Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1846)
- Date
- 1846-11-19
- Page
- Seite 370 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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370 KonManalrach, Prälat und Domscholaster w. Denn wir erhalten durch die Bildung dieser neuen Lehranstalt nicht nur eine für das Leben wohlvorbcreitete Jugend; sondern es dürste auch unserer Gemeinde eine neue wahrhaft gebildte Generation hcrangcbildet werden. A... ' Don der Theiß, im Oktbr. Ohne alle Rcftekxiouen und Beurtheilungerl berichte ich Ihnen ein trockenes Faktum, das sich aus der blutigen Flagelauten-Zeit heraus- und in unser gutes, aufgeklärtes, menschenfreundliches Zeitalter h i n ein verloren zu haben scheint! Und das noch, nach den: freien Ungarlairde! In unscrm Nachbarkomitate SaroS, sitzt der chasidäische Rabbi Michel Kurume seit dem 23. v. M., also über d'\ wo man ihli aus sichere Garantie nicht herauslassen wollte, in Arrest unter strengem Gewahrsam, weil er einen Convertiten zur Apostasie verieitet oder verleiten wollte! Das Geschichtchcn, wie es der Konv. — o h n e alle fernere Belege — erzählt, auf we l ch e Weise man ihn bereden wollte, ist zu amüsant, als daß wir es nicht, so wir es genau erfahren, der Oeffeiltlichkeit übergeben sollten. Es ist ein würdiges Seitenstück zu jener Mädchenraubgeschichte in Baiern. — Kasch au, im Nov. Endlich ist nach einem anderthalbjährigen Ringen im schweren Kampfe gegen den herannahenden Tod, und zwar nicht von Seiten der Orthodoxie verursacht, sondern von jenen Nr. 22 d. Bl. benannten Schnurrbart-Neologen berbeigeführt. die Sebeser Schule unter gegangen und in ein besseres Nichts . ü b e r gegangen. Wir sagen: „ei n be ssere s Nichts, " weil das „Nichts" oder besser „Nichtsein" einer Schule bei benannten Pseudo-Aufgeklärten und Konsorten, für die armen Lehrer, wer sie immer sein mögen, allerdings weit besser ist, indem sie nicht, wie der Strauß/ dessen Prozeß wegen eines bedeutenden Gehaltrückstandes wo ch.immer obschwebt, durch den Köder: „Schule" angelockt werden, wo nach jahrelangem Arbeiten sie — nicht bezahlt werden! Wie ein in den Strom Fallender, der von einem am Ufer stehendem Freunde gehalten wird, damit die andrängenden Wellen ihn nicht mit sich fortreißen, so aber jenen die Kräfte verlassen, er augenblicklich in den Tod sinkt: so hielt der arme Lehrer jene Schule anderthalb Jahre aufrecht; kaum aber abgetreten, stürzte sie in den Strom der Nachlässigkeit, weggeschwemmt von .den Wellen des schmutzigen Eigennutzes einiger Menschen. Trauriges Loos eines hiesigen jüdischen Lehrers! Wahrlich, wenn es bei den Alten hieß: „Den die Götter verdammen, den machen sie zum Pädagogen, so muß es bei uns heißen: Den Gott verdammen und an Körper und Geist für Seit und Ewigkeit vernichten will, den verweiset er als Lehrer bei den Juden in die hiesige Gegend!! Da heißt es: „Gehen Sie unterrichten! Bei Gott, jede Stunde Versäumniß wird ihnen abgezogen!" „Aber zahlen Sie mir doch, ich muß ja leben". „Ich will nicht!" lautet die gewöhnliche Antwort. „Nun so muß, ich das Gericht zuj Hilfe rufen." „„So gehen Sie! Es wird mir doch nicht schaden"".' _ Dennoch ist es einem Menschen von Charakter und Ehrgefühl, dem —- weil er nicht handwerkerartig arbeitet — mehr daran liegt, wo möglich zur Förderung des Wohles seiner Glaubensgenossen sein Schärflein nach Kräften beitragen zu können und wenn auch nicht Anerkennung zu finden, doch schnöden Undank unmöglich ertragen kann, noch nicht das Aergsie. Hat der Arme sich ein volles Semester, nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit deren „ Tatcs" u. „ Mames", denen das „Harschele" um sieben Uhr Morgens zu spät in die, und um sechs Uhr Abends zu früh aus der Schule kömmt, die also jeden Augenblick mit Klagen bei der Hand sind, durchgeplagt; hat er seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt und aus rohen Massen, die man wildes Fleisch des gesellschaftlichen Körpers, nicht unpassend nennen könnte, Menschen gebildet und sie sogar zu einer öffentlichen Prüfung, die in Gegenwart gewissenhafter Sachkenner abgehalcen, ihm zur hohen Ehre gereichen müßte, vorbereitet: da wird ein sogenannter „geschickter Mensch" zum Eraminiren geholt, der in der Regel von pädagogischen Fache Nichts weiß; ja zuweilen so eine Art „Seldstgedildeter", der niemals irgend eine Schule gesehen, vielweniger besucht! Und dieser soll urthcilen! Von di.esem hängt nicht selten das Wohl und Wehe des Unglücklichen ab! Und wie oft drängt sich nicht auch noch Privatinteresse ins Spiel! Denn je weniger dieser Herr vom S ch u l w e se n verstehet, je weniger er im Allgemeinen weiß, je mehr will er s i ch hervorthun; nicht die Kinder will er prüsin, nein, dem Lehrer will er aus den Zahn fühlen und seiner eigenen Geschicklichkeit will er in den Augen des gaffenden Pöbels Geltung verschaffen.- Wir könnten Thatsachen an führen und zeigen wie weit sich eine elende Arroganz und eine gemeingeisterische Sichberühmtmachecei sich vermessen kann! Aber ich will «hier nur im Allgemeinen die Schule charakterisiren. — Und so — ist der Lehrer mit ermüdetem und abgemattetem Körper, doch mit der gerechten Hoffnung einer lohnenden Anerkennung zur Prüfung geschritten, geht er, anstatt ermuntert, mit niedergeschlagenem Gemüthe, im Gefühle des erlittenen Undankes von dannen! Wir glauben nun mit Recht die hochwichtige Lebensfrage aufstellen zu dürfen: Ist es möglich, können die Kinder — von den Eltern kann wohl die Rede nicht mehr sein — solcher aufgeklärter Religions-Stürmer je zu der Stufe gelangen, worauf sie stehen müssen, wenn sie vom Staate Anerkennung zu fordern berechtigt sein wollen, da ihre Erzieher, die sie zu diesem Rechte befähigen sollen, von dem redlichen Geschäfte auf so schnöde Weise zurückgedrängt werden? Denn welcher brave Lehrer, der seiner Fähigkeiten bewußt, kann und wird sich so knechten lassen?- Überhaupt ist es traurig, wenn man den falschen Gang der sogenannten Aufklärung, die, soll sie wahrhaft sein, vor Allem auf das Gewissen die kräftigste Einwirkung ausüben