Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1846)
- Date
- 1846-11-19
- Page
- Seite 365 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2360092-2360418-2360466--5679-3532714- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Berichte, Studien und Kritiken Siebenter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur» Herausgegeben von Dr» Julius Fürst. H Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Üiteraturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. ko 47. Leipzig, den 19. November 184«. Inhalt. Deutschland. Breslau Nachwirkung der N.V. Zwei Könige. Auszeichnungen. Dr. Gutentag. Stettin. Neue Kultusordnung. Württemberg. Ueber den Selbstmord I» Levi. Schul- und Ständewesen. Grabsteine. Frankfurt a. M. Nekrolog des Rabbiner Trier. — Oesterreich. Prag. Antrittsrede des Dr. Wessely. Schulwesen. Von der Theiß. Eine Konvertitengeschichte. Kasch au. Schulwesen. Die Aufklärung und ein Rabbiner per Schub. Der Sohar. — Jbn- Esta. Eine Legende von Alex. El saß er. — Persoualchronik und Miscellen. Prag. — LB. d. Or. Deutschland. Bveslenr, 27. Oktbr. Sie verlangen durchaus Nachrichten über die Zllstände unserer Gemeinde und wollen nicht glauben, daß die bekannt ge w ord en e n Thatsachen kaum cineö Dintentropfeus werth jmb, die unbekannt gebliebenen aber noch «icht flügge genug find, um sie in die Oeffentlichkeit hinausflattern zu lassen? Ich bin Ihnen willfährig, aber ich stehe nicht dafür, daß Ihre Leser den Artikel als zu unbedeutend überschlagen und ihn nur als Lückenbüßer betrachte:? werden. — Der Orient hat ausführliche Berichte aus Frankfurt a. M. über die Zweitefeiertags-Stürmerei gebracht, und wenn die Leser diese Berichte verfolgt haben, so haben sie eine wörtliche Kopie der Vorgänge in der silbe.rsteiuischen Gemeinde: tont coinme chez nous. Die Kapuzinerpredigt gegen beit vjttf diü Ov, der feiertägige Gottesdienst — bis auf temp und by nrro by) mnn, und heilige Bäffchen, die weggeblieben sind — der fanatische Bekchrungseifer, einige schwache Kaufleute für die Ocffnnng ihrer Boutiquen zu gewinnen, ja sogar der dreijährige Cyklus und die wässrige Übersetzung der Paraschen, es trifft Punkt für Punkt zu. Es scheint also, daß die wandernde Karavane der Rabbinerversammlung vor ihrem Auseinandergehen Waffenstillstand geschlossen und sich das Wort gegeben hat, muthiger ihre Beschlüsse durchzu setzen, als man es bisher an ihnen gewohnt war. Woher käme denn sonst das einträchtige einstimmige Handeln am Main u::d an der Oder? Sah' man in den Sitzungen der Versammlung nicht selten den bibelgläubigen Stein mit einem Jllgrimm auf den sich in seinem Präsidentenstuhl wiegetlden Präsidenten blicken und ihn mit barscher Stimme zu Rede stellen, das nichts weniger als eine entente cordiale verrieth? Und woher jetzt die Einhelligkeit, frage ich noch einmal? Oder war die wüthige Gegnerschaft nur eine verabredete Förmlichkeit, um in die trockenen Debatten ein wenig Abwechselung zu bringen und die Klopffechterei sollte nichts anderes vorstellen, als ein Bühnenduell, wo die Duellanten nur vor den Augen des Publikums auf einander mörderlich eindringen) hinter den Kulissen aber sich die Hände drnkken? Ich muß für diese Digression um Verzeihung bitten, allein ich gestehe Ihnen, daß dieses Einverständniß zweier Hauptmitglieder derR.-V., die im Prinzipe nichts weniger als einverstanden sind, mich aufs höchste überrascht hat, und mir die Ueberzeugung aufdringt, daß die Schritte dieser Herren mit mehr Ausincrksamkeit verfolgt werden müssen. Der gefährlichste Feind wird erst der, den man mit Geringschätzung als unbedeutend behandelt: Caveant consules. Um wieder auf den Ausgangspunkt zurückzukommen, so muß ich hinzufügen, daß die hiesigen Vorgänge doch in einem Punkte von denen in Frankfurt abzuweichen scheinen, daß nämlich mehrere Stammgäste der silbcrsteinischen Synagoge, aus Unzufriedenheit mit dem Reform-Possenspiel, diese Synagoge verlassen, 47