Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1846)
- Date
- 1846-11-19
- Page
- Seite 372 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Einst ward durch Aufall ihm genannt Ein Mann, er wohnt in fernem Land, Berühmt durch Wissen und Verstands Auch war der Mann beglückt und reich, Der Rabbi spricht dann allsogleich: Will seh'n, daß ich die Stadt erreich' Und daß ich dort verweilen kann, Bei diesem frommen, reichen Mann, Es geht ja bald die Festzeit an! Nach Wochen kam er an den Ort, „Zum Weisen" war sein erstes Wort; Doch wann er kam, war Jener fort; — Ob spat ob früh, sobald es tagt, - Er nach dem reichen Rabbi fragt, Ward ihm der Zutritt stets versagt; -~ Und wenn er, um zu warten, bleibt, Der Diener ihn vom Hause treibt, So endlich an die Thür' er schreibt: „Bald bill du weg, wohl hoch zu Roß, Bald liegst du in des Schlummers Schoß, Ich bin ein Mann'von argem Loos!" Der. Reiche sah's an seiner Thür Und sprach: den Schreiber suchet mir, Ob er auch weggereist von hier! Der reiche Herr, er zürnte sehr, Drum lief sein ganzes Dienerheer ■ Und schafften schnell den Rabbi her. Und als man ihn zurückgebracht, Da saßen sie auch manche Nacht, Zu.forschen in der Tora Schacht« . Der Reiche kannte allzumal Des Armen reichen Geistesstrahl, Im Lehrhaus und beim frohen Mahl Wohl an der Gäste langem Sitz, Da floß auch mancher frohe Witz Bon seinem Mund der Geistesblitz. Doch als der Neumond wieder schien, Da sprach der Rabbi: laß mich ziehn, Weil Tage uns wie Schatten flieh'n, So Hab' gesetzt ich mir zur Pflicht, Sobald erscheint des Neumonds Licht, Zu wandern und zu bleiben nicht! Der Reiche spricht: laß dich nicht aus, Wir theilen Reichthum, Hab' und Haus, Ich liebe auch nicht Saus und Braus; Du gabst mir Lehre, bestes Gold, So nimm von mir den Freundschaftssold, Gewähre drum, was ich gewollt! Ich ziehe wandernd durch die Welt, Begehr nicht Reichthum, wünsch' nicht Geld, Die Wissenschaft mir nur gefällt! Und als im edlen Freundschaftsstreit, Verfloß des Tages schnelle Zeit, Da sprach der Ein' im argen Leid: So zieh', mein Freund, so zieht in Fried' — Die Thcäne ihm im Auge glüht — Gewähre mir nur eine Bitt! „Nimm diesen Beutel, daß die Nolh , Dir nicht versag das täglich Brod Verschmäht nicht was die Liebe bot!" Ich nehm nicht Geld, thu' mir die Lieb', Ein schwarzes Brod mir lieber gieb, Daß meinem Wort ich treu verblieb. Der Reiche brachte schnell den Laib, Gott segne dich, ein Freund mir bleib Und aus der Ferne Kunde schreib! Gesegnet sei, dein Brod ist schwer, Du nimmst es doch zurück nicht mehr, Ich nehm' es Freund, so gieb es her. Und wie er auch auf Gott vertraut, So war im Wege doch die Mauth Oucr in die Straße eingebaut. Halt Jude halt! der Zöllner fragt: — und an der Brust war er gepackt — Was hast du hinten eingestackt? — Mit keiner Haar bin ich beschwert, Die Schrift Hab' ich aufs Neu erklärt, Daß Jeder werde wohlgelehrt, Und schrieb dies alles in dies Buch, Drum komme selbst zu mir und such' Im Sack, im Sack von schlechtem Tuch. Der Zöllner drob vergnüglich lacht: Daß hast du wahrlich schlecht bedacht, Ein Rabbi hat den Zoll im Pacht, Der Bücher wohl zu schätzen weiß, Sie stehen meist im hohen Preis, So zahl den Zoll auf deiner Reis! Der arme Rabbi nicht lang sann, Er hat nichts, was er reichen kann Und gab sein Brod dem Zöllnersmann. Dem Zöllner jchien dies wunderbar, Er nimmt das Brod, zerbricht es gar, Was stellt sich seinem Auge dar. Gefesselt weilt der trunkne Blick, An vielen hundert Guldenstück. Er lief zu künden dieses Glück Schnell in die Stadt, sie war nicht fern Zum Rabbi seinem reichen Herrn, Denn schönen Zoll, sah dieser gern. Doch dieses Brod das kennt er schon, .y'b Er gabs dem Abram Meirs Sohn Und dieser nahm nie schnöden Lohn. Personalchronik und Miseellen. Prag. So eben hat sich hier auf unserer Hochschule ein Skandal zugetragen, das wir hier noch nicht gesehen. Ein Prof. Francesco n i, Lehrer der ital. Sprache, kam auf den drolligen Einsall, die israel. Zuhörer im Auditorium auf eine besondere Ghetto-Bank zu verweisen. Die jüd. Studenten leisteten.Widerstand, der Prof, wie die Juden führten Klage und die Studienbehörde mußte sich ins Mittel schlagen. Nächstens erhalten Sie darüber einen authentischen Bericht. Verlag von L. Fritzsche. Druck von I. H. N a g e l.