Judenthum erscheint und dorr., zur Verhandlung kommt, hat man dem Letzter» häufig den Vorwurf gemacht, daß dort das religiöse Moment zu sehr entbehrt, wo nicht ganz vermißt werde, und die ganze Lehre des Judenthums mehr den Charakter eines religiös gefärbten, mit kirchlichen Elementen durchmischten Staatslehre trage, als daß sie, wie es der Religion und Kirche zukommen, den Menschen einzig oder doch vorzüglich von seiner geistigen, sogenannten jenseitigen Bestimmung auffasse. Aber diese einseitige Hervordrängung des jenseitigen Moments im menschlichen Leben, als das eigentlich kirchliche und religiöse darin, zeugt von der Verwirrung der Begriffe über Staat und Kirche, welcher jene Behauptung über das Judenthum ihre Entstehung verdankt. Das Judenthum und namentlich der Mofaismus mit seinem im Pentateuch dargelegten Inhalte geht von den Volks¬ und Landesverhältnissen Palästinas aus und giebt in Rücksicht auf die örtlichen und klimatischen Verhältnisse des Landes, wie die zeitlichen des jüdischen Volkes seine Gesetze, nur durch diese das Leben als ein sittliches zu ordnen, gebaut auf die absoluten Anforderungen einer staatlichen, socialen Association. So erscheint freilich der Mosaismus äußerlich als ein Aggregat politischer Gesetze, das aber dennoch seines einheitlichen Zusammenhangs durch die Ideen der Sittlichkett, des Rechts nicht entbehrt und sein ^religiöses Moment eben in der Ordnung und Beherrschung der Lebensgesetze durch diese göttliche Gedanken,hat, wodurch jene als der unmittelbare Ausfluß Gottes dargestellt werden. Wir sehen also, das Judenthum hatte Recht, alle politischen Schicksale des jüdischen Volkes, wenn auch in den politisch-nationalen Verhältnissen desselben wurzelnd, dennoch aus Ermangelung und Vernachlässigung des religiösen Moments zu erklären, weil in diesem, als einem absolut - vernünftigen und nothwendigen, die alleinige Bürgschaft eines sittlichen und social geordneten Staatslebens gegeben, weil durch dieses allein es nur ermöglicht war., Auch darin hat das Judenthum, weil die Störung dieses/iLebens durch den Abfall von Gott und der Religion beivirckt, worden, die Wiederherstellung desseleen als eine restitutio in .integrum von der Rückkehr zur väterlichen Religion und der Erscheinung eines Messias zu erwarten, dessen Haupt- oder gar alleinige Bedeutung eine religiöse ist. Das Judenthum mußte daher die Erscheinung späterer Zeit als einen Jrrthum und Rückschritt erkennen, die Störung dieses Staats- und Lebensverhältnisses in der Unvollkommenheit der Erdenverhältniffe an sich zu suchen rmd diese als eine solche zu begreifen, welche zur Erzielung eines wahren und glücklichen Lebens der Menschen eine gänzliche Abftrahirung von ihnen nothivendig mache. Es sei nicht wahr, daß wir das religiöse Moment in der Beziehung des Göttlichen und Geistigen zu den diesseitigen Erdenverhältniffen zu suchen hätten, sondern dasselbe beruhe einzig in der jenseitigen Bestimmung des Menschen, wodurch der Mensch allein sein Heil und sein Leben smde. Dies allein sei die religiöse Bedeutung des erhoffttn Messias und die Verwirklichung jener Idee sein ausschließliches Werk. Dies ist bie Grundansicht des Christenthums und ein Hauptunterscheidungsmoment desselben vom Judenthum. Um nun wieder auf die historisch-nationale Seite des Messiasbegriffes zurückzukommen, um deren Rechtfertigung wir diese Untersuchung begonnen haben: so erkennen wir nach dem Obigen die Rothwendigkeit des politisch-nationalen Elements im Judenthum als nicht zu trennende Grund'age desselben an. Wenn auch im Judenthum Gott als ein ertramundaner ohne die Welt und den'Menschen gedacht wird, so hat doch dos Judenthum seine Bedeutung darin, die Religion nur um den Menscher, und seine Erdenverhältniffe vorhanden zu denken und von derselben nur so viel zu geben, als darauf Bezug hat. Darum wird von der Unsterblichkeitslehre, welche gerade den Mittelpunkt des Christenthums bildet, bei Moses nirgends mit Bestimmtheit geredet, '.und wenn sie auch ein

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