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Der Orient · 1846-11-19 · 47 (19.11.1846) · p. Spalte 743-744

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Journal
Der Orient
Volume
1846
Issue
47 (19.11.1846)
Date
1846-11-19
Page
Spalte 743-744 (sequence 4)
Language
German
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743 Kritiken. Debarim Attikim. Salomon's Predigten. 744 Selbstgedachtem,. als vielmehr durch gute Verwendung vorhandener Stoffe. Das erste Heft des Debarim 'Attikim, die neue Ausgabe des Chobot ha-Lebabot, wie auch die durch meine Anregung und Plangebung veranstaltende neue Ausgabe des Sifte Ieschenim, sind aus diesem Geiste hervorgegangen, und der Literaturhistoriker wird diese Beiträge mit Dank annehmen. . Den Inhalt des mMp des nnm D^DJ/ eröffnet: 1) das Fragment eines alten hebr. Bücher¬ und Autoren-Verzeichnisses, welches schon in der HS. E&y D^run genannt wird. Es liegt handschriftlich in München, wurde von S. Werbluner für die Herausgabe sorgfältig abgeschrieben, und von Zunz und Rapaporr, die schon vor dem Abdrucke eine Abschrift erhalten, zuweilen mit erläuternden Anmerkungen versehen. Was den Verf. dieses Fragments anlangt, so ist er, nach einer Stelle im Fragment selbst, ein Enkel des S. Schlittstädt, des Verf.'s von 'd |Dp öder vdTiD ->^p, und er hat demnach gegen Ende des 14. Jahrhunderts gelebt. Aber wie das Fragment jetzt vorliegt, so hat es der Verf. nur zum eigenen Gebrauche rüedergeschrieben, ohne chronologische Ordnung, ohne Vollständigkeit; ein großer Theil der Fehler sind dadurch und vielleicht auch durch die Unkunde des Schreibers entstanden. , (Beschluß folgt.) 68) Der Berg des Herrn. Kanzel-Vorträge über den Decalog, von Dr. G otth o l d S a l o mo n. Hamburg, 1846. gr. 8. B. S. Berendsohn. XU. und 176 S. Bei Kanzelrednern wie Salomon, der acht und zwanzig Jahre mit unverwüstlicher Frische Meisterwerke der Kanzelrhetorik liefert, dürste es genügen, auf das Erscheinen einer neuen Predigtsammlung blos Hinzuweisel,; und in der That ist es eine schwierige Aufgabe, bei Salomon's Predigten die Grenzen eines einfachen Referates git überschreiten. Die meisten jüdischen Prediger unserer Zeit sind Salomon's Schüler; Niemand hat ihn erreicht, Alle haben aber seine Reden ftudirt und nun sollte der Meister vor dem Tribunal seiner Schüler erscheinen? Dies wäre keine vereinzelte Erscheinung. Undankbarkeit gegen die Tonangeber in den verschiedensten Zweigen der Literatur ist ein Flecken in der Kulturentwick'elung unserer Zeit. Wohl ist der Gesichtskreis erweitert und es ist auch Jüngern möglich, in einigen Punkten die Veteranen eines Bessern zu belehren. Dies ist aber das Werk der alten Lehrer. Sie haben den Weg gebahnt, und die fortbauende Jugend führt nur das Werk ihrer alten Meister aus. Allein die Jugend müßte stets eingedenk sein, daß sie aus der Schule der ältern Meister hervorgegangen und Männer wie Zunz und Rapaport sollten freudig darüber sein , daß auch jüngere Hände einige Aehren auf dem Felde der Wissenschaft, zusammenlesen und dadurch beweisen, daß die Schriften der berühmten Dioskuren wie ein mächtiger Funke den wissenschaftlichen Sinn des ftingern Geschlechtes anflammte. Referent könnte nun schließen, allein der Vers, selbst wird mit einer blosen Lobrede nicht zufrieden üin. — Am 18. Oktbr. 1819, an dem Jahrestag der großen Völkerschlacht bei Leipzig, hielt S. eine Rede, die ein Kunstwerk der Rhetorik ist. Macht der Sprache, Kraft der Rede, Klarheit des Ausdruckes, Neuheit der Behandlung, Befriedigung des Herzens, Erleuchtung des Geistes — Alles dies vereinigt die Siegesrede. Das Thema ist aber nicht schwierig und die Fülle der Jugendkraft belebte das Schlachtgemälde, die reiche Phantasie erfaßte den Sieg mit jugendlicher Gluth. Die letzten Reden, welche wir hier anzeigen, behandeln dogmatisch-moralische Themen, die viele Schwierigkeiten darbieten, welche nur eine Meisterhand bewältigen kann. Dogmatische Reden werden trocken, lassen das Gemüth kalt, wenn der Redner die Kanzel mit dem Katheder verwechselt; sie werden unklar und verworren, wenn der Redner, um die! eine Klippe zu vermeiden, ein Knecht feiner: Phantasie wird. Hier den richtigen Weg zu finden , die Klarheit der Darj stellung mit der Abrundung des dogmatischen Inhalts zu f verbinden, auf Kosten des Dogma oder der Moral die Wärf me nicht zu schmälern und der Kanzel den spröden Gedan- | Een nicht zu opfern — ist eine Kunst, die wenig Jünger! zählt. Das 5. Wort z. B. ist Jedem noch von der Schule k her geläufig; oft werden wir an die Elternliebe gemahnt; s ein ungeübter Rednerwird hier, um verständlich zu sein, [ trivial werden, oder um die Trivialität zu vermeiden, sich in t philosophische Deduktionen einlassen — Beides ein Gebrechen. \ Nun lese man, wie Salomon zu Geist und zu Herzen redet f (S. 52 ff.)! Der Selbstmord (S. 72 ff.) wird, vermöge sei- I nes Begriffes, zu einem mit philosophischen Erörterungen verbundenen Thema. Wie schwierig wird es, hier den Profeffo- | renton fern zu halten. Abgesehen, daß der Zuhörer von I vornhinein durch den Namen Selbstmord von einem gewissen | Schauder erfüllt wird, welcher der hingebenden Theilnahme [ Abbruch thut. Salomon weiß aber den Geist in eine Stim- | mung zu versetzen, die den Schauder in eine Wehmuth über | den Selbstmörder auflöst. Das 2 Wort (S. 17, unter der | Aufschrift: Der Einig-Einzige Gott, ist gewiß das schwierigste l Thema für den Prediger. Die Idee des Monotheismus geg hört in die Metaphysik; der Zuhörer verliert die Aufmerkst samkeit, sobald menschliche Beziehungen zucücktreren; diegöttjj liche Einheit ist als Dogma oder als vager Begriff jedem Juden geläufig: wie verfährt nun der Redner, um, ohne | seiner Aufgabe Abbruch zu thun, die Erhabenheit dieser Idee j seinem Publikum klar darzustellen? Ec spricht in kräftigen | Umrissen, kurz und prägnant; die eigentliche Predigt umfaßt | 4^ Seite. In dem Schweigen zeigt sich hier der kunstfertige J Redner. Wollten wir alle achtzehn Vorträge analysiren, 1 - , ' H |o wurden wir nur die Schwierigkeiten aufzeigen, die Salo- | mon überwunden hat, was am Ende wohl nicht überraschen 8 dürste. Die sprödesten Materien werden unter seiner Hand ß flüssig und der alte Salomon ist in seiner Darstellung noch I jugendlicher und frischer, als die meisten seiner Schüler. 1

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