Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1846)
- Date
- 1846-11-12
- Page
- Seite 362 (sequence 11)
- Language
- German
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362 Wenn es sich allerdings nicht leugnen läßt, idaß die meisten jetzt fungirenden Lehrer, welche ihr Studium auf dem Gemiliariuip zu Münster: unter der Direktion des Herrn Professor Haindorf gemacht haben, die erforderliche pädagogische Borbildung zu ihrem schweren Berufe besitzen und sich in den hebräischen, und hauptsächlich in den deutschen Wissenschaften so viele Kenntnisse erwarben haben, unfeinen gründliche.« Wt erricht in diesen Fächern erthe.i.len zu könnenz so entgeht dem Inspektor doch an so vielen Stellen der Mangel eines geeigneten Unterrichtsplanes nicht, und die Entwerfuug eines loschen ist.,/ nach dem Aussprüche eines wachern Schu.lman.nech für das Gedeihen des. Unterrichts von größter Wichtigkeit, denn ohne ein bestimmtes vorgestecktes Ziel und ohne Vorzeichnung eines, bestimmten Unterrichtsweges, der stufenweise bis Mn Ziele führt, arbeitet man ins Weite und Blaue hinein, es k.ommt kein Ebenmaaß und kein richtiges Verhältniß in. dieeinzelnen Zweige des. Unterrichtes, der eine Gegenstand wird vielleicht, zu. ^ausführlich behandelte während man den andern allzu.kurz abfertigt. " Ebenso offenbart sich hie und dg dem Schulvorstande der gänzl.iche Mangel eines zweckmäßigen Stunden- und Lek.tiqnsplanes, in welchem nicht allein die Asst? die einem jeden Gegenstände und einer jeden Klasse gewidmet, sondern auch die Aufeinanderfolge der vorzutragenden Gegenstände genau angegeben ist« Zu diesen bedeutenden Mängeln gesellt sich gewöhnlich noch daß Mißvcrhältniß, daß über die in der Schule zu gebrauchenden Bücher keine Bestimmung vorliegt, es vielmehr bis jetzt der Ansicht' eines jeden Lehrers überlassen blieb, nach Gutdünken -Bücher einzuführen, wodurch es sich nicht selten ereignete, daß man sich eines Buches als Leitfadens bediente, dem jeder innere Gehalt und^jede systematische Bearbeitung abgeht, und daß die Schüler in den verschiedenen Gemeinden nach den verschiedensten Werken unterrichtet werden; und wenn auch diese MannigMigkeitnach der Meinungeiniger Volkslehrer keinen Schaden erzeugt-, so bleibt es doch immerhin sehr wünschenswerth , daß bezüglich der-Rettgivnssäch-er eine Uebereinstimmung- und Harmonie Ln den Schulbüchern durch einen Verwaltungsbezirk herrsche. D. Die- Mirdigung, des Schulwesenswelcheals Haupt-- elcment und. Hauptbasis dev Belebung und- Hebungdesselben betrachttt werden muß, setzt aberauch einen Sinn für wissen-- schastliche Bildung im Allgemeinen voraus unddarf mit Recht auch in dieser Beziehung-als Uebel anerkannt werden, daß aus demplatten- Lande, mit wenigersehr ehrenwerthen Ausnahmen, kaumdie ersten- Anfänge davon-wahrzunehmen, kaumdieersten- Spuren davon sichtbarsind, welches einzig und allein daher-rührt, weil gutedeutsche Werke dort nochselten- Eingangs gesunden haben und selbst-von Seiten dev jüdischen- Geistlichen nie der Versuch gemacht worden ist, gediegenereligiöse, moralische, pädagogische- oderhistorische- Bücher bei den israelitischen-Bewohnern-des platten Landes ttrculiren zu- - lassen, odev Lesevereine zu bilden, welchedie- Anlegungguter- Volksdibliotheken zur -Folge haben. War es nun dem ehrerbietigst Unterzeichneten Rabbiner vergönnt, die Aufmerksamkeit Einer Königl. hochlöblkchen Negierung auf die noch obwaltenden Mißstände und Hindernisse auf dem Gebiete des israelitischen Schulwesens lenken zu dürfen; so muß es ihm auch gestattet sein, die Hoffnung auszusprechen, daß die projektirten Lehrerkonferenzen im Läufe der Zeit dazu beitragen werden, wenn auch nicht alle, doch einige Schwierigkeiten zu beseitigen und das Schulwesen auf eine Sruse zu geleiten, von welcher herab es die geistige Erhaltung und den geistigen Fortschritt der kommenden Generationen bewirken wirb. , In diesen Lehrerkonferenzen kommt die Anstellung des Lehrers und dessen Beköstigung zur Sprache, es finden darüber Berathungen Statt, auf welche Weise die definitive Anstellung und das Aushören der sogenannten Reihetische am leichtestenzu erzielen sei, und aus diesen, den Gegenstand von allen Seilen beleuchtenden Verhandlungen erwachsen gründliche Bittgesuche und Vorstellungen an die hohe Staatsbehörde um Abänderung der noch so tief wurzelnden Msbräuche. Zn diesen Konferenzen kann durch die Lokalkenntniß der Mitglieder sehr Leicht ermittelt werden, welche Gemeinden jedesmal zu einem Schulverbande zusammengezogen werden können, in welchem nicht allein alle Eltern ohne Uuterschied verpflichtet sein müßten, ihre Kinder Behufs des Religionsunterrichtes dem angestellten geprüften und von Königl. Regierung koncessionirten Lehrer zu übergeben, sondern auch alle Mitglieder des Schulverbandes gehalten sein mußten, zur Besoldung des Lehrers und zu dessen Beköstigung Beiträge zu (eisten, besonders wenn die Schule auch von Kindern unbemittelter Eltern besucht wird, unb der Lehrer zugleich als Vorsänger fungirt, wobei jedes Mitglied interressirt und betheiligt ist. Solche Ermittlungen durch die Konferenz haben den ersprießlichen Nutzen die genauesten Nachweisungen der Königl. Regierung zum Zwecke gedachter Einrichtungen liefern zu können. Die Feststellung sowohl eines Unterrichtsals Lektions- und Stundenplanes, sowie die Bestimmung über die einzuführenden Bücher, gehören aber doch sicher zu den Hauptaufgaben der Konferenz, und steht es nicht anders zu erwarten, als daß Männer vom Fache diese zur allgemeinen Zufriedenheit und zum allgemeinen Nutzen lösen werden, wie sich die Konferenz laut Statuten §. 1. zum Zwecke gesetzt hat: Belebung und Hebung des jüdischen Schulwesens und Entfernung der darin noch vorhandenen Mängel. ' Zur Verbreitung der wissenschaftlichen Bildung unter den israel. Bewohnern des platten Landes wird die Konferenz gewiß nach Kräften beitragen durch die §. 13 der Statuten ausgesprochene Bestürmung,, daß die Lehrerkonferenz zugleich einem Leseverein bildet , und jedes Mitglied die Pflicht übernimmt, dahinzu wirken , in seiner Gemeindeeinen Filialleseverein zugründen. ' Abgesehennundavon, daßin solchen Versammlungen mancheneue- Lehrmethode besprochen-,, manchesneue Buchbe-