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Der Orient · 1846-11-19 · 47 (19.11.1846) · p. Spalte 749-750

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
47 (19.11.1846)
Date
1846-11-19
Page
Spalte 749-750 (sequence 7)
Language
German
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749 750 Studien. Von dem Begriffe der Messiasidee. Dogma des Judenthums ist, so bildet ssie für den Menschen doch nur eine Hoffnung nach diesem Leben, übt aber keinen Einfluß auf die Gestalt und die Verhältnisse dieses Lebens aus. Wegen der Bedeutung, welche das politisch-nationale Element iim Judenthum hat,, kann dasselbe also auch in der Messiasidee nicht aufgegcben werden, und es ist um jener willen nur in dieser da. So ist es verständlich, warum bei den Propheten das politisch-nationale Moment der Messiasidee so sehr hervortritt, und dieselben auf die Rückkehr nach dem. gelobten Lande und die Wiederherstellung des untergegangenen Staates Hinweisen und darauf drängen. Es geschieht dies darum, weil das Judenthum ohne politisch-nationale Grundlage gar nicht möglich gedacht werden, ohne dieselbe in Wahrheit und vollkommen nicht zur Erscheinung kommen kann, weil das Judenthum als Religion nur auf die Erdenverhältnisse unseres menschlichen Lebens Bezug nimmt und in der göttlich-geistigen Beherrschung derselben sein religiöses Moment hat. Darin nun, daß das Judenthum ursprünglich nur für Palästina gegeben, oder vielmehr wirklich und reell gemacht ist, noch mehr aber darin, daß das Leben der Juden in der Zerstreuung unter Völkern und in Staaten, welche anderen Pr'nzipien huldigen, der Kirche entbehren und die Lebens- und Staatsverhältnisse nach der Willkür und dem Egoismus einrichten (Heidenthum), oder von den diesseitigen Erdenverhältnissen abstrahirend das Le-enselement einseitig in der Kirche suchen (Christenthum), — religiös nicht verwirklicht und zur Erscheinung kommen kan« , hat die Sehnsucht nach der Rückkehr und die Restituirung der jüdischen Nationalität heute, noch, wie damals Geltung und Bedeutung. Dies muß um der Prinzipien des Judenthums willen wohl beachtet werden, und es wären deßhalb sowohl die Lehrer, welche das historisch nationale Moment in der Messiasidee aufzugeben rathen, als welche es nur aus> subjektiver Gefühlsrücksicht ohne principielle Begründung 1 feßchallen zu müssen glauben zu tadeln.! Es kann zwar nach streng christlichen Prinzipien kein I weltlicher Staat zu Stande kommen, darum aber sind die j Staaten, welche nicht jüdisch sind, entweder auf heidnische? oder wie unsere christlichen Staaten, Rechts- und Sittlichj keirslehren großen Theils vom Judenthum entlehnend, auf j jüdische Principien gebaut, und wir haben unfern Widerspruch jj damit mehr der Idee und Form, als der That und Wirklich- 1 kcir nach. Außerdem begreifen wir hier, daß es falsch ist, zu j glauben, die wirkliche Errichtung des jüdischen Staates sei J blas um der Konsolidirung und Festwurzelung der mosaischen J Nrligionsidecn in dem umfangsreichcn Boden einer Nation | willen nöthig gewesen und geschehen, sondern die Nothwendig- | keilt dazu lag in den Principien des Judenthums selbst. | Man könnte zwar fragen, warum in der Messiasidee | nicht bl'.s das Allgemeine, an sich Nothwendige und Einige | festgehalten, das Politisch-Nationale aber, als das jedesmal j Besondere und Wechselnde, unter den gemeinsamen Begr ff 1 des Humanismus subsumirt, darin sich auflösend gedacht werte? 1 Es ist aber zu bemerken, daß der moderne Humanismus, dem Christenthum entgegen, — welches, von allen Erdenverhältnissen abstrahirend, die einseitige, himmlisch-religiöse Richtung verfolgt, — seine zersetzende Kraft nach der anderen Seite gerade an der Religion ausübt und ausschließlich das weltliche Leben und dessen Verhältnisse zur Geltung bringt. Der. Widerspruch, welcher darin-für das Judenthum liegt, ist der, daß dieses die Weltverhältnisse nicht in Abstraktion von der Religion,, sondern in nothwendigem Bezüge zu ihr denkt. Unwahr ist diese Anschauungsweise aber auch noch darum, weil, wenn auch das weltliche Element, als das nothwendige Substrat des menschlichen Lebens, zu Erscheinung gebracht wird, dadurch, daß der blose Humanismus zum beherrschenden Prinzip gemacht wird, jenes auch in falscher Formzur Entfaltung kommen wird und muß. Das politisch-nationale Moment in der Messiasidee mit seiner Sehnsucht nach Palästina und der Hoffnung auf Wiederherstellnng des Reiches und der damit verbundenen selbstständigen Nationalität des jüdischen Volkes hat also durchaus nicht die Bedeutung, daß nach den Begriffen und Lehren des Judenthums dieses sonst nirgends zur Erscheinung kommen könne und somit die Idee, des Universalismus ausschließe, sondern fern von allem Parrikularismus lehrt diese auch das Judenthum. Nur ist dasselbe, ohne weltliches Substrat nicht existirend, in seiner Anwendung auf Palästina zur Erscheinung gekommen und uns als solches überliefert worden, und steht mit den Principien anderer Staaten durch diese unterscheidende Eigenthümlichkeit auch heute noch in Widerspruch. Darum ist es auch falsch, die Messiasidee so zu fassen, daß die Verwirklichung derselben blos an den Juden und in Palästina zur Erscheinung komme, wofür die Religion Gottes bestimmt und auf welche sie beschränkt bleibe. Die Allgemeinheit der Idee aber, die universelle Geltung des Judenthums für alle Völker und Länder, sei ein äußerlich hmzugekommener Begriff des Messianismus z sondern dieser ist schon von vorn herein mit der Messiasidee verbunden und damit die allgemeine Anerkennung des Judenthums und Geltendmachung seiner religiösen. und politischen Principien bei allen Völkern gesetzt. Ein Universalismus aber mit einer alle Nationalität und individuelle, wie volksthümliche Besonderheit auflösenden und zersetzenden Kraft wird mit Recht hier ausgeschlossen, da jedes Land und Klima seine natiorrellen Besonderheiten und eigenthümlichen Verhältnisse, wie jedes Individuum seine persönlichen Charakterverschiedenheiten stets möglich, ja nothwendig machen wird. Wir haben cs schon gesagt, daß die häufige Hervordrängung der Messiasidee, ihre Pflege und Besprechung bei den späteren Propheten in äußerer, historischer Veranlassung ihren Grund habe, in den politischen und religiösen Sünden und dem Verfalle des jüdischen Staates. Darum fehlt auch die engere Beziehung der messianischen Idee und Hoffnung auf die Nationalität des Judenthums schon den äußerlichen Verhältnissen nach nicht, wie sie auch in der Messiasidee cm sich

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