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Der Orient · 1846-11-19 · Heft 47 (19.11.1846) · p. Seite 371

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Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 47 (19.11.1846)
Date
1846-11-19
Page
Seite 371 (sequence 13)
Language
German
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muß, bemerkt, und die schiefe Richtung, die sie nimmt, siehet. Vergleicht man die Starren, die Ambuchstabenklebenden zu Wandelnden in Nacht, die da finster, so muß man die Sabbat-Datum - Schreibcr, wo ein j£'"pp 02W OU DiVl (!) die Quintessenz der Aufklärung bekundet, zum Tag, der da nicht hell ist, vergleichen, weil die von Oben kommenden Lichtstrahlen durch dichte von kaltem Schnee der Gewissenlosigkeit oder des gefühllosen Egoismus» schwangere Wolkenmassen dergestalt verdunkelt werden, daß man Licht anzünden muß, um unter dem Aufputz und der Schminke der Bildung den Menschen oder wenigstes die n a t ü r l i ch e g e s u n d e F a r b e desselben herauszusindcn!! Wie viel leichter ist es beim Herumtappcn in der Nacht der Orthodoxie auf ein menschlich fühlendes Wesen zu stoßen! Welche lächerliche Travestie-die hiesige Aufklärung*) auf jene Deutschlands, die, auf dem festen Grunde des gewissenhaft religiösen Lebens basirt, also zunächst und vor Allem auf das umgängliche Leben — wie wir gesagt — auf das Gewissen reflektirt. Dort, je mehr man sich von dem Sinnlos- Formellen — insofern man glaubt, oder man „fühlt", es sei Nichts mehr als dies — entfernt, je mehr wird die Hcuchlerkruste des schcinrcligiösen Lebens gesprengt und abgeworfen — und in seiner reinen gewissenhaften wahrhaft menschlichen Gesinnung steht er da der Gebildete: der Mensch! So hell der Blick seines Geistes, so klar seine innern Ansichten; so offen, frei und aufrichtig der Blick seines Auges, fo; redlich seine äußern Handlungen! So wünscht ihn die Gottheit, so muß ihn die Gesellschaft haben! In S. a. Ujhely hat man vor einigen Wochen den dortigen chasidäischen Rabbiner auf einen Wagen gcpakr, und l»er Schub bis air die polnische Gränze transportirt! Das heißt doch einmal Aufklärung, das heißt Bildung, das heißt Civilisation und Fortschritt! Saget, ihr Fortschrittmänner von U. war das ein gemäßigter oder schneller Fortschritt? Es scheint in der neuern ZeitDidorors Grundsatz: Der Minorität das Recht e i n z u r ä u m e n, in Ungarn, in Bezii^ung der Aufnahme und Abschaffung der Rabbiner, Eing^ä^gefunden zu haben. Während in ^J)apa 27 Männer, trotz öem Widerspruche der ganzen Gemeinde, einen Rabbiner aufnehmen, schaffen in U. wahrscheinlich nicht mehr Männer den Rabbiner a.b! — Doch ernst gesprochen. Dieser Streich — wir nennen "ihn so, weit er sogar den Schein des Rechts entbehrt — so gerecht er vom Standpunkte der Bildung und Aufklärung aus betrachtet, einem sanguinischen Auge erscheinen mag, so ermangelt er allen Boden des Rechts, wenn wir ihn vom Gesichtspunkte des Staatsrechts, das sagt: Zehn Jahre Aufenthalt im Lande erwerben Heimaihsrecht, ansehen; ja vom Punkte der Civilisation und Menschlichkeit genau erwogen, muß er jedes menschliche Gefühl empören. Wahr, wir *) Keine Regel ohne Ausnahme. Einzelne Helle Punkte, die wie freundliche Genien aus der finstern Umhüllung hervorleuchten, treffen wir allerdings auch hier und da. S. „Or." 9*1% 7. d. I. geben zu, btr Rabbi ist — wie ihn Schreiber dieses selbst kennt, — ein eingefleischter Chasid; er ist bis in den kleinsten Pieren des Lebens verknöcherter Hyperorthodox; er lag' dem Keime der aufstrebenden Bildung so drückend und -schwer auf, daß er gleichsam, wie ein schweres Gestein auf der jungen Pflanze, sie im Werden erdrückte; aber die Menschlichkeit, die im Herzen des Juden von jeher ihre Rechte weit mehr geltend gemacht, sagt: Ihr hättet nur noch dieses Jahr, das er laut Kontrakt noch bei Euch zu sein hatte, warten, und einen Vater einer zahlreichen Familie nicht brodlos stellen sollen! Und die Civilisation sagt: Einen Rabbiner per Schub schicken ist ein Skandal, den die Geschichte 'der Juden nicht kennt, und auch verdammen muß! ntt Dn%N3 pkv mn ~\212 'n! Nun jetzt werden wir sehen, was aus der Ujheler Kostenbaumische Schule, deren krankhaften Zustand und krüppelhaftes Fortwanken man so gern dem Rabbiner zuschrieb, werden wird, da ihr diesen Stein des Anstoßes aus dem Wege geräumt, und die breite Fahrstraße zur höchsten Intelligenz auf einem bequemen zweispännigen Wagen ihr nunmehr vollkommen frei und offen steht! Gel ehrsam keil. Wie weit die Kenntniß der Tora bei einem berühmten Rabbiner der Buchstaben vergötterer reicht. — Als Jemand angeklagt ward, daß er in einer Gesellschaft geäußert: Mojes harte nicht mit Gott gesprochen, brach er unwillig in den Ausruf aus: Wie kann man denn so was sagen, da doch der So har es ausdrücklich sagt! 21 'Op Jbn Esra, eine Legende von Alexander E l s a e r. — DD'ltS' DJ?S , 3311 DVD DDIU hb |W' Dl üb ’IS Es lebt ein Rabbi hochgelehrt, Von allen Juden sehr verehrt; Doch war ihm nicht von Gott beschert Des Reichthums glänzend Erdenglück; Er wankt drum keinen Augenblick, Kehrt von der Wahrheit nicht zurück. Die Heimath sah er längst nicht mehr, Denn Wissen war nur sein Wegehr Und suchen wollt ec weise Lehr. Wohin der fromme Rabbi kam Man gerne ihn zu Gaste nahm. Geschenke nahm er nie aus Scham Und war die Noth auch noch so groß, Ja wenn vor Gram das Auge floß, Beging er niemals den Verstoß: Zu schaffen sich durch „Lehre" Hab' Und nahm auch niemals eine Gab', Nur Speis' und Trank zu seiner Lab!

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