Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1846)
- Date
- 1846-11-12
- Page
- Seite 363 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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363 urtheilt, mancher Unterrichtszweig ^durch Vorträge nach allen Seiten hin beteueret wird, stiftet diese Konferenz unter dem Segen des Himmels auf die gehorsammst angeführte Weise manches Gute und Treffliche und fühlt sich .der ganze Konsistoriatsprengel Einer König!, hochlöblichen Regierung für das verehrliche Schreiben vom 16. Juni d. I. zum herzlichsten Danke verpflichtet; denn jetzt wird, wie der berühmte Wurst sich ausdrückt, unter den Lehrern ein ernstes Streben nach kernhafter gründlicher Bildung rege gemacht, die allerdings Anstrengung, Ausdauer und Beharrlichkeit fordert, aber durchaus nothwendig ist, wenn eine unheilbare Verflachung alles höhern geistigen Lebens und Strebens verhütet und jene sittliche und religiöse Kraft wieder erzeugt werden soll, ohne welche die Schulen nimmer und nie zum wahren Segen der Menschheit wirken werden." Der Ober-Rabbiner des Konsistorial - Bezirkes, L. B o d e n h e i m e r. Hamburg, im Oktober. (Zur Berichtigung). In Nr. 246 eines Hamburger Blattes', berichtet uns ein Schreiben aus Schwerin, daß der dortige Landes- Rabbiner Hold he im seine Stellung als solcher aufgegeben habe, und bei dem Berliner Reform-Verein als Prediger angestellt worden sei. Dieser Schritt eines allgemein geachteten Mannes heißt es, habe großes Bedauern erregt, da H. so viel für das jüdische Schulwesen und die Synagoge gethan, wobei er so sehr von der Landes - Regierung unterstützt worden. „Holdheim's Grundsatz war Nächstenliebe, deshalb verwarf er auch die Gebete, in denen noch Flüche gegen die Nicht-Juden vorkamen. Das war es aber eben, was ein Theil der mecklenburgischen Juden am wenigsten verzeihen konnte." So weit der Bericht. Ich erkläre aber hiermit auf's Feierlichste , daß nicht Eine Sylbe an diesem Bericht wahr ist. H. war nicht allgemein geachtet, .und konnte es bei seinen Lehren nicht sein. Von den Religiösen, deffen Rabbiner er doch sein sollte, konnte sich nicht Einer mit ihm befreunden. Er, ein Sohn des Talmuds, der sogar eine Berühmtheit darin erlangte, die ihm zum Priestergewande verhalt, behauptete in Rede und Schrift, daß der Talmud Meineid und Trug lehre, die Würde der Frauen verletze, und überhaupt den Weg zur Moral nicht kenne und auch nicht mehr in Achtung beim Volke stehe. Vergebens bewiesen ihm R appaport, Frankel, Hirsch in Emden und mehrere andere anerkannte Gelehrte das Unrichtige und Falsche seiner Anklage, die nur eines Eisenmengers würdig sei; er blieb bei seinem Jrrthum. Ja, um seine völlige Verachtung gegen die dem Juden so heilige Tradition öffentlich zu beurkunden, schlug er in der letzten Rabbiner-Versammlung in Breslau vor, den Sabbat auf den Sonntag zu verlegen. Und aus eben dieser Verachtung gebt er zu einem Verein über, der, wie bekannt, sich ganz außerhalb des traditionellen Judenthums gestellt, und auch die Schrift nur theilweife anerkennt, und daher auch in Berlin nur^wenig und in der übrigen Judenheit gar keinen Anklang findet. Konnte ein solcher Mann sich allgemeine Achtung verschaffen? Daß er aber von der Landes-Regierung so sehr unterstützt worden, auch dies ist ungegründet. Im Gegentheil, die humane Regierung sah ein, daß die Klage der Religiösen in der Schweriner Gemeinde gerecht sei, und erlaubte, durch Vermittelung eines hochgestellten christlichen Predigers, daß diese Gekränkten Holdheim's Synagoge verlassen und ihre Andacht in einem besondern Lokale halten dürfen. Auch das, was er für Schule und Synagoge gethan, verdient keiner besondern Beachtung. Das geschieht jetzt in der ganzen Judenheit. Außer in Hamburg und Altona hat die Synagoge in allen großen Gemeinden Deutschlands, Frankreichs und Englands die nöthige Reform erhalten. Freilich nicht a la Holdheim. Alles dieses bewog nun den nicht so allgemein geachteten Mann, eine Stellung aufzugeben, die auch ihm nicht behaglich sein und wo er von seiner Aussaat keine Früchte erwarten konnte, zudem pekuniäre Vortheile keinen Reiz für ihn haben. Die Behauptung des Berichterstatters aber, daß in unseren Gebeten noch Flüche gegen die Nicht-Juden Vorkommen, kann aus keiner jüdischen Feder geflossen sein. Jeder Jude weiß, und selbst H o l d h e i m wird es bezeugen, daß die heiligen Gebete, die uns die Synagoge Magna in die Hände gab, retli von solcher Abscheulichkeit seien. Im Gegentheil: so wir zue Zeit des Tempels in Jerusalem, besondere Opfer darbrachten für das Heil aller Völker, so beten wir jetzt für deren Wohlfahrt. Aus ein solches Gebetbuch dürfen wir stolz sein; denn es ward zu einer Zeit verfaßt, wo die schwere Hand der Völker grausam und blutig auf uns lag. Konnte da nicht dem bedrängten Herzen des unschuldig Leidenden eine Verwünschung entschlüpfen? Das geschah aber nicht! Moses Mendelfon. Hamburg, 1. Nov. Mit Verwundern wurde es hier bemerkt, daß Sie Ihren treuen Mitarbeiter im Weinberge des Orients, den Hrn. Ed. Cohn ganz vergessen haben. Wenn Sie erlauben, werde ich Sie an ihn erinnern. Hr. Cohn verwendet alle seine Kräfte auf sein Blatt: „Der Jude in Deutschlande Gegenwart." Wenn Sie ein umfassendes politisch-sociales Leben der Juden zu sehen wünschen, so lesen Sie das Blatt ihres Mitarbeiters. Für den Anktang, dm das Blatt findet, spricht der Umstand, daß viele ehrenwerthe christliche Mitarbeiter sich Hrn. Cohn angeschlossen haben. — Unser Rabbiner feierte sein Jubiläum und die Michael'sche Bibliothek wird nach England auswandern. Berlin, 2. Nov. Die Kasse der Genossenschaft soll krank darniederliegen und wenn nicht einige reiche Aerzte sich ihrer angenommen hätten, wäre sie eine Beute des Todes geworden. — Vom Rabbinatsaffessor Sachs soll ein Werk über den Midrasch erscheinen, von dem man sich viel verspricht. Der.Eifer für die neue Synagoge ist im Steigen. Sie soll