Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1846-11-19 · Heft 47 (19.11.1846) · p. Seite 366

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 47 (19.11.1846)
Date
1846-11-19
Page
Seite 366 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2360092-2360418-2360466--5680-3532715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

366 und in andern Synagogen ccit Unterkommen suchen. Ja der Rückzug aus dieser Synagoge würde schaarenweise geschehen, lvcnn eine gleich große Synagoge offenstüllde, die Ausgetretenen aufzunehmen. DasBedürfniß nach einer großen Gemeindesynagoge wird mit jedem Tage dringender und es ist vorauszusehen, daß die Präliminarien zu einem dauernden Frieden in der Gemeinde, die in jüngster Zeit von dem Obervorsteherkotlegium und dem Konnte der Konservativen gemeinschaftlich berathen wurden, auch auf dieses Bedürsniß ihr Augenmerk richten werden. Sie wundern sich vielleicht, wie nun mit einemmale hier von Frieden die Rede ist, hier irr der Gemeinde des siebenjährigen Religionskrieges. Ganz einfach. Der geigcrianische Vorstand, dem vom Ministerium die Entscheidung zugekommen, daß Tiktin für seine Partei als Rabbiner bestätigt ist, wie Geiger als Rabbinatsassessor für seine Partei, und daß eö dem erstem unverwehrt ist, sämmtliche rabbinisehe Funktionen zu vollziehen, ja, daß die Wahl'eines Rabbiners, die auf Fasset gefallen war, hiermit erledigt ist, sieht sieh jetzt genöthigt, klein nachzugeben. Welche Macht besitzt noch ein Vorstand, dem ungestraft nicht nur der Gehorsam aufgesagt, sondern auch die Geldbeiträge aufgeküudigt werden können, und der also nicht über eine Kasse zu disponireu vermag? So viel über die erwähnten Präliminarien verlautet, soll die Gemeindeverwaltung vom Kultus getrennt werden. Der zu wählende neue Vorstand -soll lediglich die Finanzverwaltung unter sich haben, für Kultus, Rabbiner und andere Funktionäre hat jede Partei zu sorgen, so daß Geiger sein Salär nicht mehr aus der Gemeindekasse beziehet! soll, sondern von den Beiträgen seiner Anhänger. Auf diese Weise soll der Friede zu Stande gebracht werden, und der Gewinn erzielt werden, daß die Armuth durch die Nabbinerstreitigkeiten nicht ferner leide. Zur Berathnug dieses Projekts hielt das Obervorsteherkollegium dieser Tage eine Plenarsitzung. Uebrigeus sotten die meisten Mitglieder dieses Kollegiums gesonnen sein, aus den: Vorstand zu-treten. — Die Auszeichnung, die der König bei seiner letzten Anwesenheit in Schlesien, den loyalen Beamten und Bürgern zu Theil werden 'ließ, ist auch einigen jüdischen Bürgern zugefallen. Drei jüdische Kaufleute wurden zu Kommerzienräthen ernannt und Dr. G utLe n ta g von hier, einer der bewährtesten unb gesuchtesten Aerzte in- und außerhalb Breslaus, dem die leidende Menschheit zu Dank verpflichtet ist, erhielt den Titel S a n i t ä t ö r a t h; wohl der erste jüdische Arzt in Preußen. i M. Stettin, im Oktbr. Sie haben, geehrter Herr Redakteur, seit, langer Zeit kein Referat von mir erhalten, und zwar deshalb weit ich es nicht angemessen sinde, jede Kleinigkeit der Oeffentlichkeit zu übergeben, und Dingen Wichtigkeit beizulegen, die dem großem Publikum ganz gleichgittig sind; da nun aber in den Kuttusangelcgenheiten hiesiger Gemeinde eiü neuer Zeitabschnitt eingctrcten, so nehme'ich Veranlassung Ihnen Folgendes zur gefälligen. Aufnahme in Ihre -geschätzte Zeitschrift 51t berichten. — Bereits im vergangenen Jahre wurde in hiesiger Gemeinde der Anfang zum regelmäßigen Gottesdienst in der Synagoge durch Errichtung eines Gesangchors gemacht, der zwar nur aus Dilettanten besteht, dennoch aber Vorzügliches leistet und mit großer Pünktlichkeit und dankenSwerther Mühe den Gottesdienst verherrlicht, welcher dadurch an Ruhe und Anstand bedeutend gewonnen hat. — In Anerkennung der Verdienste des Gesangchors, hat die Gemeinde für denselben vor Kurzem eine elegante erhöhte Loge in der Synagoge erbauen lassen, und so wirket derselbe nun ungestört mit wahrhaftem Eifer beim Gottesdienste. — Aber auch zur anderweitigen Verbesserung des Kultus' ist bei uns Vieles geschehen, indem die Gemeinde vor einigen Monaten in einer General-Versammlung sämmtlicherMitglieder einstimmig beschlossen hat, denselben durch Weglassen der Pijjntim u. dgl., würdevoller zu gestalten. Ich erlaube mir nun Ihnen hierbei ein Exemplar der seit vergangenen Sonnabend Parascha Noach, in Kraft getretenen Ku ltus ordnu ng für die Wochentage und gewöhnlichen Sabbate zu übersenden, und. kann die Bemerkung nicht zurück halten, daß es wohl wenige Gemeinden geben dürfte, wo zeitgemäße Reformen so ganz ohne Opposition in völliger Eintracht und in Frieden eingeführt worden sind wie in hiesiger ©cntcntbc; — daß dazu die häufigen homiletifcheu Vorträge, welche unser würdiger Rabbiner allwöchentlich hält, hauptsächlich beitragen, erkennt Jeder an, dein die hiesigen Verhältnisse nur irgend bekannt sind; stets ist unser Herr Dr. Meiset für das Bessere bemüht, und Gottlob seine Mühe ist nicht fruchtlos, denn auch die älteren in ihren Gewohnheiten ergrauten Mitglieder hiesiger Gemeinde wenden sich mit Bereitwilligkeit dem Verbessern des Kultus zu, was wohl mit Dank anerkannt werden muß. — Mögen alle Gemeinden so in Eintracht und Frieden das Bessere annehmen wie die hiesigen, bann würde Israel bald die völlige Achtung anderer Konfessionen erringen und sich den Weg zur Emaneipation mehr und mehr ebnen. — — 30. Das Hierüber zur Oeffentlichkeit für die Gemeinde gebrachte lautet: „Kultus or dnuug für den Gottesdienst in der Synagoge zu Stettin, an Wochentagen und gewöhnlichen Sabbaten. I. Die Besucher des Gotteshauses haben: a. jedes Verweilen auf dem Vorhefe der Synagoge vor und während des Gottesdienstes zu vermeiden; ü. jedes Geräusch beim Kommen und Gehen auf den: Hose und in der Synagoge zu verhüten; ei die p^sn in der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.