Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1846)
- Date
- 1846-11-19
- Page
- Seite 369 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I fi % | i - 369 - des Juden thums übertragen wurde, und nicht wenig dazu beitragt, daß inan sich derlei Studien, als eine öde und nnwirthbare Stelle denkt, von keinem freundlichen Strahl beleuchtet, von keines froher: Wanderers Fuß betreten". Zum Schluß des Vortrags fügte der Redner noch fol-- gende Worte hinzu. ,,Was nun mich betrifft, der ich die lernbegierigen Jünglinge in das Gebiet der Literatur und hebräischen Sprache einzuführen habe, so muß ich es gestehen, daß ich es als eine günstige Fügung des Himmels, als eine göttliche Gnade betrachte, daß ich der erste Jude bin, dem der schöne und höchst ehrenvolle Beruf zu Theil wurde, an dieser altwürdigeu Hochschule als Lehrer aufzutreten. Aber wie cs überhaupt nichts Neues unter der Senne ist, so ist es auch hier der Fall; schon in den frühesten Jahrhunderten haben es die größten Männer nicht verschmäht, sich von jüdischen Lehrern in das Gebiet jüdischer Wissenschaft ein führen zu lassen n\ n\ re. Professor Dell tz s ch zu Rostock wurde von dem schätzenswerthen Redakteur d. Bl. Dr. Jul. Fürst in der hebr. Sprache unterrichtet". Noch mehre bemerkenswerthe Stellen ans diesem gehaltvollem Vortrage könnten wir anführen, wenn es der Raum dieser Blätter gestatten würde. Werfen wir nun einen unbefangenen und vorurteilsfreien Blick auf den ganzen Hergang dieses Ereignisses, so stellt es sich klar heraus, daß die Juden in den österreichischen Staaten durch die Ereirung dieser Lehrkanzel und durch die Ernennung eines Juden zum Professor dieses Lehrstuhles mehr gewonnen als verloren haben dürften. Denn man dürfte dadurch doch endlich die Ueberzcugung erlangen, daß konfessionelle Rücksichten bei Besetzung anderweitiger Lehrkanzeln nicht so hoch in Anschlag zu bringen, und auch gelehrten und befähigten Männern jüdischer Religion, Lehrämter mit Beruhigung anvertrauet werde:: können. Die Ehrenämter eines Censors, Translators und Professors der hebräischen Sprache sind ja durch die Belehrung und Verbreitung hebr. Sprache und Literatur unter den christlichen Studirenden, den Juden nicht benommen, nur die Konkurrenz kann gesteigert werden, die Kompetenz bleibt dieselbe. Die Regierung wird caeleris paribus bei Besetzung solcher Aeinter immer Juden die Kompetenz und bevorzugte Befähigung einräulnen, und es dürfte in der Folge das in ungezwungener Weise geschehen, was früher nur aus besonder:: Verhältnissen veranlaßt wurde. Wir finden daher die bekannten Kontroversen zwischen Hrn. Dr. Wessely und Hrn. Dr. Frankel recht unerquicklich. Beide Herren sind zu hochgestellt, um unfern Feinden von Innen und Aussen ein unterhaltendes Thema zu bieten. — Duobus judicanlihus, terUns gaudet. — Mißverständnisse, die gewöhnlichen Erzeuger jedes Unfriedens dürften auch hier keine untergeordnete Rolle spie- ...len, wir dringen daher auch hier auf eine bessere gegenseitige Verständigung und — Aussöhnung, und erinnern diese beiden gelehrten Herren an folgende Stelle im Talmud: R. Chijja bar Abba behauptet: sogar Vater und Sohn oder Lehrer und Schüler, welche an einem Platze sich mit dem Studium beschäftigen und Feinde wurden, dürfen nicht von der Stelle, bis sie Freunde werden (Kidd. 15). 2~\n 1131 3NH I^DNI JON 13 ion;1 ION ni nN nr cPNjrcy twyjt INN 1M3 mim D’poyw jwrp) nr dn nt dohn dwjw ny dpb d^n .(10 N pD Nun haben wir noch eines zweiten beachtenswerthen Instituts für die hebräische Sprache und das Bibelfach in Erwähnung zu bringen. Es ist hier an der Jöraeliten- Hauptschule zu Prag ein außerordentlicher Lehrkurs für die benannten Fächer eröffnet, wo den Schülern der Elementarklasse, das Buchstabenkennen, Syllabiren und Lesen des Hebräischen; den Schülern der ersten und zweiten Klasse das Ueberfctzen der Gebete, Bruchstücke aus der Genesis, aus dem E.rodns, die hebr. Grammatik und endlich den fähiger:: Schülern die Psalmen vorgetragen werden. Die abgehältene Prüfung gab das schönste Zeugniß von dem rastlosen und wahrhaft anerkennenswerthen Eifer des Lehrers Hrn. Lewitt. Möge die Anstatt bei den Gemeindemitgliedern sich einer kräftigen Theilnahme erfreuen. Doch blieb uns noch, unverhohlen gesagt, manches zu wünschen übrig; so bildet die Einführung einer allgemein anerkannten bessern Aussprache des Hebräischen — die portugiesische Aussprache einen Artikel, der allgemein und allseitig gewürdigt zu werden verdient. — Nicht mindere Beachtung verdient die mit nicht geringen Anstrengungen ins Leben gerufene höhere Bürgerschule für israelitische Mädchen, wo nächst der religiösen Moral der Mädchen, Styl, Geographie, Naturlehre und Naturgeschichte, vorgetragen wird. Die am Ende des Sommerkurseö abgehaltene Prüfung lieferte erfreuliche Resultate, und Hr. Lehrer Lewitt erwarb sich dabei Lorbeeren, die zur ferneren Thätigkeit aufmunternd für ihn sein mögen. Doch danken diese erfreuliche Ergebnisse ihre kräftige Unterstützung vorzüglichst dem Hrn. Direktor Winternitz, indem derselbe die hohe Bedeutung einer höher:: Bürgerschule anerkennend und wohleinfehend, daß in deren Hebung ein nicht geringe zu beachtender geistiger Aufschwung der weiblichen Jugend beruhe, sich werkthätigst bei den hohen Behörden dafür verwandte, und unsere väterliche und humane Landesregierung, die das wahre Wohl sämmtlicher Bürger mit Eifer immerzu befördern strebt, ertheilte auch hierzu bereitlvilligst die Koneession. Einen allseitigen und wahrhaft anzuerkennenden Dank aber um die Hebung und Aufrechthaltung dieser Bildungsanstalt, verdient der eben wissenschaftlich hochgebildete als human, mit rein christlicher Bruderliebe, das Wohl aller ihm anvertrauten Zöglinge, befördernde k. k. Schuloberaufseher Hr. Joseph Rauch, wirklich.